Großkarolinenfeld – Spirulina heißt der grüne Schleim, mit dem Daniel Kotter (22) aus Großkarolinenfeld in Kenia helfen möchte. Was hierzulande vor allem viele Sportler als Nahrungsergänzung nutzen, erweist sich in der Entwicklungshilfe als wichtige Nahrungsquelle. Ganz neu ist die Idee, die Mikro-Alge dafür zu nutzen, nicht, wie Kotter berichtet: „Schon 1973 hieß es auf einer UN-Konferenz, dass Spirulina das beste Lebensmittel der Zukunft sei“, weiß der Student. In die Tat umgesetzt wurde die Vision jedoch bislang kaum.
So sind Daniel Kotter und Alexander Zacharuk aus dem Raum Deggendorf von der Universität Regensburg eine der wenigen Vorreiter in Sachen Spirulina-Entwicklungshilfe. Mit ihrem Projekt „Thriving Green“, das sie im Rahmen ihres ehrenamtlichen Engagements in der Studentenorganisation enactus als Projektleiter betreuen, bauen sie im Norden des afrikanischen Landes eine neue Landwirtschaft auf – eine, die im Gegensatz zur herkömmlichen unter den extremen Bedingungen vor Ort funktioniert. Denn: Am Turkana See ist es extrem heiß. „Das größte Gewässer Kenias eignet sich nicht zum Bewässern von Pflanzen“, sagt Kotter. Zu salzig und zu basisch ist der See mit einem PH-Wert von 9,4.
„Alex hat darüber eine Doku im Fernsehen gesehen“, erinnert sich Kotter an die Anfänge des Projekts. Die Region Turkana ist eine der ärmsten der Welt. Die Menschen leiden an Mangelernährung. Die Folgen: gestörter Stoffwechsel, Muskelschwäche, Entwicklungsdefekte und Organversagen. Die Kindersterblichkeit ist hoch. „Da wollten wir etwas unternehmen“, sagt der 22-Jährige, der im Master Betriebswirtschaftslehre studiert. Zusammen mit Alexander Zacharuk, der als Biologiestudent auf die Idee mit der Algenzucht kam, initiierten die beiden mit sieben anderen Regensburger Studenten und Partnern vor Ort „Thriving Green“ – zu deutsch: „Grün, das gedeiht“.
„Wir haben im Juni und Juli 2016 die Alge mit einer Startkultur im Labor und dann auf einem Freiluftgelände an der Uni getestet. Im April dieses Jahres sind wir dann nach Kenia geflogen“, sagt Kotter. Spirulina vermehrt sich durch Zellteilung sehr schnell und gilt aufgrund ihres Vitamin- und Proteingehalts als Superfood. Die Alge lässt sich trotz der extremen Bedingungen in Kenia gut anbauen und soll auf Dauer Hilfe zur Selbsthilfe geben, damit die Kenianer irgendwann selbst davon leben können.
Drei Algen-Becken siedelten die enactus-Mitglieder am See an – 36 Menschen können nun täglich mit 50 Gramm versorgt werden. „1800 Gramm gewinnen wir dort pro Tag.“
Die Alge wird entweder getrocknet und dann ähnlich wie Spinat als Beilage verzehrt oder dient als gemahlenes Pulver zum Geschmacksverstärken, weiß Kotter. „Unser Ziel ist es, dass immer mehr Kenianer Spirulina-Bauern werden.“ Angenommen wird die Alge trotz anfänglicher Skepsis der Bevölkerung gut. Ein Becken kostet jedoch 670 Euro. „Gerne würden wir noch mehr bewirtschaften. Dafür brauchen wir aber Spendengelder“, berichtet Kotter.
Für ihre Hilfe wurden die ehrenamtlich tätigen Studenten bereits geehrt. Beim Nationalwettbewerb von enactus Deutschland erklärte die Jury sie kürzlich zum besten studentischen Team. Neben dem Projekt „Thriving Green“ fand auch das Projekt „Hydro Solution“ Anerkennung, bei dem die Regensburger in Südkenia Biosandfilter herstellen und so eine Trinkwassernutzung der Bevölkerung gewährleisten.
Vor zwei Jahren kam Kotter zu enactus Regensburg, mittlerweile ist der Großkarolinenfelder Vorsitzender der Organisation. „Mich freut es, wenn wir mit unseren Ideen nachhaltig etwas bewegen und Probleme so unternehmerisch lösen“, sagt er. Und: „Man lernt auch noch spannende Menschen kennen.“