Feldkirchen-Westerham – Kleines Insekt, große Wirkung: Hornissenstiche haben am vergangenen Sonntagnachmittag in Naring bei Feldkirchen-Westerham einen Rettungseinsatz verursacht, an dem Feuerwehr, Bergwacht, zwei Notärzte und ein Rettungshubschrauber beteiligt waren. Zwei Männer mussten ins Krankenhaus gebracht werden.
„Grundsätzlich
friedliche Tiere“
Für Ausflügler, die aufgrund des Vorfalls nun Angst vor Hornissen-Angriffen haben, stellt ein Sprecher des Bund Naturschutz gegenüber dem OVB jedoch klar: „Es ist ein Irrglaube, dass Hornissen aggressiv sind. Es sind, wie Bienen auch, grundsätzlich sehr friedliche Insekten.“
Ein nach Angaben der Bergwacht Hausham etwa 60 Jahre alter Mann war am Sonntagnachmittag gegen 14 Uhr gemeinsam mit einer Begleiterin in einem Wald im Feldkirchen-Westerhamer Gemeindeteil Naring unterwegs. Auf seiner Wanderung hatte das Duo ein Hornissennest passiert, wobei der Mann von zwei Hornissen gestochen wurde. Da er auf die Stiche mit Atemnot, Kreislaufproblemen und starken Schwellungen reagierte, setzte seine Wandergefährtin einen Notruf ab.
„Unsere First-Responder-Einheit wurde als Erstversorger alarmiert“, schildert Sven Gericke, Kommandant der Feuerwehr Feldkirchen-Westerham, die Einsatzsituation gegenüber dem OVB. Da der Einsatzort allerdings mitten in einem schwer zugänglichen Waldgebiet jenseits eines Baches lag, alarmierte die Feuerwehr schließlich die Bergwacht Hausham nach, die mit einem allradfähigen Fahrzeug mit Patientenliege anrückte.
„Normalerweise ist der Berg ja unser klassisches Einsatzgebiet“, so Bergwacht-Einsatzleiter Max Fendel, der gemeinsam mit zwei Haushamer Kameraden und einem Kollegen der Bergwacht Leitzachtal nach Naring geeilt war. „Aufgrund der Geländebeschaffenheit war es aber schon sinnvoll, uns hinzuzuziehen.“ Denn das Bergwacht-Quartett chauffierte das medizinische Personal schließlich zur tief im Wald gelegenen Einsatzstelle.
Auch Notarzt
wurde gestochen
Mit an Bord des Allradfahrzeugs: ein Notarzt, der nur wenig später selbst zum Patienten werden sollte. Denn während der Versorgung des Wanderers wurde der Mediziner ebenfalls von einer Hornisse gestochen, was nach Angaben von Kommandant Gehricke ebenfalls zu einer „kleineren allergischen Reaktion“ führte.
Letztlich mussten beide Hornissen-Opfer – der Wanderer per Rettungshubschrauber, der Notarzt im Rettungswagen – zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. „Beide waren zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich aber bereits stabil“, so Gericke weiter.
Was die Hornissen aufgeschreckt und zur Attacke auf den Wanderer verleitet hatte, dazu gibt es bislang keine Erkenntnisse. Ein Sprecher des Bund Naturschutz (BN) in Bayern beschreibt die Insektenart auf OVB-Anfrage jedenfalls als „gar nicht aggressiv“. So würden Stiche von Hornissen, Bienen und Wespen in der Regel völlig „unabsichtlich“ entstehen, etwa dadurch, dass „man sich auf einem Stuhl zurücklehnt, auf dem gerade ein Insekt sitzt“. Denn, so der BN-Sprecher weiter: „Hornissen sind, ähnlich wie Bienen, sehr passiv und würden nie von sich aus angreifen.“
Auch mit einer weiteren Mär, die sich hartnäckig halte, will der Experte gegenüber dem OVB aufräumen: „Ein Stich einer Hornisse ist grundsätzlich nicht gefährlicher als der Stich einer Biene oder Wespe“, stellt der Sprecher klar. Mythen, wonach sieben Hornissenstiche einen Menschen töten könnten, seien einfach unwahr. Eine Ausnahme bilde selbstverständlich eine Allergie gegen ein Insektengift, wobei „dann auch ein einziger Stich bereits lebensgefährlich sein kann“.
Überzeugt ist der Bund-Naturschutz-Vertreter zudem davon, dass es in erster Linie vom eigenen Verhalten abhänge, ob man gestochen werde – oder eben nicht. „Das Wichtigste ist, sich gegenüber diesen Tieren ruhig zu verhalten und nicht nach ihnen zu schlagen, da sie sich sonst bedroht fühlen“, erklärt der BN-Sprecher. Auch die Tiere anzupusten, sei kontraproduktiv, da sie „das Kohlendioxid, das der Mensch ausstößt, überhaupt nicht abkönnen“. Er rät dagegen, mit Hornissen, Bienen und Wespen vorsichtig auf Tuchfühlung zu gehen: „Durch leichte und vorsichtige Handbewegungen lassen sie sich in der Regel problemlos zur Seite schieben, ohne dass sie angreifen.“