Bauern klagen über Dürre und Preisverfall

von Redaktion

Bayerischer Bauernverband zieht Erntebilanz für die Region Rosenheim – Kreisverband hat 3.700 Mitgliedsbetriebe

Rosenheim – Dem Kreisverband Rosenheim des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) gehören derzeit 3.070 Mitgliedsbetriebe an, die eine Gesamtfläche von rund 63.000 Hektar bewirtschaften. Diese Zahlen gab BBV-Kreisgeschäftsführer Martin Peus bei einem Pressegespräch bekannt, bei dem der Verband die Erntebilanz für dieses Jahr vorstellte.

Es zeichne sich klar ab, dass die Hitzeperiode im Sommer deutliche Auswirkungen zeige, betont BBV-Kreisobmann Josef Andres. Besonders die Milchbauern treffe der dürrebedingte Mangel an Grünfutter, das sie selber erzeugen könnten, sehr hart. „Die dritte und vierte Mahd müssen viele Bauern in diesem Jahr als Komplettverlust abschreiben. Aufgrund der Hitzewelle sind die Preise für Heu und Stroh jetzt extrem hoch“, erläutert Andres.

Milchpreis um
20 Prozent gesunken

100 Kilogramm Stroh seien mittlerweile teurer als 100 Kilogramm Futterweizen, weiß er. Erschwerend hinzu käme, dass der Milchpreis deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liege. Aktuell erhielten die Bauern je nach Molkerei 42 bis 43 Cent pro Liter, im Vorjahr seien es 53 bis 54 Cent gewesen. „Wir haben nicht nur bei den Energiekosten erhebliche Steigerungen.

Wenn ein Bauer dann 20 Prozent weniger für ein Produkt bekommt, dann trifft ihn das hart“, sagt der Kreisobmann. Das gelte auch für die Biobauern, deren wirtschaftliche Lage sich aus Sicht von Andres ebenfalls nicht verbessert habe. „Der Markt läuft in sich, weitet sich aber nicht aus“, so der BBV-Vertreter. „Einen Bio-Anteil von 30 Prozent, wie ihn die Politik wünscht, davon sind wir im Landkreis weit entfernt“, räumt Andres ein. Kreisbäuerin Katharina Kern warnt allerdings vor allzu großer Kritik am Verhalten der Verbraucher. „Das darf man nicht pauschal verurteilen. Es gibt halt viele Familien, die müssen sehr genau auf ihr Geld schauen.“

Erschwerend kämen auch für die Biobauern in diesem Jahr die Folgen der Hitzewelle im Sommer hinzu. „Üblicherweise müssen diese Landwirte 90 Prozent ihres Futters für die Tiere selber erzeugen. Aufgrund der besonderen Umstände dürfen sie jetzt mehr konventionelles Futter hinzukaufen“, weiß Kern.

Als „einzige Katastrophe“ bezeichnet der Kreisobmann den Schweinemarkt. Der Preisrückgang halte seit über einem Jahr an, ein Licht am Ende des Tunnels sei nicht in Sicht. Obwohl die Preise wieder leicht angezogen hätten, werfe der Markt derzeit nicht mehr als 1,60 Euro pro Kilogramm für ein Schwein ab. Vor allem von günstigen Importen aus Spanien werde er überschwemmt. „Dort sind die Produktionskosten bei Weitem nicht so hoch wie bei uns“, nennt Josef Andres den Grund, warum die Landwirte aus diesem Land der Europäischen Union (EU) günstiger als deutsche Bauern anbieten könnten. Eine Konsequenz, die sich laut Kreisobmann bereits abzeichnet: „Wir haben fast keine Ferkelerzeuger mehr.“

Mit der Kreisbäuerin ist sich BBV-Kreisgeschäftsführer Martin Peus einig, dass die EU erheblich zu der schwierigen Situation für die heimischen Landwirte beitrage. „Die von ihr geforderten Produktionsstandards werden nicht in allen Ländern gleichermaßen eingehalten. Dass dies nicht durchgesetzt werden kann, darin liegt ein Kern des Problems“, so Peus.

Mit einem Preiseinbruch bei Rindfleisch, der sich in der vergangenen Woche abgezeichnet habe, müssten die Bauern ebenfalls leben. Derzeit gebe es pro Kilogramm Rindfleisch etwa fünf Euro, im Vorjahr sei der Erlös um diese Zeit noch bei etwa 6,20 Euro gelegen.

Trotz nicht einfacher gewordener Rahmenbedingungen steht der BBV-Kreisverband Rosenheim gut da. Geschäftsführer Martin Peus verweist darauf, dass er der größte in Oberbayern und der drittgrößte in ganz Bayern sei. 70 Prozent der Flächen, um die sich die Bauern kümmerten, dienten der Grünlandbewirtschaftung. Von den restlichen 30 Prozent würden 52 Prozent als Ackerland genutzt. Auf 25 Prozent der Restfläche würde neben Ackerfrüchten auch Getreide angebaut. „Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr ziemlich stabil geblieben“, so Peus.

„Maisanbau nicht
zu dominant“

Mithilfe der Statistik verweist er einen Eindruck in das Reich der Fabel, der sich auch im Landkreis hartnäckig hält: „Der Maisanbau ist bei uns nicht zu dominant, auch wenn das oft behauptet wird.“ Die Rahmenbedingungen seien zwar vielfach schwierig, dennoch glauben Kreisobmann Josef Andres und Kreisbäuerin Katharina Kern fest daran, dass die Landwirtschaft in der Region eine Zukunft hat. Einen großen Wunsch haben sie an die Politik. „Es wäre schön, wenn wir nicht ständig mit neuen Auflagen zu kämpfen hätten. Da muss sich etwas ändern.“

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