Brass-Wiesn mit und nicht gegen Anwohner

von Redaktion

Die angekündigte Verlegung des Blasmusik-Festivals Brass-Wiesn nach Maxlrain ab 2027 hat bei den Anwohnern für Unmut gesorgt. Bei einem Informationsabend hat der Veranstalter versucht, die Wogen zu glätten. Viele Bürger äußerten sich im Anschluss jedoch weiterhin skeptisch und kritisierten die bisherigen Pläne als unkonkret.

Tuntenhausen – Die Ankündigung, dass das Blasmusik-Festival Brass-Wiesn künftig in Maxlrain stattfinden soll, hat zahlreiche Anwohner des Tuntenhausener Gemeindeteils in Alarmbereitschaft versetzt. Mit einem Informationsabend in Maxlrain wollte der Veranstalter des Festivals, die Sonnerot GmbH aus Chieming, gemeinsam mit der Schlossbrauerei Maxlrain, auf deren Grund die Veranstaltung steigen soll, jetzt die Wogen glätten.

Schwammige
Informationen?

Geglückt ist das (bislang) eher nicht. Denn während die Brauerei die Stimmung vor Ort als „grundsätzlich gut“ empfunden und Alexander Wolff, Geschäftsführer des Veranstalters, „total positiv“ die Heimfahrt angetreten hatte, sprechen Anwohner von „sehr schwammigen“ Informationen.

Nach der Bekanntgabe, dass die Brass-Wiesn von Eching (Landkreis Freising) nach Maxlrain ziehen wird, hatten sich rund 40 Anwohner in einem Schreiben an diverse Behörden und die Familie von Lobkowicz als Inhaber des Festival-Geländes gewandt. In dem Schreiben meldeten sie „erhebliche Bedenken“ an. So befürchten die Unterzeichner eine „Einschränkung der Lebensqualität“ durch das Festival, das erstmals vom 5. bis 7. August 2027 in Maxlrain stattfinden soll. Wobei sie unter anderem Lärm, Müllberge und Straßensperren anführten.

Besonders sauer aufgestoßen war den Anwohnern, dass sie aus ihrer Sicht „nicht frühzeitig und transparent über die Planungen informiert“ worden sind. Ein Kritikpunkt, den sich die Schlossbrauerei zu Herzen nahm und daher nun gemeinsam mit dem Veranstalter zu einem Informationsabend unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingeladen hatte. Zwischen 50 und 60 Anwohner hatten schließlich an der über dreistündigen Veranstaltung teilgenommen. „Die Stimmung war aus unserer Sicht grundsätzlich gut, sachlich und fair“, teilte Sebastian Neumeyer, Betriebsleiter der Schlossbrauerei Maxlrain, auf OVB-Anfrage mit. „Die unterschiedlichen Standpunkte wurden offen und auf Augenhöhe diskutiert.“ Spürbar sei aber gewesen, dass einige Anwohner „aufgrund ihrer Erfahrungen mit anderen Veranstaltungen sehr genau darauf achten, dass bestimmte Situationen künftig vermieden werden“. Mehrheitlich habe er die Wortmeldungen aber „weniger als grundsätzliches ,Nein zur Brass-Wiesn‘ in Maxlrain“ wahrgenommen, sondern „vielmehr als den nachvollziehbaren Wunsch, frühzeitig gehört und in die Planungen einbezogen zu werden“. Eine Einschätzung, die Alexander Wolff, Geschäftsführer des Brass-Wiesn-Veranstalters Sonnenrot GmbH, teilte. „Diese Veranstaltung war echt notwendig, zumal es auch nicht unser Anspruch ist, so spät zu informieren“, zeigte sich Wolff selbstkritisch. „Diese Informationsveranstaltung hätte schon deutlich früher gemacht werden müssen.“ Er beklagte aber auch Fehlinformationen, die die Runde gemacht hätten. „Es wird beispielsweise immer davon gesprochen, dass 15.000 Besucher kommen. Es werden auf jeden Fall 3.000 weniger, da wir hier mit einer geringeren Zahl starten wollen.“ Auch Gerüchten, es werde „bis in die Nacht rein Musik gespielt“, trat Wolff entgegen: „Das ist einfach nicht richtig.“

Nach Angaben von Neumeyer seien im Laufe des Abends seitens der Anwohner unter anderem Fragen rund um die Einzäunung von Grundstücken, Zufahrtsmöglichkeiten von Anwohnern und zu Unternehmen sowie generelle Sicherheitsfragen gestellt worden. „Wir konnten im Rahmen des Abends bereits zahlreiche konkrete Hinweise aufnehmen und verschiedene Punkte erläutern“, so der Brauerei-Betriebsleiter, der ankündigte, dass diese Themen nun „in die weitere Konzeption einfließen“ werden. Er verwies zudem darauf, dass bei Veranstaltungen dieser Größenordnung außerdem „behördliche Vorgaben und Anforderungen“ einzuhalten seien.

Da sich die Veranstaltung aktuell in der Planungsphase befände, machte Wollf deutlich, dass es noch Themen gäbe, „die wir nicht auf Anhieb beantworten können“. Er versprach aber, dass die Anwohner „in den kommenden Wochen von uns Antworten bekommen“. Denn Ziel sei nicht, „sich mit der Brass-Wiesn breit zu machen, Lärm zu erzeugen – und dann sind wir wieder weg“, so der Veranstalter: „Wir wollen hier vor Ort ein Miteinander mit den Anwohnern.“

Wobei er – ebenso wie Brauerei-Betriebsleiter Neumeyer – fest davon ausgeht, dass man mit den Maxlrainern auf einen Nenner kommen wird: So sei es für ihn ein „gutes Zeichen“ gewesen, dass ihm im Anschluss an den Informationsabend zahlreiche Anwohner gesagt hätten, „dass sie die Veranstaltung ganz gut finden“. Daher habe er seinen Heimweg „total positiv“ angetreten.

Das Gefühl,
„gehört worden zu sein“

Was aber scheinbar nicht für alle Anwohner gegolten hatte. Zwei Maxlrainer, die anonym bleiben möchten, beschrieben den Abend gegenüber dem OVB als „sehr emotionsgeladen“. Es sei „immer wieder reingerufen“, teilweise auch „laut geworden“. Zwar fühle man sich ein bisschen besser informiert, wisse beispielsweise nun, dass die Bühne in Richtung Schloss ausgerichtet werde. Dennoch seien die meisten Informationen und Antworten auf die Fragen „vage“ und „sehr schwammig“ gewesen. Ein Anwohner gab auf OVB-Anfrage sogar an, dass er „überhaupt nicht das Gefühl hatte, gehört worden zu sein“. Doch wie geht es nun weiter? Nach Angaben von Schlossbrauerei-Betriebsleiter Neumeyer sollen den Anwohnern bei einem weiteren Informationsabend „Lösungen und Maßnahmen“ vorgestellt werden: „Unser gemeinsames Ziel ist es, die Brass-Wiesn zu einem besonderen Erlebnis in Maxlrain zu machen – und dabei gleichzeitig die berechtigten Interessen und Bedürfnisse der Menschen vor Ort bestmöglich zu berücksichtigen.“

Artikel 4 von 11