Rosenheim – Der Bauernverband (BBV) im Landkreis Rosenheim begrüßt, dass Bundesagrarminister Alois Rainer die Dürreschäden für die Landwirtschaft, die die Hitzeperiode im Sommer hervorgerufen hat, als Krise von nationaler Tragweite eingestuft hat. Rainer will den Landwirten deshalb mit rund einer Milliarde Euro, die der Bund zur Verfügung stellt, unter die Arme greifen.
BBV-Kreisobmann Josef Andres fordert, dass die Hilfen „möglichst schnell und gezielt“ bei den Bauern ankommen. „Es hat überall zu wenig geregnet, aber es gibt auch bei uns im Landkreis unterschiedliche Betroffenheiten“, sagt der Kreisobmann. „Im Norden hatten wir eine besonders extreme Trockenheit. Die Situation bei Korn und Stroh ist katastrophal. Den meisten Berufskollegen gehen hier auch zwei Grünland-Schnitte ab“, berichtet Andres.
Dass aufgrund der daraus resultierenden Futterknappheit viele Tiere vorzeitig zum Schlachthof gebracht werden, befürchtet Kreisbäuerin Katharina Kern. Sie betreibt selbst eine Alm und weiß deshalb, dass die Dürre auch den Almbauern schwer zu schaffen gemacht hat. „Wir hatten teilweise kein Wasser mehr für die Tiere“, sagt sie. Die wirtschaftlichen Folgen, die ein Überangebot an Schlachtvieh nach sich zieht, liegen für BBV-Kreisgeschäftsführer Martin Peus auf der Hand. „Da gehen die Preise runter, auch wenn der Verbraucher nicht unbedingt davon profitiert“, so Peus.
Als sehr hinderlich erachten die BBV-Vertreter auch im konkreten Fall die aus ihrer Sicht überbordende Bürokratie, mit der die Bauern schon länger zu kämpfen haben. Martin Peus nennt im Bereich der Bekämpfung der Dürreschäden ein aus seiner Sicht besonders krasses Beispiel. „Wenn ein Bauer eine verbrannte Wiese umbrechen und neu ansäen will, dann darf er das nicht ohne vorherige Genehmigung des Landwirtschaftsamtes. Ohne Papiere geht nichts“, kritisiert er. Auch für die Kreisbäuerin ist diese Praxis ein Unding. „Wir haben gut ausgebildete Leute, die schon wissen, was sie tun“, wirbt sie für mehr Entscheidungsfreiheit für die Landwirte. „Die erforderliche Antragstellung beim Landwirtschaftsamt bedeutet, dass ein Bauer eine neue Wiese nicht ansäen darf, wenn kurzfristig Regen zu erwarten ist. Obwohl das der ideale Zeitpunkt dafür wäre“, bringt auch Kreisobmann Josef Andres kein Verständnis dafür auf. Katharina Kern glaubt, dass vor allem auch der Zuwachs an Bürokratie ein Grund dafür ist, dass immer mehr Bauern psychische Probleme bekommen. „Das überfordert unseren Berufsstand zunehmend“, sagt sie. Martin Peus kritisiert vor allem, dass alle Jahre neue Vorschriften hinzukämen. „Solche Vorgaben werden von Leuten am grünen Tisch entschieden, die keine Ahnung haben“, macht der Kreisgeschäftsführer seinem Ärger Luft. Irgendwie komme es einem vor, als maße sich mittlerweile jedermann an, in der Landwirtschaft mitzureden. „Das ist wie beim Fußball. Da haben wir auch Millionen Bundestrainer in Deutschland“, so Peus.
Für den BBV-Kreisobmann ist die Vorgehensweise auch aus ökologischer Sicht nicht nachvollziehbar. „Eine verbrannte Wiese bindet kein Kohlendioxid mehr. Da siedelt sich auch kein Schmetterling mehr an, was wiederum schlecht für die Biodiversität ist“, nennt er entscheidende Nachteile der erforderlichen Antragstellung. Ließe man den Bauern mehr Freiheit, könnte alles viel schneller gehen, ist er überzeugt. „Wenn wir wissen, dass Regen kommt, könnten wir sofort säen. In zwei Wochen würden wir neues Grün vorfinden, das auch der Umwelt nützt“, sagt Andres.
Trotz der bürokratischen Hürden, die der Gesetzgeber den Landwirten auferlegt, sprechen die BBV-Vertreter dem für den Landkreis Rosenheim zuständigen Landwirtschaftsamt ein dickes Lob aus. „Da lässt sich Gott sei Dank einiges unkompliziert auf dem kleinen Dienstweg erledigen“, sagt BBV-Kreisgeschäftsführer Martin Peus. Norbert Kotter