Raubling/Barcelona – Isabella Jelinek (25) ist auch am Tag danach noch fassungslos. Trauer, Betroffenheit und Wut über das unsägliche Handeln der Terroristen prägen ihre Gefühle wenige Stunden nach dem feigen Anschlag in der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona. Der Terror in der Hauptstadt der spanischen Provinz Katalanien kostete nach Angaben der Behörden 13 Menschen das Leben und forderte mehr als 100 Verletzte.
Wenn die 25-jährige Junior-Marketingmanagerin, die aus Raubling stammt und in Rosenheim studiert hat, am Tag nach dem Anschlag dennoch von einer „Traumstadt“ spricht, dann ist dies mehr als nur eine persönliche Einschätzung. Dahinter verbirgt sich auch eine Botschaft. „Ich bin sehr glücklich hier, und ich will nicht zulassen, dass sich das ändert“, sagt sie mit fester Stimme. Die junge Frau arbeitet seit September vergangenen Jahres zusammen mit rund 2500 Kolleginnen und Kollegen für HP, einen der größten amerikanischen PC- und Druckerhersteller, an dessen Firmensitz in Barcelona. Gestern war sie nicht im Büro. „Die Chefin hat gesagt, wir sollen von zu Hause aus arbeiten, bis sich das Leben in der Stadt wieder normalisiert hat“, sagte die 25-Jährige im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Eigentlich sollte der Donnerstag ein Freudentag für sie sein. Isabellas Vater (52) kam aus München, um seine Tochter zu besuchen. Die beiden wollten sich am späten Nachmittag genau zu der Zeit im Herzen der Stadt treffen, als die Terroristen nicht nur ganz Spanien mit ihrem abscheulichen Handeln erschütterten. Isabella Jelinek war mit der U-Bahn auf dem Weg zum Place Catalunya, der ganz in der Nähe des Tatortes liegt. Als diese eine Station vorher halten musste und nicht weiterfuhr, erhielt sie am Bahnsteig erste Informationen über den Anschlag. „Es herrschte große Nervosität, viele Menschen rannten planlos herum und telefonierten, Sirenen von Polizei- und Rettungsfahrzeugen waren zu hören, Hubschrauber kreisten in der Luft“, schildert Jelinek ihre ersten Eindrücke.
Ihr Vater war zur selben Zeit mit einem Shuttlebus vom Flughafen unterwegs zum vereinbarten Treffpunkt. Der Bus wurde umgeleitet. Als sich Vater und Tochter in all dem Chaos dann endlich gefunden hatten, war dies ein sehr emotionaler Moment. „Wir haben uns einfach nur umarmt und waren glücklich“, so Isabella Jelinek. In den Stadtteil Borne zu gelangen, in dem die Raublingerin wohnt, war für beide dann noch eine Herausforderung. Die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren nicht mehr, ein Taxi war nicht zu bekommen. Schließlich fand sich doch noch eine Fahrgelegenheit.
Wenn Freude und entsetzliches Leid in Barcelona dieser Tage auch sehr eng beieinanderliegen, so ist es für Jelinek dennoch alternativlos, den Blick nach vorne zu richten. Deshalb findet sie es auch richtig, dass sich die Menschen schon wenige Stunden nach dem Anschlag bemüht haben, wieder in den Alltagsrhythmus zu finden. Wenn ihnen dies in der Kürze der Zeit auch nur teilweise gelang, ist es für die junge Frau dennoch der einzige Weg, der beschritten werden kann. „Wir dürfen als freie Welt vor den Terroristen nicht kapitulieren“, sagt sie aus tiefster Überzeugung.