Da ist der Lack noch längst nicht ab: Der 2CV Burton von Jens Kirchner aus der Nähe von Zittau lockt Kenner und Interessierte an.
Samerberg – Colin Sherriff ist den 1300 Kilometer langen Weg mit der Ente aus dem verregneten Langham in England angetreten und er verlässt Törwang an diesem Wochenende zugleich als Ententreffen-Gewinner: Prämiert wurde der am weitesten angereiste Entenbesitzer.
Sherriff ist sich sicher, mit seiner rot-weißen 2CV ist er daheim bis auf zwei, drei weitere Fahrer allein auf weiter Flur: „Die Engländer wollen keine französischen Autos fahren, die fahren lieber einen BMW oder einen Golf“, scherzt der bärtige Brite in gebrochenem Deutsch.
Auf die Ente gekommen ist er, als seine Tochter Suzanne studierte und die von Daddy eigens dafür angeschaffte, günstige Ente gegen ein flottes, modernes Gefährt eintauschen wollte. „Am Ende war ich es, der sich nicht von der Ente trennen konnte.“ Der Beginn einer Liebe, die bis heute anhält.
So selten wie in England ist die Ente auch in Kroatien, der Heimat von Mario und Slavica Kompar. Die rostrote Ente der beiden Wahl-Rosenheimer fällt auf unter all den bunten, glänzenden Modellen, weil Kompar an ihrem Äußeren bewusst nichts aufpoliert: mattlackiert und ohne sonstigen Schnickschnack steht sie da, fast ein wenig so, als wolle sie sagen: „Seht ihr, ohne Make-up geht’s auch!“ Die Kompars mögen es so – und fachsimpeln gern mit anderen Entenfreunden, ob sich ein „H“-Kennzeichen nun für eine über 30 Jahre alte Ente lohnt oder nicht.
In intensive Gespräche unter Kennern ist auch Jens Kirchner aus der Nähe von Zittau involviert. Kein Wunder: Der Gewinner aus 2016 ist wieder mit seinem glänzenden, roten Burton vorgefahren. Ein echter Hingucker mit weißem Verdeck und Türen, die sich nach oben aufklappen lassen.
Markus Seidl aus Kärnten erfüllte sich vor 17 Jahren seinen „Jugendtraum“ von der Ente und ist seitdem mit ihr durch viele Länder Europas gereist. Nicht nur das Fahren an sich macht ihm großen Spaß: „Überall, wo ich mit meiner 2CV hinkomme, gibt es positive Reaktionen. Die Leute haben gleich ein Gesprächsthema, egal, wo ich aufkreuze.“ Das gehe dann auch ohne Fremdsprachenkenntnisse.
Seidl scheint der heimliche Rebell unter den Entenfahrern zu sein: Er wohnt unweit des Wörthersees, bekannt und berüchtigt für sein GTI-Treffen. Manchmal, erzählt er, mache er sich den Jux und mische sich mit seinen zwei knallroten Pferdestärken unter die aufgemotzten Volkswagen. Nur mal um zu sehen, welche Reaktionen kämen: „Die meisten finden´s lustig.“
Wie Seidl kommen viele
Entenfans aus Österreich nach Törwang gefahren. Gleich elf Enten kommen heuer aus Vöcklabruck. Nein, sie seien kein Club und kein Verein, erzählt Franz Spitzer, der einst die Entenmania in seinem Heimatort ausgelöst hat. Er hat sogar eine Visitenkarte mit einer rasenden Ente drauf. Stolz spricht er von seiner „Entenfamilie“, die vor elf Jahren gegründet wurde.
„Ich habe zu Rauchen aufgehört und mich mit einer Ente belohnt“, schmunzelt Spitzer. Nur anfangen dürfe er nicht wieder mit dem Qualmen, sonst, drohe seine Frau, müsse die 2CV gleich wieder verkauft werden. Das wird er wohl kaum riskieren. Immerhin haben er und sie – ob Franz Spitzer damit nur das Auto oder auch seine Frau meint, bleibt offen – schon viel erlebt: Weite Reisen etwa, zum Beispiel nach St. Tropez.
Auch wenn man es mit der Ente wohl selten auf die Überholspur schaffen dürfte, die meisten Teilnehmer des Törwanger Treffs vereint, dass sie gern mit ihrer 2CV auf Tour gehen. Gemächlichkeit ist dabei sogar ausdrücklich erwünscht.
Gemütlich und eher im Watschelgang ging es dann auch bei der traditionellen Enten-Ausfahrt der Teilnehmer zu. Statt wie in den Jahren zuvor über Aschau ging es heuer über eine neue Route. Neubeuern, Rohrdorf, Höhenmoos, Frasdorf: Für die weitgereisten Enten, die laut ihrer Besitzer schon das Nordkap, Paris oder London gesehen haben, war diese Tour natürlich kein Problem.