Safari daheim (90): Der Gelbrandkäfer

Weibchen lagert bis zu 1000 Eier ab

von Redaktion

Die Art zählt zu den großen Schwimmkäfern – Borsten an Hinterbeinen dienen als Paddel

Rosenheim – Der Gelbrandkäfer (Dytiscus marginalis) zählt mit bis zu 3,5 Zentimeter Länge und 1,8 Zentimeter Breite zu den großen Schwimmkäfern. Namensgebend sind sein gelb gesäumter Halsschild und seine Flügeldecken. Die Oberseite des Männchens leuchtet meist in einem dunklen Schwarz-Grün, das Weibchen tendiert eher zu einem Braun-Grün. Auf der Unterseite ist der Gelbrandkäfer durchgehend gelb.

Sind die Flügeldecken beim Männchen immer glatt, weist das Weibchen zehn Längsrillen je Flügelseite auf. Ausnahmsweise können aber auch bei ihm glatte Flügeldecken vorkommen. Ein eindeutiges Merkmal der Männchen sind zwei große, scheibenförmige Saugnäpfe an ihren Vorderbeinen. Das mittlere Beinpaar weist nur kleine Saugnäpfe auf. Damit können sich die männlichen Tiere bei der Paarung an das Weibchen anhaften. Der ganze Körper des Gelbrandkäfers, einschließlich der Deckflügel, wird permanent von einem ölartigen Sekret überzogen, das aus zahlreichen Hautdrüsen produziert wird. Dadurch wird der Käfer wasserabweisend. Wie gut der Körper des Käfers an Wasser angepasst ist, zeigen seine Hinterbeine. Bei Männchen und Weibchen wachsen an diesen Hinterbeinen dichte Borsten, die der Gelbrandkäfer geschickt als Paddel benützt. Er gehört damit zu den schnellsten Schwimmern unter den wirbellosen Süßwasser-Bewohnern.

Gelbrandkäfer müssen zum Atmen regelmäßig zur Wasseroberfläche auftauchen. Der eingeatmete Luftvorrat reicht für etwa acht Minuten, dann muss der Käfer wieder an die Oberfläche kommen. Im Winter, bei deutlich eingeschränktem Energiebedarf, wird der Sauerstoffverbrauch des Käfers auf ein Minimum reduziert. Der Luftvorrat unter den Flügeldecken wirkt wie eine Kieme. Wird Sauerstoff verbraucht, strömt dieser aus dem umgebenden Wasser nach. Außerdem wird Kohlendioxid ausgeschieden.

Gelbrandkäfer kommen in krautreichen, kleinen bis mittleren stehenden Gewässern in fast ganz Europa vor. Auch wer stolzer Gartenteichbesitzer ist, bekommt Besuch von ihm. Er liebt Gewässer, in denen beispielsweise früh laichende Amphibien ihren Nachwuchs sichern. Meist nachts macht er sich auf den Weg und versucht, sich neue Lebensräume zu erschließen. Als Nahrung dienen dem erwachsenen Käfer und seinen sehr gefräßigen Larven vor allem Kaulquappen, kleine Molchlarven und andere Wasserinsekten. Auch Aas und sogar kleine Fische in Gartenteichen gehören dann ebenfalls dazu, wenn die Nahrung immer rarer wird.

Die Paarung bei den Gelbrandkäfern spielt sich im Herbst ab. Dabei hält sich das Männchen mit den Saugnäpfen des vorderen Beinpaares am glatten Halsschild und mit dem mittleren Beinpaar an den gerillten Flügeldecken des Weibchens fest. Die Samenmasse wird – in einem leuchtendweißen Kittsekret verpackt – dem Weibchen übergeben. Ein befruchtetes Weibchen ist somit leicht erkennbar. Aber erst nach einer erfolgreichen Überwinterung geht das Weibchen im Frühjahr zur Eiablage über. Es schlitzt mit seinem messerartigen Legebohrer die Stengel der Wasserpflanzen auf und legt das sieben Millimeter lange und 1,2 Millimeter breite Ei einzeln ab. Danach wird die Eiablagestelle mit einem Sekret verschlossen. Oft werden an einem Stengel die Eier in mehreren „Etagen“ verteilt. Im März und April lagert ein Weibchen bis zu 1000 Eier im Gewebe von Wasserpflanzen ab.

Die Larven schlüpfen – je nach Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt – zu unterschiedlichen Zeiten. Bis zu sechs Zentimeter wird der Körper einer Larve groß. Der Kopf ist nach vorne verbreitert und mit zwei dolchartigen todbringenden Zangen (Mandibeln) ausgerüstet. Sie sind bestens dazu geeignet, vor allem Kaulquappen zu greifen und mit einem Verdauungssekret zu impfen, um sie dann auszusaugen. Die Käfer schrecken auch nicht zurück, die eigene Art zu verspeisen. Die Larve – im Gegensatz zum erwachsenen Käfer – erbeutet nur Lebendes. Hat die Larve ihre maximale Größe erreicht, verlässt sie das Wasser und sucht sich ein Versteck unter Steinen, größeren Ästen etc., um sich im Boden eine apfelgroße Kammer zu graben, eine sogenannte Puppenwiege. In dieser findet dann die Verpuppung statt. Die Puppenruhe dauert circa 14 Tage, ehe der Käfer schlüpft. Dort überwintert er in der Regel, bevor er das Wasser aufsucht. Der Käfer kommt trotz der weiten Verbreitung nicht häufig, aber regelmäßig vor.

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