Fast ein ganzes halbes Jahr

von Redaktion

Christian Zweckstätter hat vor 118 Tagen das Amt des Bürgermeisters in Brannenburg übernommen. Als Handwerker wollte er anstehende Aufgaben mit Tatkraft anpacken. Im engen Korsett der Verwaltung lernt er täglich dazu. Nun setzt er auf eine starke Gemeinschaft und die Zusammenarbeit mit den Bürgern.

Brannenburg – „Ich bin Handwerker“, sagt Christian Zweckstätter von sich. Vor 159 Tagen (Stand 28. August) wurde er zu Brannenburgs Bürgermeister gewählt, und ist damit seit 118 Tagen im Amt. Als Handwerker sieht er sich auch von seinem Naturell her: „Ich bin einer, der die Ärmel hochkrempelt, der anpacken will, wenn er irgendwo eine Aufgabe sieht.“

„Anpacken“ ist für
Bürgermeister schwierig

Das mit dem Anpacken ist als Bürgermeister allerdings nicht ganz so einfach. Schon jede normale Firma ist eine Welt für sich, in der man sich „als Neuer“ erst zurechtfinden muss. Bei einer Gemeindeverwaltung ist das Zurechtfinden aber noch einmal eine ganz andere Nummer: Hier gibt es ja nicht nur Gepflogenheiten und Ablaufgewohnheiten, die man sich in einer gewöhnlichen Firma zum Großteil selbst geben kann, hier gibt es ein enges Korsett von Verwaltungsvorschriften und Rechtsverbindlichkeiten, an denen man einfach nicht vorbeikommt. Sprich: Mit einfachem Hauruck und bloßer Hemdsärmeligkeit käme man hier nicht weit.

Nun ist Christian Zweck-stätter kein ganz „heuriger Hase“ mehr – glücklicherweise, wie er sagt: Sechs Jahre als Gemeinderat hat er hinter sich, drei davon als dritter Bürgermeister. Dennoch stellt er fest: „Erster Bürgermeister zu sein, ist nochmal ganz was anderes. Und wer von sich behauptet, er hätte im Vorhinein gewusst, was da im Amt alles auf einen zukommt, ist nicht redlich mit sich selbst. Es ist einfach so: Man lernt am Anfang buchstäblich jeden Tag dazu.“

Und er betont, dass es deshalb für jeden Neuling im Bürgermeisteramt von ganz entscheidender Wichtigkeit ist, dass er eine Verwaltung hat, auf die er felsenfest bauen kann. „Wer sich nicht darauf verlassen kann, dass die Einschätzungen und Beurteilungen, die er von seiner Verwaltung bekommt, sachlich absolut wasserdicht sind und ihm aus einem Geist der Unterstützung heraus vorgelegt werden, der steht eigentlich von Anfang an auf verlorenem Posten.“ Und er wird noch deutlicher: „Wenn es eine Verwaltung darauf anlegte, würde man zwangsweise in jedes Fettnäpfchen stolpern, das einem hingestellt wird.“

Gemeinsam an einem Strang ziehen

Gerade deshalb ist Christian Zweckstätter glücklich über das Team, mit dem er im Brannenburger Rathaus zusammenarbeiten darf, und das, so sagt er, „gilt ausdrücklich für jeden Einzelnen, vom Bauhof bis zum Geschäftsstellenleiter“. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es deshalb auch, sich schriftlich von jedem Einzelnen eine Liste zu erbitten mit allen Abläufen, die als erprobt eingeschätzt wurden, und allen Änderungen, die man für wünschenswert hielt. „Ich wollte, dass alle hier im Haus wissen, dass wir meiner festen Überzeugung nach nur dann schlagkräftig sind, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Und dass ich in dem Zusammenhang dafür stehe, dass sich jeder einbringen kann, in dem Bewusstsein, dass er mit seiner Meinung gehört wird.“

Für Christian Zweckstätter ist jedenfalls klar: Nur wenn man weiß, dass man in seiner Verwaltung eine gesicherte und solide Basis hat, hat man den Rücken frei, um das zu tun, was man als Bürgermeister tun muss: Für Probleme mit sozusagen aufgekrempelten Ärmeln Lösungsvorschläge zu entwickeln, die dann vom Gemeinderat abgewogen und beurteilt und anschließend in Beschlüsse übergeführt werden können.

Ein Bürgermeister
für alle Bürger

Klar ist für Christian Zweckstätter auch: Beteiligung hört nicht bei den eigenen Verwaltungsmitarbeitern und bei einer möglichst transparenten Gemeinderatsarbeit auf. Sondern ganz entscheidend ist auch die Einbeziehung der Bürger. Deshalb habe er von Anfang an vorgehabt, ein Bürgermeister für alle zu sein, stets zugänglich und ansprechbar. Auch wenn ihm – vor allem aber auch seiner Frau Susanne – nicht völlig klar gewesen sei, wie häufig man tatsächlich angesprochen werde – im Grunde eigentlich immer, sobald man das eigene Haus verlasse.

Das sei einerseits fordernd, natürlich, aber andererseits auch ungeheuer positiv: „Man bekommt hier“, so sagt Christian Zweckstätter, „immer auch ein direktes Feedback, wo die Menschen in Brannenburg der Schuh drückt und wie die eigene Arbeit bei ihnen ankommt.“ Und weil diese Rückmeldungen, so seine Erfahrung, meist auch einen positiven Beiklang hätten, selbst wenn es rein sachlich um Probleme gehe, machten sie das Amt erfüllend: „Man weiß dann einfach, wofür man es tut. Und ohne Übertreibung: Ich bin dankbar, dass ich in und für Brannenburg Bürgermeister sein darf.“

Artikel 1 von 11