Rosenheim/Holzkirchen – Nur die Südostbayernbahn (SOB) konnte als einziges der drei Verkehrsunternehmen, die in der Region Rosenheim tätig sind, ihre Platzierung verteidigen und sogar noch Punkte gut machen.
Eigentlich wird Bahnfahren angenehmer, schneller und zuverlässiger: „Die Regionalzüge bringen immer mehr Qualität auf Bayerns Schienen“, wirbt BEG-Sprecher Wolfgang Oeser für die grundsätzlich guten Werte im Halbjahresranking für das Jahr 2017, das die Aufsichtsbehörde des regionalen Schienenverkehrs mit Sitz in München jetzt veröffentlicht hat.
Eine Ausnahme davon, quasi ein gallisches Dorf, bildet die Region zwischen dem Miesbacher Oberland, München, Rosenheim, Kufstein und Salzburg. Denn die Werte der beiden Netze, die BOB und Meridian betreiben, gingen nun gewaltig in den Keller. Der Rosenheimer Meridian fiel von Platz 12 im guten Mittelfeld (Jahresranking 2016) auf einen vergleichsweise unteren Platz 20. Knapp 6,5 Bonuspunkte mussten die blau-gelben Triebwagen einbüßen.
Auch das benachbarte Stammnetz der BOB zwischen Bayrischzell, Tegernsee, Lenggries und der Landeshauptstadt schnitt diesmal wesentlich schlechter ab als im vergangenen Jahr. Von Platz 18 ging es runter auf Position 25 – den landesweit viertschlechtesten Platz. Die Bonuspunkte schrumpften in diesem Zusammenhang von 9,8 auf mickrige 2,5 und damit auf einen Wert, der sich nur noch knapp im positiven Bereich befindet.
Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der BOB, macht aus den Bewertungen keinen Hehl. „Wir sind mit Meridian, BOB und BRB (Bayerische Regiobahn, Anmerkung der Redaktion) weiterhin im positiven Bereich, aber noch nicht dort, wo wir hinwollen. Wir erkennen auch an, dass andere Eisenbahnen, die ebenfalls im Ranking erwähnt sind, eben deutlich besser geworden und uns in der Rangliste überholt haben“, erklärte er jetzt gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.
Grundsätzlich sei das Qualitätsranking der BEG immer ein guter Indikator. Es zeige, wo BOB und Meridian im Markt stehen. „Das Qualitätsranking ist uns Ansporn, bei der BOB unsere Fahrzeugthemen zu klären“, so der Bahnchef in Bezug auf jüngste technische Probleme der in die Jahre gekommenen Diesel-Fahrzeuge, die im Oberland im Einsatz sind. Beim Meridian spielt Rosenbusch den Ball aber zugleich auch an die DB Netz AG, die für die Großbaustelle zwischen Rosenheim und Übersee verantwortlich ist (wir berichteten). „Hier zeigt sich, dass wir selbst bei sehr guter eigener Qualität unter dem Einfluss von schlecht geplanten Baustellen auch von Fahrgästen schlechter bewertet werden“, sagt er.
Rosenbuschs drittes Netz, die Bayerische Regiobahn (BRB), die unter anderem zwischen Ingolstadt, Augsburg und Schongau fährt, sei dagegen weiter auf einem sehr guten achten Platz. „Das zeigt uns, dass wir ohne extreme Einflüsse – wie spezielle Fahrzeuge im Oberland und massive, externe Störungen durch Baustellen beim Meridian – eine hohe Qualität liefern und uns nicht verstecken müssen“, sagt er.
Davon abgesehen konnte sich in der Region Rosenheim lediglich die Südostbayernbahn (SOB), die unter anderem die Strecken Rosenheim-Mühldorf, Prien-Aschau und rund um Traunstein betreibt, verbessern. Als auf Landesebene zehntplatziertes Eisenbahnunternehmen steigerte die DB-Tochtergesellschaft mit Sitz in Mühldorf zudem ihre Bonuspunkte von 29,2 auf 35,2 (siehe Grafik).
Getestet worden sind die Sauberkeit der Fahrzeuge, die Information der Fahrgäste, die Funktionsfähigkeit der Ausstattung (beispielsweise Toiletten), die Serviceorientierung der Zugbegleiter und deren Kundenorientierung bei Beschwerden. Erreicht ein Unternehmen den Wert null, sind die Erwartungen der BEG gerade erfüllt. Wer darüber liegt, erhält einen Bonus, wer Minuspunkte hat, zahlt Strafe. 100 Bonuspunkte sind der maximale Bonus, 100 Maluspunkte der maximale Malus.
Die Pünktlichkeit fließt nicht in die Ergebnisse ein, sondern wird in einem separaten System erfasst. Die BEG bewertet die einzelnen Bahnnetze mit Hilfe von externen Testern und bei Fahrgastbefragungen.