Mit 98 Jahren friedlich eingeschlafen: Trauer um Katharina Straßer

von Redaktion

Prenner-Bäuerin aus Nöstlbach bei Pittenhart gestorben – Langer Lebensweg zu Ende gegangen

Pittenhart – „Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt dennoch, dass es plötzlich Nacht ist“ – diesen Vers hat die Tochter für das Sterbebild von Katharina Straßer ausgewählt. Langsam ist die Sonne im Leben von Katharina Straßer untergegangen. Die letzten Jahre waren altersbedingt sehr mühsam geworden. Seit 2015 nahm ihre Sehkraft zunehmend ab, und Ende Oktober 2023 brach sie sich bei einem Sturz den vorderen und hinteren Beckenring.

Die folgenden Operationen waren für die damals 96-Jährige eine große Belastung. Nach einer weiteren Operation im März 2024 war sie gänzlich ans Bett gefesselt. All die Zeit stand ihr Tochter Elfriede zur Seite, die sie mit sehr viel Liebe und Einsatz bis zur letzten Stunde gepflegt hat. Auch wenn die körperlichen Umstände den Bewegungsradius von Katharina Straßer zunehmend kleiner machten, geistig war sie fit und freute sich über Besuche. Besonders die Nachbarin war immer herzlich willkommen, und der „Ratsch“ mit ihr tat der Seniorin gut.

Geboren wurde Katharina Straßer am 2. April 1928 in Apping in Pittenhart, wo sie mit ihren Geschwistern am elterlichen Schillauer-Anwesen westlich von Nöstlbach aufwuchs. Zur Schule ging sie in Pittenhart, und sie verbrachte ihre Jugendzeit überwiegend in der Gemeinde – viele Möglichkeiten gab es während der Kriegszeit nicht. Nach dem Krieg absolvierte sie in Rimsting eine Ausbildung zur Damenschneiderin und, wie sie immer stolz erzählte, hatte sie diese Lehre sehr erfolgreich mit zweimal der Note eins abgeschlossen. Nach der Ausbildung machte sie sich in Apping als Schneiderin selbstständig.

Katharina Straßer verliebte sich in Ferdinand Straßer, einen Bauern aus dem Nachbardorf Nöstlbach. Beide kannten sich von klein auf, waren zusammen in die Schule gegangen und hatten gemeinsam mit den anderen Dorfkindern die Kindheit und Jugendzeit verbrach.

Für die versierte Damenschneiderin zeichnete sich schon bald der Weg in Richtung ihres Berufes ab. Als ältere Tochter des Schillauer-Anwesens hätte sie dieses eigentlich übernehmen sollen, worauf sie aber dann zugunsten ihrer Schwester Resi verzichtete. Bäuerin wollte sie eigentlich nie werden, wurde aber dann durch die Hochzeit im Mai 1957 mit Ferdinand Straßer die „Prenner-Bäuerin“ von Nöstlbach. Dass sie denselben Familiennamen wie ihr Mann Ferdinand trug, beruhte auf einer sehr weit, über viele Generationen zurückliegenden Verwandtschaft. Schon in jungen Jahren machte sie – damals für eine Frau eher unüblich – den Führerschein.

Im Januar 1960 kam Tochter Elfriede zur Welt und brachte Sonnenschein in die Familie. Schon in jungen Jahren zeichnete sich bei ihrem Mann Ferdinand eine Herzkrankheit ab, was das Familienleben und gemeinsame Unternehmungen stark einschränkte. Später erkrankte der Prenner-Bauer dann auch noch an Lymphdrüsenkrebs, weshalb die gemeinsam betriebene Landwirtschaft aufgegeben werden musste. Katharina besorgte sich Arbeit, erst bei der Firma Loos in Traunreut und dann bei der Firma Tiedemann in Pittenhart, die sie in Heimarbeit erledigte. Ihr Mann nahm immer wieder, so gut es seine Gesundheit erlaubte, kleinere Aushilfsjobs an, um Geld zu verdienen.

1984 wurden das alte Bauernhaus und einige Grundstücke verkauft und gegenüber der Hofstelle ein Zweifamilienhaus gebaut. Die gesundheitliche Situation des Vaters brachte es mit sich, dass die Tochter 1998 nach Hause kam und sich im Chiemgau als Steuerberaterin selbstständig machte. Das Familienhaus sollte ja erhalten bleiben – eine schwere Aufgabe und große Herausforderung für eine junge Frau, die sie dann auch Anfang der 2000er-Jahre mit einer unheilbaren Krankheit bezahlte.

Ein Schicksalsschlag für die Familie war im November 2001 der frühe Tod des Ehemanns und Vaters im Alter von 73 Jahren. Die finanzielle Lage von Mutter und Tochter war weiterhin sehr angespannt, was den Verkauf ihres Hauses unumgänglich machte. Beide konnten aber weiterhin als Mieter im Haus wohnen bleiben. Worte wie jene aus dem Lied „Still ist’s nun geworden“, das der Pittenharter Kirchenchor bei der Trauerfeier für Katharina Straßer gesungen hat, könnten das Leben und den Tod von Katharina Straßer nicht trefflicher beschreiben. Still ist es am Samstag, 25. Juli, geworden, als sie im gesegneten Alter von 98 Jahren zu Hause friedlich einschlief. emk

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