Rosenheim – Eine wirkliche Chance hatte sie nicht. In der Nacht auf Sonntag (30. August) wartete eine junge Frau am Rosenheimer Bahnhof auf ihren Zug. Die 31-Jährige aus Großbritannien machte hier Urlaub, wollte wohl eine Freundin in Österreich besuchen, diese sogar auf einer Beerdigung unterstützen. Dort angekommen ist sie nie.
Die junge Frau wurde gegen 0.50 Uhr in der Bahnhofsunterführung angegriffen, unvermittelt, mit einem Messerstich in den Oberkörper, wie es andere Medien berichten. Mutmaßlich von einem 27-Jährigen ohne festen Wohnsitz. Die Verletzungen der Frau waren so schwer, dass sie diesen im Krankenhaus erlag.
Blick in die
Kriminalitätsstatistik
Wieder einmal stellt sich nach so einer Tat die Frage: Schon wieder ein Messer? Ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts für 2025 untermauert das – zunächst zumindest. Nach wie vor ist die Anzahl der Messerangriffe „auf einem hohen Niveau“. Etwas mehr als 29.000 gab es vergangenes Jahr deutschlandweit – 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf das Jahr verteilt passieren so rund 80 Taten am Tag mit einem Messer.
Aber: Die Fälle, in denen ein Messer in Zusammenhang mit Gewaltkriminalität – von Mord und Totschlag über schwere Körperverletzung bis Raub – eingesetzt wird, gehen zurück. Rund 15.000 solcher Fälle gab es – rund sechs Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Die Zahl der Messerangriffe in der Region des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bewegt sich nach derzeitiger Auswertung im laufenden Jahr annähernd auf Vorjahresniveau. Eine abschließende und valide Beurteilung der Entwicklung ist momentan jedoch noch nicht möglich, da die detaillierte statistische Auswertung erst im kommenden Jahr vorliegen wird, teilt Michael Spessa, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, mit.
Ein Blick auf die Daten des Jahres 2025 verdeutlicht jedoch einen wesentlichen Punkt: Nahezu alle Messerattacken konnten erfolgreich aufgeklärt werden. Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums gab es im vergangenen Jahr 197 Fälle mit einem Messer, 97 Prozent davon konnten gelöst werden.
Viele Fälle
werden aufgeklärt
Fast genauso hoch ist die Quote der aufgeklärten Messervorfälle im Landkreis Rosenheim – 35 Stück ereigneten sich dort. Und Michael Spessa kann sogar noch etwas weiter ins Detail gehen. „15 davon passierten im öffentlichen Raum“, sagt der Polizist. Zum Beispiel auf der Straße oder an öffentlichen Plätzen. In der Stadt Rosenheim spielte 19-mal ein Messer eine Rolle, in elf Fällen wurde es an öffentlichen Plätzen gezückt. Aufgeklärt werden konnten rund 90 Prozent beziehungsweise knapp 82 Prozent der nicht öffentlichen Fälle.
Wenige Tötungsdelikte,
mehr Körperverletzungen
Messerangriff ist allerdings nicht gleich Messerangriff. Möglich sind Tötungsdelikte wie Mord und Totschlag, Tötung auf Verlangen oder schwere und gefährliche Körperverletzungen. Manchmal bleiben die Taten auch nur bei einem Versuch. Einen „Messer-Mord“ gab es in ihrem Zuständigkeitsgebiet im vergangenen Jahr einen, teilt Michael Spessa mit. Der war aber nicht in Stadt oder Landkreis Rosenheim und konnte gelöst werden, allerdings in Neuötting.
In und um Rosenheim gab es aber auch Messerangriffe, die als Straftat gegen das Leben gewertet wurden. Zwei solcher Angriffe gab es im Landkreis – keinen in Rosenheim selbst. Einer davon war im öffentlichen Raum, beide konnten geklärt werden.
Zum Vergleich: Im ganzen Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd passierten neun Straftaten gegen das Leben – mit einer Aufklärungsquote von 100 Prozent.
Deutlich häufiger nutzen Täter von gefährlichen Körperverletzungen – gefährlich wegen der Verwendung einer Waffe/eines Werkzeugs oder der besonderen Umstände der Tat – und schweren Körperverletzungen – Opfer erleiden hier dauerhafte und schwerwiegende Folgen – ein Messer. Zehn dieser Vorfälle passierten 2025 im Landkreis Rosenheim, sagt Michael Spessa. Drei davon waren ein Versuch, in 90 Prozent der Fälle konnte die Polizei alle Hintergründe ermitteln. Sechs der gefährlichen oder schweren Körperverletzungen ereigneten sich im öffentlichen Raum.
In der Stadt gab es hingegen nur drei Messerangriffe, bei denen jemand verletzt wurde. Zwei davon waren im öffentlichen Raum – genauso klärte die Polizei zwei der drei Fälle.
Allerdings gibt es auch noch weitere Straftaten, bei denen ein Messer zum Einsatz kommen kann, erklärt Michael Spessa. Zum Beispiel, wenn jemand mit einem Messer bedroht wird oder eines unter die Nase gehalten bekommt und zu etwas gezwungen wird. Dabei spricht man strafrechtlich von einer Bedrohung oder Nötigung.
Während es in und um Rosenheim keinen einzigen Fall von Nötigungen gab, passierten 22 Vorfälle, bei denen Menschen mit einem Messer bedroht wurden, acht davon im öffentlichen Raum. In der Stadt waren es zum Vergleich 13 beziehungsweise sechs solcher Fälle.