Einen Arbeitsplatz mit schönem Ausblick haben die Dachdecker Andreas Wachter und sein Kollege.
Pittenhart – Vor einiger Zeit hat Kirchenpfleger
Englbert Vodermaier einige Schäden an der Schiefereindeckung am Pittenharter Kirchenturm entdeckt. Eine genaue Bildaufnahme erfolgte daraufhin mit einer Drohne. An mehreren Stellen waren die Schieferplatten sehr marode und bedürfen dringend einer Ausbesserung, um Wasserschäden in der Holzkonstruktion zu vermeiden. Gerade die der Witterung extrem ausgesetzte Westseite des Turms zeigt viele marode Stellen, teilweise fehlten Teile der Schieferplatten.
Spektakulärer Einsatz
mit Autokran
Mitte August rückte nun der Dachdeckermeister Andreas Wachter aus Grassau in der Früh an, um sich ans Werk zu machen. Ein blauer Lieferwagen mit seiner Firmenaufschrift parkt am Kirchplatz.
Das zusätzliche „Werkzeug“, das der Dachdeckermeister braucht, um in schwindelnder Höhe die Reparaturarbeiten ausführen zu können, erregt schon mehr Aufsehen im Dorf. Um den sehr aufwendigen Gerüstaufbau zu umgehen, wird ein Autokran den Dachdeckermeister zu seinem Arbeitsplatz hochbringen. Ein 230-Tonnen-Autokran wird am östlichen Kirchplatz aufgebaut. „Nach oben? – gibt es bei uns keine Grenzen“, so ist auf dem Fahrzeug der Autokranfirma aus Schechen zu lesen. Ein Arbeitskorb am Haken des 75 Meter hohen Masts wird ein paar Stunden der Arbeitsplatz des Dachdeckerteams sein. Wie der Kranführer erklärt, ist es eine Herausforderung, den Arbeitskorb mit den Handwerkern genau in Position zu bringen. Geschicklichkeit und Feingefühl sind dabei erforderlich.
Circa 70 Jahre ist die Schiefereindeckung des knapp 60 Meter hohen Pittenharter Kirchturms alt und Wachter lobt den guten Zustand. Die Eindeckung erklärt er als Doppeldeckung, was bedeutet, dass die Schieferplatten überlappend angebracht sind und die dritte Platte die erste Platte noch überdeckt. Zwischen 22.000 und 25.000 Steine sind am Turm vernagelt, ungefähr 20 Jahre wird die Eindeckung schon noch standhalten.
Die bestehenden Platten in Pittenhart haben ein heutzutage nicht mehr handelsübliches Maß, und so muss jede Platte einzeln „zugeschnitten“ werden. Der Handwerksmeister erklärt, dass die Schieferplatten mit Eisenadern durchzogen sind, was dann im Laufe der Jahre und durch Witterungseinflüsse zu Abplatzungen bei den Natursteinplatten führt. Je älter der Stein wird, umso öfter treten diese Schäden dann auf. Seine Reparatur dient nur der Regensicherheit, „eine Schönheitsreparatur“ wäre unwirtschaftlich.
Schwindelfreiheit und
Kletterkünste gefragt
Andreas Wachter ist einer der wenigen Handwerker, die diese Arbeit ausführen. Nicht nur sein fachliches Können und seine Erfahrungen sind gefragt, oft liegt sein Einsatzort viele Meter über dem Boden, was Schwindelfreiheit und Kletterfähigkeiten erfordert. In Pittenhart wird ihm seine Arbeit etwas durch den Arbeitskorb am Haken des Auslegers vom Autokran erleichtert.