Ein musikalisches Stück Heimat

von Redaktion

Dreder Musi feiert 80. Geburtstag – Eine Institution des Rosenheimer Herbstfests

Rosenheim – Roland Merk (58) ist ein kräftiger Mann, der gute Laune ausstrahlt. Selbst dann, wenn er, wie jetzt, noch die Folgen einer Erkältung spürt. Man könne ja gar nicht anders, jetzt, zu Zeiten der Rosenheimer Wiesn, sagt er. Roland Merk ist der langjährige Dirigent der Dreder Musi, der Stammkapelle im Flötzinger-Zelt. „Diese jahrzehntelange Verbundenheit ist etwas ganz Besonderes“, sagt Flötzinger-Geschäftsführerin Marisa Steegmüller. „Die Dreder Musi ist für uns nicht einfach die Musik im Zelt, sie ist ein Stück Flötzinger-Festzelt, ein Stück Rosenheimer Herbstfest und ein Stück Heimat.“

„Der absolute
Höhepunkt im Jahr“

Die Kapelle feiert heuer (2026) ihr 80-Jähriges. Und von diesen 80 Jahren hat Merk über die Hälfte als Musiker der Musi erlebt, genau gesagt: 42. Oder, anders gesagt: rund 670 Tage, also fast zwei Jahre. Er ist so etwas wie das Gesicht der Kapelle. Und all dessen, was dazugehört. Das hier, sagt er und blickt sich kurz auf dem Wiesn-Gelände auf der Loreto-Wiese um, „ist schon so etwas wie Familie“.

Seit 36 Jahren ist er der Chef. Ein Multitalent, Vorsitzender, Sänger, Musikant und Taktgeber zugleich. Mit dem Fingerspitzengefühl eines DJs, der ahnt, was sein Publikum im Moment gerade will. Ein Überzeugungstäter, so könnte man ihn nennen. Vor allem, wenn es um die Kombination Dreder Musi und Rosenheimer Wiesn geht. Der schönste Ort der Welt, so hat er das Herbstfest schon genannt. „Der absolute Höhepunkt im Jahr“, sagt er jetzt, „für uns alle“.

Und das schon seit langer Zeit. Die Dreder Musi, 1946 gegründet, um den Menschen wieder so etwas wie Freude und Zuversicht zu vermitteln, strebte schnell auf. Und schon 1951 spielte sie erstmals auf der Rosenheimer Wiesn. In der Herbstfest-Zeitrechnung ist das eine Ewigkeit. Man muss sich das mal vorstellen: Münchens OB Thomas Wimmer hatte erst im Jahr zuvor den Brauch des Anzapfens erfunden. Im selben Jahr erlebte die Schwarzfischer-Kapelle im Schottenhamel-Zelt ihre Premiere. Doch dann folgten schon Rosenheim und die Dreder Musi – damit stellen die Musikanten aus Jahrezöd die zweitälteste Volksfestkapelle.

Das Herbstfest ist für die Menschen der Höhepunkt, weil man auf der Wiesn so viel sieht, hört und schmeckt. „Weil man so viele Menschen hier kennt und trifft“, fügt Merk beim Gang durch das Flötzinger-Zelt hinzu. Es ist ein Ort der Emotionen. Auch für ihn, den Routinierten. Merk bekommt feuchte Augen, als ihn der OVB-Reporter nach seinem schönsten Wiesn-Erlebnis fragt.

2022 sei das gewesen, das allererste Mal Herbstfest seit Ausbruch der Corona-Pandemie, mit Festzug, Eröffnungsreden und Anzapfen. „Die Leute haben uns bejubelt“, sagt Merk, der stattliche Musikant, und wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Vielleicht auch deswegen, weil Corona so eine schwierige Zeit war. Gerade für die Künstler. Und noch mal eins mehr für die Dreder Musik: Merks Stellvertreter Sepp Mangstl starb im März 2020 an Covid – der erste Corona-Tote im Landkreis Rosenheim.

Seit einiger Zeit hat die Dreder Musi eine Doppelspitze. Roland Merk hat den Dirigentenstab noch in der Hand. Mehr und mehr übergibt er jedoch an seinen Sohn Anian. Eine Stabübergabe mit Fingerspitzengefühl, kein abrupter Wechsel, so wie er das seinerzeit erlebt hat. Da, so erzählt Roland Merk, habe auch der eine oder andere Ältere gesagt, dass er sich das nicht mehr antun wolle. Das genau will er vermeiden. Dass in der Dreder Musi Jügere und Ältere spielen, ist eine Stärke.

Anian (27) ist ausgebildeter Ensemble- und Chorleiter. Seit 2010 ist er dabei. Wie sein Vater schätzt er die Stimmung auf der Rosenheimer Wiesn, die Mischung aus Tradition und Neuem, aus Blasmusik und Pop-Hits. Früher habe man geschunkelt, und auf die Bänke sei noch niemand gestiegen, sagt Vater Roland. Heute sei die Stimmung „explosiv ausgelassen“, sagt Anian, „und in den Gängen tanzen die Menschen“. Die Dreder Musi kommt mit beidem zurecht. Der Blasmusik am Nachmittag – gerne mit Musik aus dem Böhmerwald, die beide Merks so schätzen. Ebenso wie die Partymusik ab halb neun.

Um die 140 Stunden Einsatz beschert die Wiesn der Dreder Musi, Aufbau und andere Vorbereitungen nicht eingerechnet. Dennoch sei die Musi eine Laienkapelle geblieben, sagt Vater Merk. Wer mitmacht, nimmt Urlaub. Er selbst ist Heizungsbauer, sein Sohn Anian angehender Lehrer. Wer den hohen Aufwand so nicht bringen wolle, könne nicht in der Kapelle bleiben. „Aber die meisten sind geblieben“, sagt er schmunzelnd.

Rund 140 Stunden
Einsatz auf der Wiesn

Es seien die Musiker und ihre Dirigenten, die Tradition so leidenschaftlich weiterführten, sagt Marisa Steegmüller. Und die spürten, „wann es gemütlich sein darf, wann echte bayerische Blasmusik gefragt ist – und natürlich auch, wann die Stimmung richtig steigen darf“. So seien „aus Musikern, Brauerei und Festzelt eine Gemeinschaft und viele Freundschaften entstanden“. Sie wünscht sich viele weitere gemeinsame Jahre. Und es wirkt nicht, als habe die Dreder Doppelspitze dagegen etwas einzuwenden.

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