Mit Schmerztoleranz und Schmalz im Finger zum Titel

von Redaktion

Zwei Frauen und 14 Männer treten im Tatzlwurm bei der zweiten Rosenheimer Meisterschaft im Fingerhakeln an

Rosenheim – „Beide Hakler fertig? Zieh“. Dieses Kommando fällt an diesem Nachmittag häufiger im Tatzlwurm auf dem Rosenheimer Herbstfest. Es ist die zweite Rosenheimer Meisterschaft im Fingerhakeln. 16 Teilnehmer haben sich angemeldet und kämpfen um den Sieg.

Hubert Untermaier hakelt an diesem Nachmittag nicht selbst mit. Er lost nur die Partien aus. Aber er hat schon seit 39 Jahren Fingerhakel-Erfahrung. „Eigentlich muss man bloß Kraft in den Fingern haben, eine trockene Haut und keine Angst“, sagt Untermaier. Eine Taktik gibt es laut ihm nicht wirklich, jeder müsse selbst schauen, wie er am besten zieht.

Das Fingerhakeln eröffnen dieses Jahr zwei junge Frauen. Annalisa Siegmund ist eine davon. Sie hat sich spontan dazu entschieden, beim Wettbewerb mitzumachen. Moderator Miguel weist alle darauf hin: „Jeder ist selbst für seine eigenen Finger verantwortlich.“ Die beiden Frauen sitzen sich gegenüber, jede stemmt das Knie der „hakelnden“ Hand nach oben zwischen Oberkörper und den gepolsterten Tisch. Die Mittelfinger der beiden hängen in einem Lederring. Auf Kommando geht es los.

Siegmund musste sich leider geschlagen geben. „Es tat weh, aber es macht Spaß und ist lustig“, sagt sie. Mitzumachen habe sie Überwindung gekostet, aber es habe sich gelohnt. „Dann möchte man halt auch gewinnen“, sagt sie.

Nach der einzigen Frauenpaarung sind die Männer dran. Zu ihnen gehört Markus Obexer. Er kommt aus St. Magdalena in Südtirol und hat noch nie beim Fingerhakeln mitgemacht. Seine Freunde hatten ihn überredet, sich bei der Meisterschaft anzumelden. Über mehrere Runden kämpft er sich bis ins Finale. Vier Siege, keine Niederlage.

Mit der gleichen Statistik geht auch Raphael Effenberger aus Raubling ins Rennen. Dieser macht sich vor der ersten Runde im Finale noch seinen Finger trocken. Die beiden Männer sitzen sich am Tisch gegenüber, hinter ihnen sitzt jeweils ein Mann, der sie auffangen soll, falls sie nach hinten kippen. „Beide Hakler fertig? Zieh!“

Die erste Runde geht an Effenberger und schließlich auch die zweite. Damit ist er der neue Rosenheimer Meister im Fingerhakeln und bekommt den Hauptpreis. „Das ist natürlich ein schönes Gefühl, dass ich es geschafft habe. Ich freue mich schon auf den Preis, das sind nämlich fünf Halbe“, sagt er.

Effenberger hat im Jahr davor schon mal teilgenommen und ist Zweiter geworden. „Ich hatte mich nicht blöd angestellt, deshalb wollte ich dieses Jahr wieder mitmachen“, sagt er. Seine Taktik sei dabei in erster Linie, viel Schmerz auszuhalten. Man darf nicht wehleidig sein und ein bisschen Kraft in den Fingern schadet natürlich auch nicht, sagt er. Seinen Mittelfinger kühlt er jetzt erstmal. „Dieses Jahr bin ich gut weggekommen, er ist nur blau. Vergangenes Jahr war schlimmer“, sagt er.

Nach der Siegerehrung ist am Fingerhakeltisch immer noch Betrieb. Einige junge Männer probieren sich in der Sportart aus. Moderator Miguel zeigt sich zufrieden. „Wir haben das Fingerhakeln dieses Jahr etwas vorgezogen auf den Nachmittag und hatten 16 Anmeldungen. Das Potenzial ist da, es muss nur noch etwas wachsen“, sagt er. Dadurch konnte er auch gleich verraten, dass die Rosenheimer Meisterschaft im Fingerhakeln 2027 in die dritte Runde gehen wird.

Sophie Mischner

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