Rosenheim – Auf den ersten Blick wirkt alles wieder normal. Die Eingangstür steht weit offen, die gröbsten Schäden sind behoben, Hamza Alagöz steht vor dem Laden und unterhält sich gut gelaunt mit seinen Kunden. Vor ein paar Wochen musste der Inhaber des Juwelierladens „Alagöz“ einen Schock verkraften. Bislang unbekannte Täter krachten am 27. Juli am frühen Morgen mit einem Auto in sein Geschäft in der kleinen Fußgängerzone in Rosenheim. Sie nahmen Schmuck im Wert von rund 30.000 bis 40.000 Euro mit und flüchteten nach nicht mal einer Minute.
Ein Vorfall in Augsburg vor wenigen Tagen weckte jetzt Erinnerungen. Dort gab es in der Nacht auf den 2. September im Bereich des Bahnhofs eine Explosion eines unbekannten Gegenstands – in unmittelbarer Nähe zu einem Juwelierladen. Während sich die Polizei in Schwaben und das Landeskriminalamt derzeit noch bedeckt halten, soll es sich Medienberichten zufolge um eine Handgranate gehandelt haben. Zwei Personen wurden verletzt und erlitten ein Knalltrauma, teilt das Polizeipräsidium Schwaben Nord mit. Ob tatsächlich der Juwelier das Ziel der Explosion war, ist noch nicht bestätigt.
Einen Zusammenhang mit dem Einbruch in den Rosenheimer Juwelierladen scheint es nicht zu geben. Dafür spricht die unterschiedliche Tatbegehung.
Bei Blitzeinbrüchen hätten die Täter meist eine ähnliche Vorgehensweise, der „Modus Operandi“ sei der gleiche, erklärt Michael Spessa, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Die Einbrecher fahren mit einem Auto in den Eingangsbereich des Juwelierladens, nehmen in weniger als ein oder zwei Minuten mit, was sie brauchen können, und verschwinden mit einem PS-starken Fluchtfahrzeug.
So gingen auch die drei Unbekannten im Juli in Rosenheim vor. Mit einem silbernen VW Golf fuhren sie gegen die Tür des Juwelierladens, packten Armbänder, Kinderohrringe, Armreifen und Trauringe in schwarze Taschen und verschwanden mit einem dunklen Audi. Das Verblüffende: In den Wochen danach gab es Einbrüche, die fast identisch abgelaufen sein müssen. Das zeigt eine kurze Recherche. So zum Beispiel in Limburg in Hessen.
In der Nacht auf den 10. August rammten dort die Täter mit einem Auto das Schaufenster eines Juweliergeschäfts, stiegen durch die Öffnung ein und klauten Schmuck, wie das Polizeipräsidium Westhessen mitteilt. Die Parallelen zu Rosenheim: In beiden Fällen war es ein Montagmorgen, die Taten passierten gegen 4 Uhr, die Täter benutzten einen VW Golf zum Rammen, zum Flüchten ein dunkles Fahrzeug. Eine Zusammenarbeit mit den Rosenheimer Ermittlern gibt es bislang aber nicht, teilt eine Pressesprecherin aus Hessen auf OVB-Anfragen mit. „Derzeit gibt es keine Ansätze, dass man zusammenarbeiten müsste“, heißt es. Allerdings könne es durchaus noch dazu kommen.
Schließlich gibt es deutschlandweit weitere Fälle – so am 13. August in Hagen in Nordrhein-Westfalen oder einen Tag später in Kiel. Die Zusammenarbeit mit den anderen Dienststellen könnte womöglich der entscheidende Hinweis in solchen Fällen sein, sagt Michael Spessa. „Wenn die Kollegen woanders einige Puzzlestücke ermittelt haben, die aber noch nicht zum Erfolg geführt haben, können wir die unter Umständen mit unseren Stücken zusammensetzen und am Ende die Tat so aufklären“, sagt der Kriminalhauptkommissar. So weit sei man aber noch nicht, fügt er hinzu. Derzeit arbeite die Ermittlungsgruppe „Blitz“ in Rosenheim weiter an der Aufklärung.
Ob schon eine heiße Spur zu den Tätern des Blitzeinbruchs dabei ist, will Michael Spessa „aus ermittlungstaktischen Gründen“ derzeit nicht sagen. Die vielen digitalen Spuren machen die Ermittlungen sehr komplex, teilt der Kriminalhauptkommissar mit. „Der Auswertungsprozess der vorliegenden Spuren ist aktuell noch im Gange und konnte bisher noch nicht vollumfänglich abgeschlossen werden“, sagt Spessa.
Allerdings: Nach der Ausstrahlung der Folge zum Blitzeinbruch des OVB24-Podcasts „True Crime zwischen Inn und Alpen“ gab es noch mal neue Zeugenhinweise. Die Folge zum Nachhören sowie alle weiteren Folgen gibt es bei Spotify, Apple Podcasts und allen gängigen Podcatchern. Julian Baumeister