Raubling – Es war gegen 10 Uhr, als Bundespolizisten eine übel riechende Flüssigkeit wahrnahmen. Sie waren im Rahmen der derzeit üblichen Schwerpunktkontrollen im Einsatz, bei denen die Bundespolizei auf angehaltenen Güterzügen nach illegal eingereisten Flüchtlingen Ausschau hält. Da anfangs von einem Gasaustritt ausgegangen werden musste, wurde der Bahnhof sofort gesperrt. Erst gegen 12.30 Uhr lief der Zugverkehr wieder fahrplanmäßig. Auch Straßen im Bahnhofsbereich mussten kurzzeitig gesperrt werden.
„Da die Lage zunächst unklar war, sind wir mit einem starken Kräfteaufgebot angerückt und haben uns dem Zug nur vorsichtig genähert“, berichtete Kreisbrandrat Richard Schrank den OVB-Heimatzeitungen. Rund 50 Helfer der Feuerwehren Raubling, Rosenheim, Kolbermoor und Neubeuern rückten an, unter anderem der Gefahrgutzug der Rosenheimer Feuerwehr. Die ersten Einsatzkräfte näherten sich dem Güterzug mit schwerem Atemschutz, auch ein Spezialtrupp mit Chemieschutzanzügen näherte sich dem Waggon, aus dem das Gas ausgetreten sein soll. Ein Leck konnten die Feuerwehrleute nicht entdecken. Messungen ergaben zudem, dass kein Gasaustritt vorlag. Rasch war klar, dass sich in dem Kesselwagen Kaliumhydroxid befand und für die Bevölkerung keine Gefahr besteht.
Da es sich um einen ätzenden Stoff handelt, wurden vier Bundespolizisten, die sich bei der Kontrolle ohne Schutz dem Waggon genähert hatten, vorsorglich zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. „Sie sind wohlauf“, berichtete gestern Nachmittag Yvonne Oppermann, Sprecherin der Bundespolizei in Rosenheim. Weitere Patienten musste der Rettungsdienst nicht versorgen. Er rückte nach Auskunft des Kreisbrandrats mit etwa 30 Helfern an.
Richard Schrank geht davon aus, dass beim Befüllen des Tankwagens in Italien eine kleine Menge der Chemikalie ausgelaufen ist und der Geruch erst bei der Polizeikontrolle bemerkt wurde. Ehe der Zug weiterfuhr, spritzte die Feuerwehr den Waggon deshalb mit Wasser ab.
Die Totalsperre der Bahnstrecke hatte vor allem Auswirkungen auf den Personennahverkehr. „Unsere Züge mussten in den Bahnhöfen Brannenburg und Rosenheim wenden“, sagte Pressesprecher Christopher Raabe von der Bayerischen Oberlandbahn, die mit Meridian-Garnituren den Nahverkehr zwischen München und Kufstein betreibt. Für die Reisenden wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
Die Auswirkungen auf den Fernverkehr hielten sich nach Angaben der Deutschen Bahn in Grenzen. Besonders betroffen war ein Zug, der über München in Richtung Innsbruck unterwegs war. Die Reisenden mussten über zwei Stunden am Rosenheimer Bahnhof ausharren, ehe ihre Weiterfahrt möglich war. Zwei weitere Fernzüge hatten deutlich geringere Verspätungen. Auch einige Güterzüge mussten aufgrund des Einsatzes unfreiwillige Zwischenstopps einlegen.