Mehr Schlachtungen wegen Extremsommer

von Redaktion

Landwirte haben aufgrund der Trockenheit mit Futtermangel zu kämpfen und müssen Tierbestände reduzieren

Rosenheim/Mühldorf – Verbrannte Wiesen, verkümmerter Mais: Die Dürre trifft die Landwirte in Rosenheim und Mühldorf hart. Drohen jetzt erhöhte Preise im Supermarkt? Die Kreisobmänner Josef Andres aus Rosenheim und Ulrich Niederschweiberer aus Mühldorf geben Verbrauchern Entwarnung, dennoch ist der Ernteausfall groß in diesem Jahr. Leidtragende sind vor allem die Tiere und kommende Generationen von Landwirten. So habe es zum Beispiel deutlich zu wenig Futtermais gegeben. Dies hätte wiederum zu mehr Schlachtungen geführt, so Niederschweiberer im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen und innsalzach24.de.

Nach trockenem Frühjahr
kam die Dürre

Ausschlaggebend für die diesjährigen Ernteverluste war eine denkbar ungünstige Witterung. Ein kaltes und trockenes Frühjahr mit Spätfrösten bis in den Mai bremste das Pflanzenwachstum früh aus, bevor die anschließende Sommerdürre den Böden massiv zusetzte.

Besonders dramatisch stellt sich die Situation auf den Grünflächen sowie beim Futterbau dar. „Wo es uns extrem erwischt hat, ist der ganze Grünlandbereich“, schildert Josef Andres die Lage im Landkreis Rosenheim. „Wenn man durch die Landschaft fährt, sieht man, dass die ganzen Wiesen braun sind, dass sie verbrannt sind.“

Während der erste und zweite Schnitt witterungsbedingt Ertragseinbußen von mindestens 30 Prozent verzeichneten, fielen der dritte und vierte Schnitt auf vielen Wiesen gänzlich aus. „Die gehen uns heuer komplett ab und das sind natürlich schon starke Einbußen in den Futtersilos unserer Betriebe“, so Andres.

Auch Mühldorfs Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer berichtet von massiven Einbußen beim Silomais, der als zentrale Säule der Fütterung gilt: „Hinterher ist der Mais matt geworden. Durch das fehlende Wasser haben wir dann keinen Kolben gehabt.“ Das größte Problem bleibe jedoch auch hier das Grünland: „Die Wiesen hat es größtenteils so ausgebrannt, dass sie kaputt sind und man neu einsäen muss.“

Bei der Getreideernte verzeichnen die Landwirte regional stark schwankende, im Schnitt jedoch deutlich unterdurchschnittliche Erträge. Niederschweiberer beziffert das Minus auf durchschnittlich 20 Prozent, wobei flachgründige, kiesige oder sandige Böden besonders gelitten haben: „Die haben viel früher schon zu wenig Wasser gehabt.“

Den regionalen Milchvieh- und Veredelungsbetrieben geht es durch die verfehlten Futtererträge an die Substanz. Zwar ließen sich Getreide und Schrot über das Lagerhaus zukaufen, doch Grundfutter wie Gras- und Maissilage müsse vor Ort erzeugt werden.

Niederschweiberer warnt eindringlich vor den Konsequenzen dieser Futterknappheit: „Es werden viele Tiere geschlachtet, weil kein Futter da ist.“ Der Zukauf von Ersatzfutter sei sehr teuer. Der Deutsche Bauernverband fordert daher schnelle staatliche Hilfen. „Die Liquidität ist wichtig, das Geld ist wichtig, weil die Betriebe nicht diese Markterlöse haben“, betont Andres.

Gleichzeitig plädieren die Verbandsvertreter für spürbaren Bürokratieabbau, beispielsweise bei der Erneuerung von verbranntem Grünland. „Da fehlt uns, dass die Betriebe das Vertrauen haben, das selbst zu entscheiden, was wirklich für ihren Boden gut ist“, kritisiert Andres. „Keiner betreibt da Raubbau, weil er das ja für seinen Betrieb braucht.“

Doch wird sich die schwache Ernte direkt in höheren Preisen im Supermarkt niederschlagen? Da geben beide Experten Entwarnung. „Ich denke nicht, dass der Verbraucher es groß merken wird“, beruhigt Josef Andres. Denn die Erzeugerpreise, die die Landwirte für ihre Rohstoffe erhalten, spiegeln sich nur zu einem Bruchteil im eigentlichen Ladenpreis wider.

So seien die Milchpreise für die Landwirte im Vergleich zum Vorjahr drastisch gesunken. „Wir haben letztes Jahr bei der Milch 55 Cent bekommen und jetzt 40 Cent“, rechnet Niederschweiberer vor. „Einen wahnsinnigen Preisrückgang – und hast du irgendwo gemerkt, dass der Käse oder der Joghurt billiger geworden ist? Wahrscheinlich nicht.“

Auch Andres verweist darauf, dass der Anteil des Rohstoffs Weizen an einer Semmel lediglich ein bis zwei Cent ausmache: „Da sind die Energiekosten wesentlich höher.“ Für den Preisanstieg im Handel sorgen somit gestiegene Ausgaben für Energie, Logistik und Personal, nicht aber die Agrarpreise der Höfe.

Josef Andres äußert im Interview auch kritische Worte bezüglich der Wertigkeit von Lebensmitteln: „Erst kommt das Mittel zum Leben und dann muss der Rest kommen.“ Während der deutsche Verbraucher vom Einkommen im europäischen Schnitt sehr wenig für Nahrungsmittel ausgeben müsse, gelte es zu hinterfragen, was wichtiger sei: „Das Lebensmittel oder dann doch nochmal der Skiurlaub?“

Mit einer schlagartigen Welle an Hofaufgaben rechnen die Obmänner zwar nicht, eine Beschleunigung des Strukturwandels erwarten sie aber schon. „Wer geplant hat, in den nächsten Jahren auszusteigen, wird vielleicht sagen: Jetzt mache ich es gleich, weil mein Futtervorrat nicht reicht“, prognostiziert Andres. Niederschweiberer ergänzt, dass davon zunehmend auch mittlere Betriebe betroffen sind: „Das fangen unsere größeren Betriebe jetzt nicht mehr auf. Es wird langfristig schon eher weniger.“

Anpassung an
den Klimawandel

Gleichzeitig passt sich die Landwirtschaft dem Klimawandel an. Neben dem Waldumbau testen die Landwirte klimaresistentere Pflanzen. Niederschweiberer berichtet aus eigener Erfahrung von positiven Effekten durch Kleegras: „Das hat sich erstaunlich schnell entwickelt und ist jetzt wieder grün. Da ist mehr Dampf in den Pflanzen, die sind da resistenter.“

Wer die heimische Landwirtschaft nachhaltig unterstützen möchte, solle laut Niederschweiberer beim alltäglichen Einkauf gezielt zu regionalen Produkten greifen, zum Beispiel auf dem heimischen Bauernmarkt. „Unsere Lebensmittel sind sehr viel mehr wert, weil unser gesetzlicher Standard wesentlich höher ist als der von fremden High-End-Produkten aus dem Ausland, die man im Supermarkt oder online findet“, betont Andres abschließend.

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