Herz Ass: Bundesweit erstes Gütesiegel für Rosenheimer Bordell

Kampf gegen das Schmuddel-Image

von Redaktion

Plüsch und blinkende Neonlichter, schäbige Zimmer, in denen Zuhälter Frauen anbieten: Gegen dieses Schmuddel-Image kämpfen bundesweit Bordelle, die auf Seriosität setzen. Auch das „Herz Ass“ in Rosenheim. Als erstes Etablissement in Deutschland ist es mit dem Gütesiegel der Prostitutionsbranche ausgezeichnet worden.

Rosenheim – Eine Pressekonferenz im Bordell: Das zieht. Viele Journalisten waren gestern der Einladung des Bundesverbandes Sexuelle Dienstleistungen e.V. nach Rosenheim gefolgt. Konferenztisch: die Bar des „Herz Ass‘“, „erstes Haus am Platz“ seit 1979. Betreiber Manfred Burtscher – Kumpeltyp mit Pferdeschwanz – freute sich sichtlich über ungewöhnlich viele weibliche Gäste.

Stephanie Klee und Simone Goretzki aus dem Vorstand des Bundesverbandes nahmen für ihre Vorstellung des Gütesiegels auf der Bühne Platz, auf der nachts freizügig gekleidete Frauen an der Stange vor einer Spiegelwand tanzen. Klee – freche Kurzhaarfrisur, sportlich-legere Kleidung – ist freiberufliche Sexualassistentin. Das heißt: Sie unterstützt betagte und behinderte Menschen bei der Auslebung ihrer Sexualität. Ihre Vorstandskollegin Goretzki – eine schicke Geschäftsfrau in mittleren Jahren – betreibt in Berlin ein Laufhaus. Damit repräsentieren die beiden die Mitgliedergruppen in ihrem 2002 gegründeten Verband: Sexarbeiterinnen wie Rosi Topalovic-Lange, die wochentags von 9 bis 20 Uhr ihre Dienste in selbstgemieteten Räumen anbietet, und Bordellbetreiber wie „Herz-Ass“-Gastronom Burtscher. „Ich bin stolz darauf, dass mein Betrieb der erste ist, der das Gütesiegel erhält“, sagt er. „Es zeigt, dass bei uns alles piccobello sauber ist und die Mädchen nicht unter Druck gesetzt werden.“

Um dies zu unterstreichen, hat er eine Selbstverpflichtung unterschrieben: Sie sagt unter anderem aus, dass das Bordell alle behördlichen Genehmigungen aufweist, eng mit Gesundheitsamt, Finanzamt und Polizei zusammenarbeitet, dass hier kein Verkehr ohne Kondom stattfindet und sich der Betreiber „von Menschenhandel sowie jeglicher Form von Gewalt und Zwang sowie Kriminalität“ distanziert. Das Gütesiegel des Berufsverbandes, das regelmäßig überprüft wird und auch wieder entzogen werden kann, sagt auch aus, dass die Stammdaten des Betriebes offen zugänglich sind und die Standards des im Juli in Kraft getretenen Prostituiertenschutzgesetzes eingehalten werden.

Die acht bis zwölf Frauen, welche die Zimmer im „Herz Ass“ anmieten, sind selbstständige Unternehmerinnen. Wie Verführungsoasen wirken ihre Arbeitsplätze nicht. Die Zimmer ähneln eher jenen in einem Drei-Sterne-Hotel: großes Bett, Nachtkasterl, Bad, Fernseher – nüchterner Komfort, kein Rotlicht, kein Plüsch. Nur ein mit Gittern an der Wand und am Fenster versehener Raum zeigt, dass hier Sado-Maso-Praktiken angeboten werden. Außerdem gibt es ein „Seitensprung-Zimmer“, erst kürzlich von einem Paar um die 70 für ein paar Schäferstündchen gemietet, berichtet der Betreiber. Als Treffpunkt für die Frauen dient eine Küche mit Bauernschrank und rustikaler Essecke.

Führungen durch Bordelle gehören zum Selbstverständnis des Bundesverbandes. Mehr Transparenz will er schaffen, über die Vielfalt der Branche mit Wohnungsbordell, Laufhaus, Bar, Club, FKK-Wellness, Straße, Studio und Escort hinweisen. „Wir haben es satt, diskriminiert zu werden. Wir sind ein ganz normales Wirtschaftsunternehmen“, findet die Betreiberin des Freudenhauses Hase in Berlin.

Das neue Gütesiegel, das nach dem „Herz Ass“ weitere 23 deutsche Bordelle erhalten und das in weiteren Stufen mit Bewertungen wie in der Hotelbranche (eins bis sechs Kronen) einhergehen wird, soll Freiern helfen, seriöse von unseriösen Betrieben zu unterscheiden.

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