Staatsanwaltschaft untersucht Todesfälle in Lenggries

von Redaktion

Ermittlungen gegen Rehaklinik – „Erhebliche Dokumentationsdefizite“ in Bruckmühl

Bruckmühl – Die geriatrische Rehaklinik in Bruckmühl ist zuletzt nicht nur aufgrund massiver Patienten-Beschwerden in den Fokus geraten. Auch eine Kontrolle des Landratsamtes Rosenheim vor wenigen Tagen ergab nun „erhebliche Dokumentationsdefizite“, weshalb jetzt sogar ein Verfahren zum Widerruf der Konzession eingeleitet worden ist. Wie dieses Verfahren ausgeht, ist derzeit noch offen. Wie berichtet hat die Klinik bis Ende September Zeit, auf die festgestellten Mängel zu reagieren und Lösungen aufzuzeigen. Im Zuge dessen taucht auch die Frage nach einem möglichen Zusammenhang mit einer weiteren Einrichtung desselben Betreibers, der Rehaklinik in Lenggries (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen), auf. Dort hat das Haus mittlerweile geschlossen, seit Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft. Doch was bedeutet das für Bruckmühl?

Personalsituation
thematisiert

Klar ist: In Lenggries wurde der Klinikbetrieb eingestellt. Die Fachklinik für geriatrische Reha ist seit Mitte April geschlossen. Medienberichten zufolge hatte ihr das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen Ende Mai die Betriebserlaubnis entzogen. Im Vorfeld seien Vorwürfe über pflegerische Missstände laut geworden, wobei auch die Personalsituation thematisiert worden sei. Auf OVB-Anfrage hat sich die Behörde bislang noch nicht geäußert. Wohl aber der Betreiber selbst, die Geriatrische Rehabilitation Oberbayern (GRO), die klarstellt: „Für Lenggries gab es vor der Einstellung des Klinikbetriebes keine behördliche Schließungsanordnung“, erklärt ein Sprecher für das Unternehmen. Das Ausbleiben der Patienten habe jedoch eine nachhaltige Stabilisierung des Standortes nicht mehr möglich gemacht. „Die Schließung der Klinik Lenggries erfolgte so schlussendlich aus wirtschaftlichen Gründen.“ Und dies, obwohl erhebliche Ressourcen in Personal, medizinische Strukturen, Qualität, externe Expertise sowie den Wiederaufbau investiert worden seien. Noch im März 2026 habe die erfolgreiche externe DEKRA-Rezertifizierung erfolgt. Aktuell befindet sich die Klinik in Lenggries im Insolvenzverfahren und wird durch die GRO in Zukunft nicht wieder betrieben werden, erklärt der Betreiber.

Was hierbei jedoch unerwähnt bleibt, ist die wechselhafte Historie der vergangenen Jahre in der Lenggrieser Einrichtung. Schon seit 2023 ermittelt die Kripo Weilheim unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft München II wegen des Verdachts der vorsätzlichen Körperverletzung aufgrund pflegerischer Missstände. Schon damals war der Rehaklinik die Betriebserlaubnis zeitweise entzogen worden. Unter der neuen Leitung der GRO fand hier – ähnlich wie in Bruckmühl – ein Neustart mit neuem Konzept statt. Doch verschwunden waren die Probleme damit offenbar nicht. „Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt im Komplex Rehaklinik Lenggries seit 2023 gegen drei Personen in Leitungsfunktion wegen vorsätzlicher Körperverletzung in mindestens zwei Fällen“, äußert sich nun Oberstaatsanwalt Dr. Michael Meyer gegenüber dem OVB zum aktuellen Ermittlungsstand. Ebenso würden Todesfälle, die sich in einem bestimmten Zeitraum in der Klinik ereignet haben, auf Zusammenhänge mit den festgestellten Missständen überprüft. „Derzeit wird eine mittlere zweistellige Zahl an Todesfällen untersucht. Die Ermittlungen sind insoweit nicht abgeschlossen“, sagt Dr. Meyer. Doch auch wenn diese Ermittlungen vor dem Neustart unter alter Leitung begannen, ist das jetzige Aus für den Lenggrieser Reha-Betrieb der GRO bereits beschlossene Sache.

Der zweite Standort des Betreibers befindet sich dagegen im laufenden Betrieb – auch trotz der jüngsten Kontrolle des Landratsamtes Rosenheim. Und auch hier warfen zahlreiche ehemalige Patienten der Rehaklinik Bruckmühl in den vergangenen Tagen erneut diverse Defizite, etwa in der pflegerischen und medizinischen Versorgung, vor. Und das, nachdem die Bruckmühler Einrichtung 2023 ebenso mit einem behördlich angeordneten Aufnahmestopp zu kämpfen hatte und später ebenso einen Neustart anging. Gerät die Einrichtung nach den jüngsten Anschuldigungen also auch in Bruckmühl ins Visier weiterer Behörden? Abgesehen vom eingeleiteten Verfahren zum Widerruf der Konzession des Landratsamtes Rosenheim ist dem bislang offenbar nicht so. „Weder bei der Polizeiinspektion Bad Aibling, noch bei der Kripo Rosenheim ist die Einrichtung derzeit Gegenstand von strafrechtlichen Ermittlungen“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf OVB-Nachfrage. Gleicher Tenor bei der Staatsanwaltschaft München II: „Bezüglich der Einrichtung in Bruckmühl wird kein Ermittlungsverfahren geführt“, so Oberstaatsanwalt Dr. Meyer.

Medizinisches
Versorgungskonzept

Überhaupt sei die Klinik in Bruckmühl laut Betreiber von ihrer Historie her sowie personell getrennt von Lenggries zu betrachten. „Lenggries und Bruckmühl hatten eigene Personalteams, auch eine getrennte chefärztliche Verantwortung“, sagt der Sprecher für die GRO. Der Betrieb in Bruckmühl habe sich mit dem umfassenden medizinischen Versorgungskonzept nach der Wiedereröffnung 2023 erfolgreich stabilisiert. Bezüglich der nun dennoch festgestellten Mängel seitens des Landratsamtes bedauere man es umso mehr, „dass die bereits angestoßene Verbesserung unseres Dokumentationssystems noch nicht abgeschlossen war“, so der Sprecher. Er betont, dass die grundsätzliche Versorgungssicherheit der Patienten nicht beanstandet und auch keine den Betrieb einschränkende Sofortmaßnahme verhängt wurde.

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