Bierpreis und Spritpreis – große Aufreger im Land der Freibierlätschn

von Redaktion

Rosenheim – Oiß wead deira – alles wird teurer: Strom, Wasser, Heizöl, Mieten, Versicherungen, Wasser, Lebensmittel. Das ist der Lauf der Zeit. Doch neben dem Benzin ist der Bierpreis im Land der Bierdimpfen, Freibierlätschn und Noagalzuzla – Schnorrer, die Reste (Noagal) aus fremden Bierkrügen saugen (zuzln) – seit jeher ein besonderer Aufreger.

Schon seit Jahrhunderten ärgern sich durstige bayerische Seelen über jeden Pfennig oder Cent, wenn das Bier teurer wird. Zum Beispiel, als die Mass auf dem Festplatz in Rosenheim vor über 100 Jahren 30 Pfennige kostete. Einen Bierkrieg wie 1910 in Dorfen löste der als „skandalös“ empfundene Preisanstieg zwar nicht aus – dafür aber einen Bierboykott. Der Grund: In den Lokalen der Stadt mussten die Bierliebhaber nur 24 Pfennige hinlegen – und gingen nur noch dorthin. Den Biertempeln auf der Festwiese blieben sie fern.

Aber wie haben sich die Bierpreise eigentlich im Vergleich zum Spritpreis in den vergangenen 75 Jahren entwickelt? Der Wiesnigel Ignaz hat im Archiv geblättert und auf dieser Zeitreise spannende Zahlen entdeckt. 1950 kostete die Mass Festmärzen auf dem Herbstfest 1,50 Mark (etwa 77 Cent), 1975 3,60 Mark (1,84 Euro), 2000 dann 9,80 Mark (5,01 Euro) und aktuell 2026 im Flötzinger 13,60 Euro und im Auer 13,40 Euro.

Das heißt: Die Mass ist im Vergleich zu 1950 um das etwa 18-fache, zu 1975 um das 7,5-fache und zu 2000 um das 2,7-fache gestiegen.

Die Entwicklung beim Spritpreis: 1950 kostete der Liter im Schnitt 56 Pfennige (0,29 Cent), 1975 stieg er auf 83 Pfennige (0,42 Cent), 2000 auf zwei Mark (1,02 Euro) und aktuell, im September 2026, steht der Preis für einen Liter Super-E10 laut ADAC bei 2,18 Euro.

Damit ist der Sprit im Vergleich zu 1950 um das etwa 7,5-fache, zu 1975 um das 5,2-fache und zu 2000 um das 2,2-fache gestiegen.

Weniger getankt wird deshalb sicher nicht. Und das gilt wohl auch für den Bierkonsum auf dem Herbstfest, der längst zu einem gut gehüteten Geheimnis der Brauereien geworden ist. Im vergangenen Jahrhundert gab es aber noch offizelle Zahlen: 1950 und 1951, als die Mass noch 1,50 Mark kostete, wurden 1.300 Hektoliter Bier getrunken, also 130.000 Mass. 1952 (1,60 Mark pro Mass) waren es schon 150.000 Mass, 1958 (1,80 Mark) 200.000 Mass, 1968 (2,30 Mark) 370.000 Mass, 1972 (2,90 Mark) 400.000 Mass, 1973 (3,20 Mark) 400.000 Mass und 1975 (3,60 Mark) 500.000 Mass – bei inzwischen 850.000 Besuchern. Vor 40 Jahren waren es bei der „Rekord-Wiesn 1986“ dann sogar 700.000 Mass und 1,3 Millionen Besucher. Unterschiedliche Bierpreise gibt es in Rosenheim erst seit der letzten Vor-Corona-Wiesn 2019 mit 9,20 Euro (Flötzinger) und 8,90 Euro (Auer).

Artikel 8 von 8