Das große Aufräumen nach jeder Wiesn-Nacht

von Redaktion

Die Mitarbeiter der Rosenheimer Stadtreinigung sind während der 16 Herbstfesttage im Dauereinsatz

Rosenheim – Es ist am Samstag, 5.30 Uhr, eine Stunde vor Sonnenaufgang, auf dem Baubetriebshof Rosenheim. Leises Gelächter schallt über das Gelände. Es kommt von den 14 Mitarbeitern der Stadtreinigung, die an diesem Morgen Dienst haben. Ihre Aufgabe: die Stadt sauber zu machen, ehe ihre Bewohner aufwachen. Normalerweise reichen für die Wochenenden vier Mitarbeiter aus. Doch nicht zur Herbstfestzeit – da ist fast die vierfache Arbeitskraft nötig.

Gute Laune um
halb 6 Uhr morgens

Als sich an diesem Morgen alle Männer in ihre Fahrzeuge setzen, ist die Stimmung ausgelassen. Auf die Frage, ob vor dem Ausrücken noch Zeit für ein Gruppenfoto sei, werden Scherze über die Frisur der Kollegen gemacht. „Die gute Laune braucht es aber auch“, erklärt Christian Bielmeier. Und fügt hinzu: „Wenn du schon mit schlechter Laune vor dem Müllhaufen stehst, dann wird das nichts.“

Christian Bielmeier ist der Bereichsleiter der Stadtreinigung. Seit fast 30 Jahren arbeitet er im Baubetriebshof. Seine Aufgabe ist es an diesem Morgen, bei einer so großen Mannschaft den Überblick zu behalten. Während seine Mitarbeiter ausrücken und mit der Arbeit beginnen, fährt er mit seinem roten Baubetriebshof-Auto deshalb zunächst routiniert die Innenstadt ab, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen.

An diesem Samstag ist den Straßen die Wiesn-Nacht deutlich anzusehen: Überall liegen Bierflaschen, Servietten, Essensreste, Gläser. Besonders schlimm ist es an den üblichen „Brennpunkten“, die Bielmeier und seine Mitarbeiter nur allzu gut kennen: Zur Wiesnzeit ist das vor allem der Abschnitt der Kaiserstraße, der von der Loretowiese zum Ludwigsplatz führt. Die Imbiss-Lokale dort haben wegen des Herbstfestes bis spät in die Nacht noch offen.

„Natürlich machen die Läden hier ein super Geschäft, aber müssen die Menschen dann wirklich alle Reste auf der Straße liegen lassen?“, fragt sich Bielmeier. Seinem Gefühl nach habe die Menge an Müll über die Jahre zugenommen – und das nicht nur zur Wiesnzeit.

Die Arbeitsaufteilung ist klar und durchdacht: Von verschiedenen Ausgangspunkten aus arbeiten sich die 14 Mitarbeiter Stück für Stück durch die Innenstadt. Der Müll auf den Gehwegen wird mit Laubbläsern auf der Straße zusammengeblasen und dann von den Kehrmaschinen aufgesammelt. Nicht selten – und so auch an diesem Morgen – müssen diese mehrmals durch eine Straße fahren, bis alles weg ist. Der Müll, der sich nicht aufkehren lässt, muss per Hand aufgesammelt werden.

Dabei ist genaues Hinsehen gefragt: Oft werden leere Glasflaschen oder Gläser unauffällig hinter Mülleimern, auf Stromkästen oder in Hausecken gestellt. Es sei wichtig, dabei nichts zu übersehen, da diese zerbrechen und damit zur Gefahr für Passanten werden können. Auch alle Mülleimer und Mülltonnen müssen geleert werden. Allein auf dem Herbstfestgelände sind es etwa 150 Mülltonnen – und die sind jeden Morgen voll.

Für Bielmeier und seine Mitarbeiter bedeuten große Veranstaltungen in der Stadt oder Feiertage vor allem: mehr Arbeit. An Fasching und Silvester sei es ebenfalls besonders schlimm. „Ich sage immer, wir arbeiten 365 Tage im Jahr. Ich versuche aber, uns allen jedes Jahr an einem Tag freizugeben, meistens am zweiten Weihnachtsfeiertag.“ Man sieht Bielmeier die Freude an seiner Arbeit an. Immer, wenn er auf seiner Kontrollfahrt an seinen Mitarbeitern vorbeifährt, heben alle zum Gruß die Hand.

Auf seiner Kontrollfahrt fährt er neben dem Atrium, dem Bahnhof und dem Max-Josefs-Platz auch den Mangfallpark ab – alles Orte, an denen typischerweise viel Müll hinterlassen wird. Als er zum Salzstadel einbiegt, sieht er drei Mitarbeiter, die dort gerade den kleinen Platz in der gewohnten Arbeitsaufteilung reinigen: Während einer die Mülleimer leert und mit frischen Müllsäcken versorgt, bläst der zweite mit einem Laubbläser den Müll in der Mitte des Platzes zusammen. Erst da merkt man, wie viel Müll sich tatsächlich überall versteckt. Der dritte muss den Müll anschließend mit dem Kehrauto aufsammeln. Keine 15 Minuten später sieht der Platz aus wie neu.

Dann bleibt Bielmeier plötzlich stehen und steigt aus dem Auto. In der vergangenen Nacht wurde ein Straßenschild beschädigt, das ausgetauscht werden muss. Zu den Aufgaben der Stadtreinigung gehört es nämlich auch, die Stadt auf solche Beschädigungen zu untersuchen. Aus diesem Grund stehen bei den Kontrollfahrten von Christian Bielmeier auch die aktuellen Baustellen auf dem Plan: Baustellenschilder und temporär aufgestellte Straßenschilder werden bei nächtlichen Eskapaden gerne umgeschmissen.

Weiter geht es in Richtung Busbahnhof. Vier Mitarbeiter machen dort gerade eine Pause. „Kurze Pausen zwischendurch sind natürlich völlig in Ordnung“, kommentiert Bielmeier und hält ebenfalls kurz, um mit ihnen zu quatschen. Alle sind sich einig, dass an diesem Morgen mehr zu tun ist als sonst. Doch sie prophezeien, dass es am Sonntag vermutlich noch mehr werden wird.

Der Müll
gehört nun mal dazu

Ob der ganze Müll ihnen den Spaß am Herbstfest verderbe? Einer der Mitarbeiter kann diese Frage klar mit „Nein“ beantworten. Er gehe sehr gerne auf die Wiesn – der Müll gehöre nun mal dazu. Er habe so oder so Freude an seinem Job.

Selbstverständlich muss auch das Herbstfestgelände selbst gereinigt werden. Der Kollege, der dort mit dem Kehrwagen sauber macht, sei aber schon seit 5 Uhr im Einsatz, erklärt Christian Bielmeier. Dort müssten bereits ab 6 Uhr die ersten Lieferfahrzeuge auf das Gelände, und der Platz werde sonst zu knapp.

Gegen 8 Uhr macht sich Christian Bielmeier wieder auf den Weg zum Baubetriebshof, die ersten Lieferwagen fahren durch die Stadt. Laut seiner Prognose werden seine Mitarbeiter noch bis 10 Uhr beschäftigt sein. Danach werden keine Spuren mehr von den Feierlichkeiten des Vorabends zu sehen sein. Die Stadt ist wieder bereit für ihre Bewohner und damit auch für einen neuen Wiesntag.

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