Bruckmühl – Die Kritik reißt nicht ab. Nachdem das Thema Anfang vergangener Woche für Aufsehen gesorgt hatte, mehren sich nun die Beschwerden gegen die Rehaklinik Bruckmühl. Zunächst hatte der Bayerische Rundfunk von zahlreichen Patienten-Anschuldigungen berichtet. Auch dem OVB liegen mittlerweile mehrere Schilderungen von ehemaligen Reha-Patienten sowie von Angehörigen vor. Auf die öffentliche Kritik hatte am vergangenen Dienstag nun auch das Landratsamt Rosenheim reagiert und nach einer Kontrolle Ende August, bei der „erhebliche Dokumentationsdefizite“ auftraten, ein Verfahren zum Widerruf der Konzession eingeleitet.
„Es fühlte sich
niemand zuständig“
Wie dieses Verfahren ausgeht, ist derzeit noch offen. Wie berichtet hat die Klinik bis Ende September Zeit, auf die festgestellten Mängel zu reagieren und Lösungen aufzuzeigen. Unterdessen mehren sich jedoch die Beschwerden von Betroffenen und deren Angehörigen, die sich gegenüber dem OVB zu ihren Aufenthalten in der Bruckmühler Einrichtung äußern. Sie alle sprechen von problematischen Zuständen und bemängeln massive Defizite in zahlreichen Versorgungsbereichen.
So auch Manuela Heiß, die den mehrwöchigen Klinik-Aufenthalt ihres damals 83 Jahre alten Vaters 2024 als „eine Katastrophe“ bezeichnet. „Angefangen von den pflegerischen und therapeutischen massiven Defiziten bis hin zur mangelhaften Ernährung, sprich von dem qualitativ schlechten Essen, und es fühlte sich niemand zuständig, dass die Patienten genügend Flüssigkeit zu sich nehmen“, sagt Heiß. Zwar habe ihr Vater glücklicherweise täglich Besuch bekommen und sei dabei zusätzlich mit Tee und Essen versorgt worden. Allerdings hätten nicht alle Patienten diese Möglichkeit.
Heiß schildert nicht nachvollziehbare Medikamentengaben und pflegerische Mängel, etwa was den Umgang mit ihrem Vater, der zwischenzeitlich an Durchfall litt, angeht. „Es wurden zwei Praktikantinnen zu ihm ins Zimmer geschickt mit Feuchttüchern, was außer, dass sie sich geekelt haben, nichts gebracht hat.“
Mit ihrem Vater sei es körperlich und psychisch täglich mehr und mehr bergab gegangen. „Wir hatten mehrmals darum gebeten, mit einem zuständigen Arzt sprechen zu dürfen, man hat uns immer wieder vertröstet, aber zu einem Gespräch kam es leider nie“, sagt Heiß.
Gewichtsabnahme durch
mangelhafte Essensgaben
Der damals 83-Jährige sei als insulinpflichtiger Diabetiker mit elf Kilogramm weniger entlassen worden als zuvor. Zahlreiche Versuche, die Verantwortlichen sowie die Krankenkasse auf die Zustände hinzuweisen, seien letztlich versandet. „Wie können diese Missstände einem Gesundheitsamt und Landratsamt entgehen? Diese Frage stelle ich mir immer wieder.“
Eine Frage, die sich auch andere ehemalige Patienten stellen. Dabei ist immer wieder von medizinischen und pflegerischen Defiziten die Rede. Auch wird unzureichendes Personal als Problem vermutet, wodurch die Rehabilitanten häufig in bedenkliche Situationen geraten würden. „Er stand immer wieder vor mir“, erzählt beispielsweise eine ältere Seniorin von ihrem Klinik-Aufenthalt vor einem Jahr, bei dem ein verwirrter Mitpatient mehrmals nachts in ihr Zimmer gekommen sei und versucht habe, sich in ihr Bett zu legen.
Auch die Tochter einer ehemaligen Patientin aus Aying lässt kein gutes Haar an der Bruckmühler Einrichtung. Ihre damals 90-jährige Mutter war nach einer Operation am vierten Lendenwirbel zur Reha in der Fachklinik. „Ich war täglich bei Mami und für sie war es die Hölle“, sagt die Frau, die ihre Mutter regelmäßig mit zusätzlichem Essen und Getränken versorgt habe. Auch sie spricht von mangelhafter Essensgabe in der Klinik, wodurch ihre Mutter fünf Kilo an Körpergewicht verloren habe. Zudem sei etwa die zehn Zentimeter lange OPWunde der 90-Jährigen mit „viel zu kurzen Pflastern“ versorgt worden. „Ich habe das dann gestoppt und musste selbst größere Pflaster besorgen, die dann benutzt wurden“, erzählt die Frau aus Aying.
Sie schildert einen Entlassungsbericht, in dem Leistungen wie ein „ausführliches Entlassungsgespräch“ notiert worden seien, die jedoch nie stattgefunden hätten. „Zum Teil wurden Patienten von Pflegern im Speiseraum behandelt, weil sie nicht auf den Zimmern angetroffen wurden“, will die Patienten-Angehörige beobachtet haben. Auch ihrer Mutter seien die Fäden auf dem Flur gezogen worden.
Vorwürfe, die sich
schwer belegen lassen
Alles in allem Beschwerden, die sich im Nachgang freilich schwer belegen lassen, was auch der Betreiber selbst, die Geriatrische Rehabilitation Oberbayern Bruckmühl (GRO), auf OVB-Anfrage anmerkt. So sei es kaum möglich, öffentlich auf meist anonyme Einzelfälle einzugehen, bei denen jeweils der Hintergrund und das, was über das Beschwerdemanagement der Klinik womöglich schon unternommen wurde, nicht bekannt sind.
Allerdings hatte ein Sprecher für die GRO gegenüber dem OVB bereits bestätigt, dass es in der Vergangenheit einzelne Beschwerden von Patienten und Angehörigen gegeben hat und man diese ausdrücklich ernst nimmt. Das daraus entstehende negative pauschale Bild in der Rehaklinik Bruckmühl entspreche, gerade hinsichtlich der Gesamtzahl der in den vergangenen Jahren behandelten Patienten, jedoch nicht der tatsächlichen Situation des Hauses. „Dass es Patientinnen und Patienten gegeben hat, die mit einzelnen Aspekten ihrer Versorgung nicht zufrieden waren, stellen wir nicht in Abrede“, erklärt ein Sprecher für das Unternehmen.
Betreiber will Auflagen
in gesetzter Frist umsetzen
Man weise jedoch die Vorwürfe insbesondere zu einer „strukturell unzureichenden oder patientengefährdenden Versorgung“ sowie den Vorwurf, man habe die Versorgung aus wirtschaftlichen Erwägungen bewusst unzureichend ausgestattet, klar zurück. Dabei verwies der Betreiber auch auf die Neuausrichtung der Rehaklinik Bruckmühl, bei der man die Einrichtung nach den Vorfällen 2023 – nach festgestellten Mängeln hatte das Landratsamt Rosenheim einen zwischenzeitlichen Aufnahmestopp angeordnet – medizinisch, personell und organisatorisch grundlegend neu aufgestellt habe.
Zu den jüngst festgestellten Mängeln bei der behördlichen Kontrolle äußerte der Betreiber Bedauern darüber, „dass die bereits angestoßene Verbesserung unseres Dokumentationssystems noch nicht abgeschlossen war“. Man sei jedoch sehr zuversichtlich, die Auflagen in der besagten Frist umzusetzen.
Über die Defizite im Dokumentationsmanagement hinaus hatte die Überprüfung am 27. August im Einzelfall zudem Mängel in der Basishygiene, der Wundversorgung und der Patientenlagerung ergeben, teilte das Landratsamt mit. Bei der vorherigen Kontrolle im Frühjahr 2026 stellte die Behörde noch keine gravierenden Mängel fest.