Rosenheim – Meldungen über umgestürzte Bäume und heruntergefallene Äste, die Autos beschädigten und Straßen blockierten, liegen-gebliebene Züge, defekte Stromleitungen und Gebäudeschäden machten den Großteil der allein über 700 unwetterbedingten Notrufe aus, die in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd zwischen 21 Uhr und 1 Uhr eingingen. „Die Notrufleitungen waren teilweise überlastet. Wir mussten das Personal kurzfristig aufstocken, um alle eingehenden Hilferufe bewältigen zu können“, berichtete Pressesprecher Andreas Guske vom Polizeipräsidium am Sonntag gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Besonders gefordert waren Polizei und Rettungskräfte beim Chiemsee Summer in Übersee und dem Echelon-Festival in Bad Aibling, die kurzfristig abgebrochen werden mussten. Zehntausende hatten unter freiem Himmel die Musikdarbietungen genossen, als das plötzlich aufziehende Unwetter bei beiden Veranstaltungen eine Evakuierung der Besucher notwendig machte. „Das war die bisher schwierigste Situation, die es in der 23-jährigen Geschichte des Festivals zu bewältigen gab“, bilanzierte Polizeioberrat Reinhard Wolf, Einsatzleiter in Übersee.
Etwa 60 Personen, die sich zum Zeitpunkt des Unwetters auf dem Festivalgelände in Übersee aufhielten, benötigten medizinische oder psychologische Betreuung. 22 Personen wurden nach Polizeiangaben in Krankenhäuser eingeliefert. Alexander Kueres, zuständig für die Pressearbeit des Roten Kreuzes beim Echelon-Festival in Bad Aibling, sprach in seiner Bilanz von 14 Verletzten, von denen drei ins Krankenhaus gebracht werden mussten. „Die haben alle eine Medaille für ihren Einsatz verdient“, lobte Andreas Guske den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer in dieser Nacht. Eine besondere Herausforderung sei die Evakuierung in Übersee gewesen, weil sich auf dem Festival-Gelände im Gegensatz zu Bad Aibling keine Gebäude befanden, die Schutz boten. „Wir hatten es hier gleichsam mit einer Stadt von Obdachlosen zu tun“, so Guske.
An Zelten und Gebäuden auf dem Gelände in Bad Aibling richtete der Sturm schwere Schäden an. Auch vier Zelte des Roten Kreuzes seien in Mitleidenschaft gezogen worden, berichtete die Leiterin der Aiblinger Sanitätsbereitschaft, Sabine Heger.
Kreisbrandrat Richard Schrank betonte, die Feuerwehren im gesamten Landkreis seien bis 4 Uhr in der Früh sehr stark gefordert gewesen. Einsatzschwerpunkte seien das Inntal und der Chiemsee-Bereich gewesen. „Für einige Kameraden ging es am Samstag gleich weiter, weil Schäden bemerkt wurden, die in der Nacht noch nicht bekannt waren“, so Schrank.