Ein Prosit auf den Kasperl, den König aller Spaßmacher!

von Redaktion

Vom „Hanswurststreit“ bis heute: Warum der Demokratie-Pionier beim Wiesnigel Heldenstatus genießt

Rosenheim – Ihn hat es schon Hunderte Jahre vor den Komikern und Influencern von heute gegeben: den Kaspar, Kasper, Kasperl, Kasperle – boarisch Kaschbbal, schwäbisch Kaschbberle.

Der Wiesnigel Ignaz freut sich immer wieder narrisch, wenn er den Kasperl auf der Wiesn trifft. Nicht nur, weil er Tradition hat, alle Kinder mag und der König aller Spaßmacher ist. Für den Ignaz ist der lustige Zipfelmützenträger auch einer der Pioniere der Demokratie schlechthin.

Anfang des 15. Jahrhunderts taucht er plötzlich in der deutschsprachigen Literatur und im Volkstheater auf – erst als Hans Wurst in Wien, um 1770 wird der Kasperl daraus. Die einfachen Leute lieben ihn, die Reichen und Herrschenden fürchten ihn. Weil er sagt, was er denkt. Weil er seinen Theatertext laufend unterbricht und improvisiert. Das hatte in Zeiten von Monarchie und fehlender Meinungsfreiheit etwas Aufständisches, Revolutionäres, Demokratisches. Kein Wunder, dass es unter Kaiserin Maria Theresia im 18. Jahrhundert sogar zum „Hanswurststreit“ kam. Die Zensurbehörde wollte dem „Revoluzzer“ das freie Sprechen – das sogenannte „Extemporieren“ – verbieten. Danach entwickelt sich der Kaschbbal weiter – vom groben Sprachrohr aller Rechtlosen zur liebenswerten, lustigen Puppenfigur für die Allerkleinsten von heute. Aber mit Königen und Großkopferten nimmt er es auch in modernen Zeiten noch auf, wie hier im Original-Münchner Kasperl-Theater von Angela und Christian Weiss auf dem Herbstfest – nur ein paar Schritte vom Wiesn-Haupteingang entfernt.

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