Halfing – Nur die dritte Generation tanzt jetzt aus der Reihe. „Leider“, sagt die Oma. Wäre doch so schön gewesen. Aber die fünf Enkelkinder lassen den heutigen Tag unverheiratet verstreichen. Trotzdem wird es eine große Sause mit dem Familienclan und vielen Freunden geben, wie es im Hause Wagner/Lüke so üblich ist. „Wir wohnen zusammen in einem großen Haus, wir feiern gemeinsam, und wir kegeln gemeinsam. Das sind eben wir“, sagt Opa Lüke und strahlt. Anders kann sich das Familienoberhaupt sein Leben nicht vorstellen.
Für Barbara und Rainer Lüke war es die große Liebe – und sie hat bis heute gehalten. „Meine Frau war 17 Jahre jung, also noch nicht volljährig. Da brauchten wir eine Heiratserlaubnis vom Vormund“, erinnert sich Rainer, der zum Zeitpunkt seiner Hochzeit auch erst 19 Lenzen zählte. „Ich musste ihn unbedingt haben“, gesteht Barbara heute noch ganz begeistert. Wenn das nicht wahre Liebe ist!
Rasch kamen vier Töchter zur Welt, doch inzwischen war die junge Familie vom westfälischen Bochum ins bayerische Halfing umgezogen. „Rainer war mit Leib und Seele Fernfahrer. Anfangs bin ich immer noch mal mitgefahren. Ich habe es geliebt, so ungebunden zu sein und die Welt kennenzulernen“, erinnert sich seine Frau. Besonders Frankreich und Spanien hatten es den beiden angetan. „Biarritz und das Baskenland – dort ist es wunderschön“, schwärmt Barbara noch heute.
Doch mit dem Begleiten war es bald zu Ende. Sie musste sich um die Kinder und das Haus kümmern, schließlich zogen noch ihre Eltern mit ein. „Vielleicht hat unsere Ehe deshalb so gut funktioniert, weil er nicht ständig da war. Ich habe mich immer auf das Wochenende gefreut, wenn er gekommen ist“, sagt sie. „Da gab es wenig Zeit, zu streiten“, meint ihr Ehegespons trocken.
Der Schwiegersohn war schuld
Dass aber dann zwei der vier Töchter auch am 25. August und genau 25 Jahre später heiraten wollten, daran ist Schwiegersohn Armin schuld. „Ich fand das eine tolle Idee und besprach mich zunächst mit meiner Schwiegermutter“, erzählt der heute 46-Jährige. Sie war sofort begeistert: „Eine schöne Idee“, findet sie noch heute. Schnell waren sich alle Brautpaare einig: Am 25. August 1992 sollte Dreifach-Hochzeit gefeiert werden.
Und so kam es auch. Armin heiratete seine Tina, Sigi seine Tanja. Doch diese Ehe hielt nicht allzu lange. Barbara und ihr Rainer feierten an diesem Tag ihre Silberhochzeit. „Es war ein ganz besonderes Fest. Es ist uns allen noch in wunderbarer Erinnerung“, sagt die Oma versonnen.
„Armin ist auch Fernfahrer wie mein Vater. Ob das der Grund ist, dass auch wir beide noch zusammen sind?“, fragt die 48-jährige Tina. Jedenfalls sei die Kommunikation intensiver als noch zu Zeiten des Papas. „An den Rastplätzen gab es meist nur einen Münzfernsprecher. Alle Fahrer wollten telefonieren. Da konnte man oft nur schnell Hallo sagen“, erinnert sich der Opa. Das sei heute ganz anders. „Ja, wir skypen viel und nutzen die modernen Möglichkeiten wie Whatsapp. Da sind wir beide immer informiert, was zu Hause und auf der Strecke los ist.“ Das sei Tina auch wichtig. „Natürlich fährt die Sorge um meinen Mann immer mit. Ich hoffe, dass nie etwas passieren wird. Bisher ist immer alles gut gegangen“, sagt sie und atmet tief durch.
Und ähnlich wie ihre Mutter hat auch sie sich um ihre beiden Kinder gekümmert, das Haus versorgt, bei den Eltern im Erdgeschoss nach dem Rechten gesehen und auch noch – wie Mama – in Teilzeit gearbeitet. Heute trägt sie im Gemeindebereich Halfing die OVB-Heimatzeitung aus.
Sehr gerne hat sie ihren Armin auf seinen Touren begleitet. Ihre Lieblingsziele: Schottland, England und Sizilien. „Weil sie landschaftlich so reizvoll sind“, meint Armin. „Und weil die Mentalität angenehm ist“, sagt Ehefrau Tina.
Dass Barbara und Rainer inzwischen fünf Enkelkinder haben, freut besonders Opa Rainer. „Ich habe meine Kinder ja kaum aufwachsen sehen. Das genieße ich jetzt bei den Enkelchen.“
Und ob die Sonne am heutigen Tag vom Himmel lacht oder Regenschauer über Halfing hinwegziehen. „Das ist uns einerlei. Wir werden feiern, so oder so. Und alle kommen, sie wohnen ja alle ums Eck“, sagt Goldhochzeiter Rainer Lüke. Schwiegersohn Armin Wagner bekennt: „Ob meine Kinder nun heute geheiratet hätten oder nicht. Das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass der Bub kein Fernfahrer geworden ist. Denn die Verdienstmöglichkeiten sind in Deutschland zu gering.“ Ein enormer Kostendruck liege auf den Speditionen. „Dafür haben wir jetzt ständig die Polizei im Haus“, schmunzelt der Opa. Der Enkel ist nämlich zur Polizei gegangen.