Seit vielen Jahren im Glückshafen im Einsatz

Losverkauf ist Herzenssache

von Redaktion

Zum Rosenheimer Herbstfest gehört der Glückshafen genauso dazu wie das Bier, die Musik und die Fahrgeschäfte. Der Losverkauf zugunsten der Waisenhausstiftung wird von städtischen Mitarbeitern in ihrer Freizeit organisiert. Manche von ihnen sind seit vielen Jahren dabei und machen deutlich: Losverkauf ist Herzenssache.

Rosenheim – Kathi Kunerl ist diejenige, die am längsten im Glückshafen Dienst macht. Die 69-Jährige ist schon in Rente, aber den freiwilligen Einsatz beim Losverkauf möchte sie nicht aufgegeben. Ausgerechnet in ihrem 50. Einsatzjahr hat ihr das Schicksal jedoch heuer einen Strich durch die Rechnung gemacht: Sie hatte eine Beinoperation, muss jetzt mit Krücken gehen und kann deshalb in diesem Jahr keine Lose verkaufen. Zum Fototermin für unsere OVB-Heimatzeitung kommt sie trotzdem auf die Wiesn und berichtet mit ihren Kolleginnen über ihre gemeinsamen Einsätze.

Der Vater kaufte hier

schon als Bub die Lose

„Die Leute, die bei uns die Lose kaufen, kennen uns über lange Zeit. Oft werden wir mit den Worten begrüßt ‚Schee, dass Sie wieder da sind‘“, sagt Kunerl. Sie erinnert sich, dass einmal ein Mann mit seiner etwa 25-jährigen Tochter zu ihr an den Glückshafen kam und sie nach ihrem Alter fragte. Auf ihr erstauntes Nachfragen, warum er das denn wissen wolle, erklärte er: „Meine Tochter glaubt nicht, dass Sie mir früher schon Lose verkauft haben, als ich ein kleiner Bub war.“ Das stimmte. Schon der Vater kaufte als Bub bei ihr die Lose. Kathi Kunerl konnte ihm das mit Sicherheit bestätigen, zumal sie sich gut an den Buben erinnerte, der immer extra auf sich aufmerksam machte und bei ihr die Lose kaufen wollte.

Mit Feuereifer dabei sind auch Susanne Mayr (50) und Sandra Irlinger (44). Irlinger ist seit 28 Jahren dabei „und familiär vorbelastet“. Ihre Mutter und ihre Schwester haben bereits im Glückshafen gearbeitet, und jetzt hilft auch schon ihr Sohn Kilian (18) beim Einsortieren der Preise mit. „Das einzige Jahr, in dem ich im Glückshafen ausgesetzt habe, war übrigens das Jahr, in dem Kilian geboren wurde‘“, erinnert sie sich.

Freiwillig setzt hier keine aus, das wird schnell deutlich: Die Arbeit in den Zweier-Teams macht ihnen Spaß. „Wir sind wie eine Familie“, beschreibt Kathi Kunerl und fügt schnell noch hinzu: „Wie eine gut funktionierende.“

Man sieht nur noch Hände, Lose und Geld

Die Mitarbeiterinnen der Stadt nehmen für die Arbeit im Glückshafen Urlaub oder freie Tage. Eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten sie auch, „aber wegen des Geldes macht das hier niemand“, versichern die Losverkäuferinnen. Sie schätzen die Kameradschaft und das vertraute Miteinander – auch wenn sie abends ganz schön geschafft sind. „Nach sechs Stunden sieht man nur noch Hände, Lose und Geld“, weiß Susanne Mayr. Da brauche man dann schon eine Weile, um wieder runterzufahren.

Der Kontakt mit den Kunden verlaufe meist reibungslos. Die meisten seien entspannt und glücklich über jeden Gewinn. „Einer brachte mir am Sonntag bei der Hitze sogar einen Fächer zur Abkühlung, und ein anderer schenkte mir eine Tüte gebrannte Mandeln“, freut sich Mayr.

Natürlich gebe es auch diejenigen, die sauer sind, wenn sie nicht gewinnen. Die seien aber ganz selten – zum Glück, berichten die drei Damen. „Ein Mann hat mal mit 100 Euro gezahlt. Ich musste reingehen, um zu wechseln, und dann war er weg“, erinnert sich Sandra Irlinger an eine kuriose Geschichte.

Stefan Adam (40), städtischer Beamter in der Bauabteilung, gehört zur Wiesnzeit zum fünfköpfigen Leitungsteam des Glückshafens. „Pro Tag verlosen wir im Schnitt 15 Hauptgewinne“, erklärt er. „Alle Gewinne werden gekauft. Je besser kalkuliert wird, desto schönere Gewinne gibt’s für alle Gewinnklassen.“ Heuer sind zwei Roller und mehrere Fernseher die Renner unter den Preisen. 174000 Gewinne werden insgesamt beim Herbstfest verlost, pro Woche beispielsweise 6000 Chipstüten. Vor zwei Jahren, so erinnert sich Adam noch ganz genau, seien am letzten Herbstfesttag gegen 19 Uhr die Lose ausgegangen. Das sei in der Herbstfestgeschichte mindestens 40 Jahre lang nicht vorgekommen.

Der Betrieb im Glückshafen gilt als Glücksspiel. Er muss sich nach den gesetzlichen Regeln richten, deshalb dürfen beispielsweise auch Kinder keine Lose kaufen.

An alle Loskäufer hat Adam eine dringende Bitte: „Gewinne sollten gleich eingelöst werden. Bitte nicht sammeln!“ Manche Leute würden am letzten Wiesntag mit einem ganzen Stapel an Gewinnnummern vor dem Glückshafen stehen, stöhnt Adam. Das bringe ein großes Durcheinander und halte den Betrieb unnötig auf.

Zwischen 80000 und 100000 Euro werden am Glückshafen alle Jahre für die Waisenhausstiftung eingenommen. „Wenn wir dann sehen, wie sinnvoll das Geld investiert wird, dann freuen wir uns nochmal, einen Beitrag dazu geleistet zu haben“, erklärt Adam.

Warum kaufen Sie Lose?

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