Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen

von Redaktion

Rekonstruktion des Steins von Rosette in der Pharao-Ausstellung in Rosenheim zu sehen

Rosenheim – Der Lokschuppen Rosenheim entführt die Besucher in der Ausstellung „Pharao“ an die Ufer des Nils. Anhand von 300 Exponaten erzählt die Erlebnisausstellung vom Leben der Menschen im alten Ägypten. Ein großer Stein mit drei verschiedenen Schriften hat seine eigene Geschichte: Es ist die Rekonstruktion des Steins von Rosette – er war der Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen.

Um 500 nach Christus geriet die Hieroglyphenschrift über viele Jahrhunderte in Vergessenheit. Die Bemühungen des Jesuiten Athanasius Kircher, der den Hieroglyphen im 17. Jahrhundert auf die Spur kommen wollte, sollten sich als vergeblich erweisen. Dann aber, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wurde die Entzifferung plötzlich zu einem Wettlauf zwischen den Gelehrten in Europa.

Dieser Wettlauf begann mit einem kriegerischen Ereignis. Im Juli 1798 marschierten die Truppen von Napoleon Bonaparte in Ägypten ein. Im Gefolge befanden sich über 150 Gelehrte. Ihre Aufgabe war es, die Altertümer Ägyptens zu erkunden, zu vermessen und zu zeichnen. Beim Bau einer Festung bei der Stadt Rosette (Raschid) im Nildelta fand man einen zweisprachigen Stein mit drei verschiedenen Schriftarten, ein zweisprachiges Priesterdekret zu Ehren von König Ptolemaios aus dem Jahr 196 vor Christus, wie sich später herausstellte. Der oberste Abschnitt ist in Hieroglyphen, der mittlere Abschnitt in demotisch geschrieben, die Alltagsschrift der Ägypter. Es war derselbe Text. Die griechische Übersetzung unten aber sollte erste Ansätze zur Entzifferung liefern.

Von diesem Stein beziehungsweise einer Abschrift davon wurde schon bald ein sprachlich begabter junger Franzose in den Bann gezogen. Sein Name war Jean François Champollion. Doch Champollion ist nicht der Einzige gewesen, der dem Geheimnis der alten Schrift auf der Spur war. Etwa zur gleichen Zeit sollte es dem englischen Physiker Thomas Young gelingen, erste Hieroglyphen zu entziffern. Ein Wettlauf hatte begonnen, doch Champollion gelang 1822 der Durchbruch. Damit eröffnete uns Champollion den direkten Zugang zur Welt der alten Ägypter!

In jahrelangem Studium verglich er die Schriftzeichen von „Ptolemaios“ und „Kleopatra“ auf Stein von Rosette mit Zeichen auf anderen Dokumenten. Königsnamen – so wusste man – wurden in Ovale eingeschrieben, den sogenannten Kartuschen. Champollion gelang es, Buchstabe für Buchstabe, Laut für Laut zu entziffern. Wort für Wort und die zugehörigen Deutzeichen wurden von ihm erkannt.

Die Hieroglyphenschrift ist wie unsere Schrift eine Buchstabenschrift. Sie verwendet Ein- und Mehrkonsonanten-Zeichen, dazu aber auch stumme Deutzeichen am Wortschluss, sogenannte Determinative, aus denen man bereits oft schon erkennen kann, ob es sich um ein Verb oder um ein Substantiv handelt. Satzeinleitungen und Nebensätze erkennt man an der Konstruktion, eine Interpunktion fehlt. Die Leserichtung der waagrecht wie senkrecht geschriebenen Zeichen kann sowohl von rechts nach links, als auch von links nach rechts sein. Gelesen wird immer entgegen der Blickrichtung der Zeichen, wobei man auf Menschen oder Tiere achtet, die sich unter den Hieroglyphen befinden. re

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