Blindgänger hält Rosenheim in Atem
Das Gebiet rund um den Fundort wurde großräumig abgesperrt.
Erfolgreiche Entschärfung in Rosenheim: Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat gestern Nachmittag Teile von Rosenheim lahmgelegt. 1.500 Menschen wurden evakuiert, der Bahnverkehr stand still. Wie die Betroffenen trotz der Aufregung die Nerven behielten und wie die Entschärfung verlief.
Rosenheim – Harald Lechner überrascht schon lange nichts mehr. Er wohnt in der Nähe des Fundorts und hatte es sich gerade mit einem Buch gemütlich gemacht, als er die Durchsagen von Polizei und Feuerwehr hörte. „Ich bin gleich nach draußen gegangen“, sagte er. Mit Lautsprechern und Blaulicht fuhren die Einsatzfahrzeuge durch das Wohngebiet und forderten die Anwohner auf, ihre Wohnungen schnellstmöglich zu verlassen. Einige Einsatzkräfte gingen zu Fuß, sprachen Anwohner direkt an, die sich noch in ihren Gärten oder auf dem Balkon aufhielten, und baten sie, den Bereich zu evakuieren.
Baggerfahrer entdeckte
die 250-Kilo-Bombe
Der Grund: Nur wenige Minuten zuvor, wurde bei den Bauarbeiten der Deutschen Bahn auf der Bahntrasse in der Nähe des „Bauern in der Au“ eine 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Ein Baggerfahrer hatte die Fliegerbombe entdeckt. Mit der Schaufel sei er auf einen harten Gegenstand gestoßen. „Die Maschinenführer sind dahingehend geschult und sensibilisiert“, sagt Stadtbrandrat Hans Meyrl. Sofort seien die Arbeiten unterbrochen und Experten zurate gezogen worden.
Kurze Zeit nach dem Fund kam der städtische Krisenstab in der Hauptfeuerwache an der Küpferlingstraße in Rosenheim zusammen. Mitglieder der Hilfsorganisationen, der Bundes- und Landespolizei sowie der Stadtverwaltung besprachen hier gemeinsam die nächsten Schritte. Straßen mussten gesperrt, der Busverkehr umgeleitet werden. Auf der Linie RB54 kam es zwischen Rosenheim und Kufstein aufgrund der Fliegerbombe zu gleich mehreren Zugausfällen. Ein Ersatzverkehr mit zwei Bussen wurde eingerichtet.
Evakuierungsradius
von 500 Metern
Für die Entschärfung musste das Gebiet in einem Radius von 500 Metern evakuiert werden. Rund 1.500 Anwohner wurden aufgefordert, an diesem Nachmittag ihre Wohnungen zu verlassen. Einige kamen bei Freunden und Bekannten unter, andere machten sich auf den Weg zur Turnhalle der Grundschule Happing. „Ab 15.30 Uhr waren hier auch Sanitäter vor Ort“, sagt eine Sprecherin der Stadt auf OVB-Anfrage. Zudem gab es neben Sitz- und Liegemöglichkeiten auch Stationen, wo Handys und Computer aufgeladen werden konnten.
Ralph Bernatzky, Einsatzleiter der psychosozialen Notfallversorgung des Landkreises, vermutete um kurz nach 17 Uhr, dass sich rund 80 Personen in der Grundschule befanden, darunter zahlreiche Vierbeiner. Auch etliche Senioren machten es sich im Foyer der Grundschule gemütlich.
Rund 60 Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes drehten zuvor ihre Runden, um diejenigen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, bei der Evakuierung zu unterstützen.
Weitgehend entspannte Stimmung bei Betroffenen
„Die Stimmung ist soweit entspannt“, sagte Bernatzky. Unter den Evakuierten befanden sich auch Angelika, ihre Freundin Sabrina und deren Töchter Ronja und Zoey. „Es ist schon das dritte Mal, dass wir in einer solchen Situation sind“, sagte Angelika. Ein Familienangehöriger habe bei ihr angerufen und gefragt, ob alles in Ordnung sei. Zu diesem Zeitpunkt habe sie von dem Bombenfund noch gar nichts gewusst. „Wenige Minuten später hatte ich dann die Meldung auf meiner Warnapp“, berichtete sie.
Erfahrung mit Fliegerbomben hat auch Harald Lechner. „Vor sechs Jahren wurde bei uns in der Nähe schon mal eine Fliegerbombe gefunden“, sagt er. Auch deshalb habe ihn die Nachricht über den neuen Fund nicht nervös gemacht. „Ich bin entspannt“, sagt er. Auch sonst machte an diesem Nachmittag ein Großteil der Evakuierten einen entspannten Eindruck. „Im ersten Moment war ich aufgeregt, aber ich glaube, dass alles reibungslos funktionieren wird“, sagte Raphaela. Die Frau sollte Recht behalten. Um kurz nach 19.30 Uhr die Entwarnung: Die Bombe konnte entschärft werden, alle Anwohner können zurück in ihre Wohnungen gehen.
Oberbürgermeister
dankt den Einsatzkräften
„Im Namen der Stadt möchte ich mich bei allen Einsatzkräften und Beteiligten bedanken“, sagte Oberbürgermeister Abuzar Erdogan. Er sei froh, dass die Bombe entschärft werden konnte, ohne dass jemand in „irgendeiner Weise Verletzungen oder Gefährdungen davongetragen hat“. Stadtbrandrat und Leiter der Koordinierungsgruppe Hans Meyrl habe mit viel Erfahrungdurch die Lage geführt.
„Mein Dank gilt auch den Bürgern, die diesem gut koordinierten Einsatzplan Folge geleistet und den Einsatzkräften damit ihre Arbeit ermöglicht haben“, ergänzte Erdogan. Er hoffe jetzt, dass „Schritt für Schritt wieder zur Normalität zurückgekehrt werden kann“.
Warten darauf, dass sie zurück in ihre Wohnung können: (von links) Mama Sabrina mit ihren Töchtern Ronja und Zoey und ihren beiden Hunden.
In diesem Loch wurde die Bombe gefunden.
Die Grafik zeigt die Evakuierungszonen im Stadtteil Happing.
Gegen 17.30 Uhr war der Kampfmittelräumdienst vor Ort und begann die Mission „Entschärfung“. Gegen 19.30 Uhr konnte Vollzug gemeldet werden.