Tausende Zuschauer verfolgen HerbstfestAufzug

„Ois gricht für a scheene Wiesn“

von Redaktion

Ein Spätsommertag wie aus dem Bilderbuch mit weiß-blauem Himmel und viel Sonne, dazu die breite Palette bunter Vielfalt, die bayerische Lebensart ausmacht: Schöner hätte der Wiesnaufzug zum Rosenheimer Herbstfest nicht sein können. Noch vor dem Mittagläuten fielen in den Bierburgen die wichtigsten Worte: „Ozapft is!“

Rosenheim – Es war wie immer: Lange bevor sich der Festzug zur Loretowiese am Samstag gegen 11 Uhr in Bewegung setzte, säumten etliche Tausend Menschen die Straßen entlang der Zugstrecke – Fotoapparate, Videokameras oder das Handy für einen spontanen Schnappschuss griffbereit. Motivarmut gab es an diesem Tag beileibe nicht. Musikkapellen, Trachtenvereine, Gebirgsschützen, dazwischen die Festkutschen mit prächtig herausgeputzten Pferden und die feschen Bedienungen, die in den nächsten beiden Wochen den Besuchern Speis und Trank servieren – sie alle wurden zum Symbol für ein harmonisches Miteinander von Stadt und Land, das die Wiesn unter Federführung des Wirtschaftlichen Verbandes (WV) auch heuer wieder sein soll.

Mittendrin im Getümmel und trotz ihrer Jugend souverän: die Miss Herbstfest Lisa Petzinger aus Feldkirchen-Westerham. Repräsentantin der Wiesn sein zu dürfen, sei für sie „eine riesengroße Ehre und große Freude“ zugleich, bekannte sie bei der Begrüßung der vielen Zuschauer, die sich zur offiziellen Eröffnung der fünften Jahreszeit auf der Loretowiese eingefunden hatten. Da folgte auch gleich ein Versprechen, das man der 20-Jährigen im schmucken Dirndl problemlos abnehmen konnte. „Ich bin voll dabei.“

Dass im Vorfeld des Herbstfestes viele an Bord sein mussten, um es auf die Beine zu stellen, daran erinnerte Hermann Tomczyk, Vorsitzender des Herbstfestausschusses im WV, der den Reigen der Redner eröffnete und sich bewusst kurz hielt. „Es is ois gricht für a scheene Wiesn“, meinte er und verband diese Feststellung mit einem Dank an alle, die bei den Vorbereitungsarbeiten mitgewirkt hatten. Dem Herbstfest wieder einmal zum Erfolg zu verhelfen, das sei jetzt auch Sache der Besucher. „Machen Sie das Fest zur sympathischen Rosenheimer Wiesn“, appellierte Tomczyk an sie.

„I bin da Wolfgang, und do san mia dahoam“, nahm Landrat Wolfgang Berthaler in seinem Grußwort eine Anleihe bei einer regelmäßigen Sequenz im Bayerischen Fernsehen, in deren Rahmen Menschen aus dem Freistaat vorgestellt werden, die sich zum Abschluss des jeweiligen Beitrags immer mit dieser Redewendung verabschieden. Dass er in den nächsten zwei Wochen immer wieder gerne auf dem Herbstfest daheim sein wird und dabei das Arbeitsschutzgesetz genauso gerne außer Acht lässt, dieses mit einem Augenzwinkern vorgetragene Bekenntnis fiel dem Landrat nicht schwer. Nicht zuletzt mit Blick auf die hübschen Polizistinnen, die er beim Festeinzug von seinem Platz in der Ehrenkutsche aus entdeckt und in seinem Grußwort eigens erwähnt hatte. Die weltweite Terrorgefahr wollte Berthaler nicht ausklammern, gleichzeitig betonte er aber auch, dass sie dieses „besondere Ereignis“ nicht dominieren dürfe. „Wir dürfen die Sicherheit nicht vergessen, aber wir sollten auch mit großer Lebensfreude feiern“, meinte er.

Gruß an Gäste

aus aller Welt

Und dazu gehören in Rosenheim Gäste aus aller Welt, die Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihr Grußwort einbezog. Sie wünscht sich „eine gemütliche und friedliche Wiesn“, der sie durchaus Symbolcharakter attestiert. „Wir sollten mit dem Herbstfest auch ein Zeichen nach außen setzen für unser Brauchtum und für all das, womit wir mit unserer christlichen Tradition einstehen.“

Mit Marschmusik ging es anschließend in die beiden Bierburgen, wo sich Bauer im Flötzinger-Zelt und Berthaler in der Inntalhalle als alte Hasen im Anzapfen erwiesen. In Sekundenschnelle saß bei beiden der Zapfhahn im Fass, und dann konnte der edle Gerstensaft endlich fließen und für erste Abkühlung in der mittäglichen Schwüle bei Temperaturen um die 30 Grad sorgen,

Da gab es dann auch eine verdiente Pause für ein älteres Ehepaar aus Bremen, das eigens von seinem Urlaubsort in Tirol nach Rosenheim gekommen war, um der Herbstfesteröffnung beizuwohnen. „Jetzt trinken wir erst mal aus dem Pott und essen ein Hähnchen“, sagten die beiden, nachdem sie einen Platz im Auerbräu-Biergarten ergattert hatten – zu diesem Zeitpunkt bereits um etliche Dutzend Erinnerungsfotos auf der Digitalkamera reicher. „Jetzt bleib erst amoi hocka“, meinte der Tischnachbar aus Rosenheim zu den beiden, als diese schon gleich nach der Bestellung damit begannen, ihr Nachmittagsprogramm zu besprechen. Dann bewegte der Rosenheimer seinen Masskrug am ausgestreckten Arm in Richtung der Gäste aus Norddeutschland und prostete ihnen zu.

Ein Motto, das seit Jahren für die Rosenheimer Wiesn gilt, wurde in diesem Moment mit Leben erfüllt. „Ruck ma zamm!“

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