Rosenheim – Thomas Frank ist seit 1991 für das Bier vom Auerbräu verantwortlich, sein „Gegenspieler“ bei der Flötzinger-Brauerei, Franz Amberger, sorgt seit 2009 für den guten Geschmack. Beide kennen sich lange und sprechen viel über ihren Beruf – gern auch miteinander, denn sie respektieren die Leistung des anderen.
Die meiste Arbeit für die Wiesn ist jetzt erledigt, darin sind sich die beiden einig. Wenn die Oberbürgermeisterin und der Landrat angezapft haben, dann können sie aufatmen. „Trotzdem“, so beschreibt es Frank, „gleicht die Wiesn einem Marathon.“ Amberger stimmt zu: „Das Bier ist zwar gebraut, aber die logistische Geschichte bleibt. Die Versorgung auf der Wiesn muss stimmen. Wir überprüfen die Schankanlagen, organisieren die Mitarbeiter und sorgen so für einen reibungslosen Ablauf. Das wird bei euch nicht anders sein?“, spielt er Frank den Ball zu.
„Bei uns ist zwar ein Festwirt mit dabei, aber beim Bier bleiben wir ganz nah dran. Die Containerbefüllung beginnt um 5 Uhr morgens, um 7 Uhr ist sie noch voll im Gang. Die Fachkompetenz liegt da ganz klar bei uns – und deshalb auch die Kontrolle“, beschreibt Frank seine Aufgaben.
Täglich verbringen beide Braumeister deshalb schon morgens einige Stunden auf der Wiesn, um genau zu prüfen, ob die Schankanlagen und die Waschanlagen für die Bierkrüge exakt laufen. „Der optische Zustand und die technischen Details, alles muss passen“, beschreibt es Frank. Sein Berufskollege kontrolliert heuer nicht nur im Flötzinger-Zelt die Schänken, sondern auch beim Tatzelwurm und beim Bierbichler. Diese beiden Gastronomiebetriebe auf der Wiesn wechseln jährlich die Brauerei. Diesmal wird hier Flötzinger Wiesn-Märzen getrunken, nächstes Jahr wird wieder Rosenheimer Herbstfestmärzen ausgeschenkt.
Zur Wiesnzeit sind die beiden Brauer aber auch in ihren jeweiligen Betrieben anzutreffen. „Das Tagesgeschäft läuft ja weiter“, spricht Frank für beide, und Amberger fasst zusammen: „Die Wiesn läuft als Zuckerl mit.“
Morgens gegen 7 Uhr erledigen die Braumeister deshalb zunächst im Betrieb ihre Arbeit, dann folgt die Kontrolle der Schänken, und nachmittags stehen sie wieder in ihren Betrieben parat. „Gegen 18 Uhr beginnt dann der Wiesnabend“, beschreibt Frank den Tagesablauf zur Herbstfestzeit. Sie treffen Kunden und Geschäftspartner, Freunde und Kollegen, führen zwanglose Gespräche und pflegen Beziehungen. „Die Wiesn ist unser größter Kundenkontakt“, ergänzt Amberger. „Das muss doch herrlich sein, wenn man von allen Seiten gelobt wird“, fragt die OVB-Redakteurin, um den Brauern das Eigenlob zu sparen, das ihnen so gar nicht über die Lippen will. „Ja, so ein Lob tut immer gut“, nicken die beiden bescheiden.
Sie selbst loben lieber die Wiesn. Das Rosenheimer Herbstfest sei eine super Sache, darin sind sich beide absolut einig. „Wir werden von vielen darum beneidet“, sagt Amberger, und Frank schwärmt: „Die Besucher kommen aus dem ganzen Landkreis und von weiter weg, man trifft sich konzentriert in unserer Stadtmitte, und alle sind gutgelaunt.“
Noch bevor an den Schänken allerdings das letzte Märzen gezapft wird, verlassen beide wieder die Wiesn. Ganz diszipliniert. Am nächsten Tag erfordert die Arbeit wieder ihre volle Konzentration – auf der Wiesn auch am Wochenende.