Griesstätt – Der Wast war ein Griesstätter Urgestein, wo er mit seinen Geschwistern Erna, Sepp und Maria aufgewachsen ist. Als waschechter Lausbub hat er so manchen Streich gespielt. Egal ob es Sautrogfahren auf dem Inn war oder eine waghalsige Überquerung des Inns im Handstand auf dem Geländer der Brücke. „Seine Kindheit, geprägt von Krieg, Nachkriegszeit und einem strengen Vater, war nicht leicht“, sagte Gemeindeassistent Wolfgang Langsenlehner beim Seelengottesdienst in der Pfarrkirche für den im November 1941 Geborenen.
Nach dem Volksschulbesuch in Griesstätt lernte er das Metzgerhandwerk bei der Metzgerei Soyer. Anschließend arbeitete er bei Metzgereien in Kirchseeon und dann in Rosenheim. Bevor er in Rente ging, war er bei einer Metzgerei in Aßling beschäftigt. Für die Griesstätter und die umliegenden Landwirte war er einfach nur der „Metzger von Griesstätt“, den man rief, wenn man wen zum Schlachten brauchte.
In der Rente unternahm er viele Ausflüge, ging jeden Sonntag zum Tanzen. Fast täglich spazierte er am Inn. Er hat am Leben teilgenommen und hatte einen vollen Terminkalender bis vor fünf Jahren, als er wegen seiner Krankheit einfach nicht mehr konnte. Stets war er ein lieber Vater und ein zauberhafter Opa.
Mitgliedschaft in
vielen Vereinen
In der damals neuen Siedlung hat er sein Haus gebaut, in dem er bis kurz vor seinem Tod wohnte, gemeinsam mit seiner Tochter Karin und deren Kindern Jasmin, Tobias und Florian. Viele Jahre wohnte auch sein Sohn Martin bei ihm im Haus. So wie er für Kinder und Enkelkinder Tag für Tag da war, so war es für die Kinder an der Zeit, als es ihm schlechter ging, eine Selbstverständlichkeit, sich um ihn zu kümmern. Nicht nur in Griesstätt war der „Oacha Wast“ durch seine Mitgliedschaft in vielen Vereinen bekannt und beliebt, sondern ebenso in Rosenheim, wo er viele Jahre für den Rosenheimer Boxclub Bavaria und die Deutsche Jugendkraft (DJK) Rosenheim aktiv war und dafür viele Kämpfe bestritt. Viele Pokale erinnern an seine Erfolge im Ring. Im Jahr 1971 wurde er bayerischer Meister im Weltergewicht. Für viele bleibt sein Kampf 1972 gegen den Olympiateilnehmer und späteren Europameister Günther Meier unvergessen, den er nach Punkten verlor, womit er Vizemeister wurde.
Mit dem „Goldenen
Karabiner“ ausgezeichnet
Der Wast ging gerne in die Berge. Die Hochries bestieg er zeitweise jedes Wochenende. Eines Tages konnte er das Tempo nicht mehr ganz halten, musste wegen Schmerzen in der Brust einen Arzt aufsuchen. Das Ergebnis waren vier Doppelbypässe, die er bei einer schweren Operation erhielt. Einige Jahre vorher war er noch nach Chile geflogen, um den Aconcagua mit 6.962 Metern, zu besteigen. Dafür wurde er vom Wasserburger Alpenverein mit dem „Goldenen Karabiner“ ausgezeichnet. Für seine sportlichen Erfolge wurde er auch von der Stadt Rosenheim mit der „Goldenen Anstecknadel“ geehrt.
Der Wast war stets ein geselliger, umgänglicher und gern gesehener Mitbürger. Als ehemaliger Pächter der Gaststätte Turneralm in Oberwöhr kümmerte er sich um das Wohlbefinden seiner Gäste und hörte sich gern ihre Geschichten an. Als gläubiger Mensch war es ihm immer ein Anliegen, sich an die Verstorbenen zu erinnern, von denen er die Sterbeandenken aufbewahrte. Der Wast war kein Mann der großen Worte, doch er hatte ein mitfühlendes Herz. Das zeigte sich dann eher in seinen Taten, seiner wohltuenden Anwesenheit, seiner stillen Fürsorge oder den vielen Gesten, die ihn auszeichneten.
Dank für langjährige
Treue zum Verein
Seine Beliebtheit zeigte sich beim Gottesdienst, den Professor Lopez zelebrierte, der Kirchenchor unter der Leitung von Georg Opielka gesanglich gestaltet wurde und bei dem sehr viele Angehörige, Freunde und Bekannte für den Wast beteten.
Bei der Beerdigung fand Gemeindeassistent Langsenlehner tröstende Worte für die Angehörigen. Für den Krieger- und Reservistenverein dankte Vorstand Josef Polatzky dem „Oacha Wast“ für seine langjährige Treue zum Verein. Musikalisch umrahmt wurde die Bestattung von einer Bläsergruppe.