Gardasee – Sie werden als „Monster vom Gardasee“ bezeichnet und sorgen derzeit für Schlagzeilen: Europäische Welse (Silurus glanis) haben sich im größten See Italiens immer stärker ausgebreitet. Die Region Venetien bezeichnet die zunehmende Population inzwischen als eine der wesentlichen ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen am Gardasee.
Die invasive Art sei in den vergangenen Jahren deutlich häufiger gefangen worden. Nach Angaben der Region setzt sie heimische Fischbestände unter Druck und bereitet auch Berufsfischern zunehmend Probleme. Ist ein Wels erst groß genug, hat er im See kaum noch natürliche Konkurrenten oder Fressfeinde.
Auch interessant: Legendärer Lost Place am Gardasee soll verschwinden – doch ein Teil bleibt.
Besonders spektakulär klingt eine Behauptung, die derzeit in mehreren Medien auftaucht: Große Welse könnten neben Fischen, Wasservögeln und Enten sogar kleine Säugetiere wie Hunde erbeuten.
Dass der Wels ein äußerst anpassungsfähiger Räuber ist und auch Beute außerhalb der klassischen Fischfauna fressen kann, ist grundsätzlich bekannt. Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben eine ausgesprochen breite Nahrungspalette der Art.
Für konkrete Fälle, bei denen Hunde am Gardasee von Welsen gefressen worden sein sollen, gibt es allerdings keine belastbaren Belege. Auch der WWF Bergamo-Brescia kritisierte bereits im Frühjahr die teils alarmistische Berichterstattung über den „Monsterfisch“ und verwies darauf, dass Behauptungen über eine unmittelbare Gefahr für Hunde ohne konkrete Nachweise verbreitet würden.
Das eigentliche Problem sehen die Behörden deshalb weniger in einer Gefahr für Badegäste oder Haustiere, sondern in den Auswirkungen auf das Ökosystem des Gardasees.
Auch interessant: Gardasee-Urlauber staunen: Beliebter Ort erlässt neue kuriose Strandregel.
Die Region Venetien hat nun ein Förderprogramm in Höhe von 100.000 Euro beschlossen. Professionelle Fischereibetriebe am Gardasee können finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie gezielt in die Welsfischerei einsteigen beziehungsweise diese ausbauen.
Pro Betrieb sind bis zu 20.000 Euro möglich. Gefördert werden unter anderem spezielle Netze und Ausrüstung für Fang, Zwischenlagerung und Vermarktung der Tiere. Die Förderung kann bis zu 100 Prozent der anerkannten Kosten abdecken.
Das Ziel ist dabei doppelt: Die Zahl der Welse soll reduziert und gleichzeitig eine wirtschaftliche Nutzung der gefangenen Tiere ermöglicht werden.
Auch interessant: Gardasee will Verkehrschaos endlich lösen – was sich für Urlauber ändert.
Denn entsorgt werden sollen die gefangenen Welse möglichst nicht. Die Region möchte stattdessen eine eigene Vermarktungskette aufbauen. Das Fleisch des Welses habe insbesondere in Ländern wie Deutschland, Tschechien und Polen bereits einen etablierten Markt.
„Das Ziel ist zweifach“, erklärt Venetiens Fischerei-Assessor Dario Bond sinngemäß: Einerseits solle der Einfluss der invasiven Art auf den Fischbestand des Gardasees verringert werden, andererseits sollen sich für die örtlichen Fischereibetriebe neue Absatzmöglichkeiten ergeben.
Ganz unumstritten ist das Vorgehen allerdings nicht. Der WWF Bergamo-Brescia warnt davor, beim Kampf gegen den Wels Methoden einzusetzen, die auch andere Fischarten treffen könnten. Die Organisation mahnt zudem, den Blick nicht allein auf den spektakulären Großfisch zu richten: Im Gardasee gebe es zahlreiche weitere invasive Arten, die das Ökosystem ebenfalls belasten.