Lokschuppen-Ausstellung „Pharao – Leben im alten Ägypten“

Pharao – Herrscher und Sohn des Sonnengottes Re

von Redaktion

In der Lokschuppen-Ausstellung „Pharao – Leben im alten Ägypten“ wird der Alltag dieser antiken Kultur präsentiert, die ohne den Pharao nicht denkbar wäre. Deshalb wird im Lokschuppen nicht nur die Bedeutung des Pharao dargestellt, sondern es werden auch die Leistungen von sechs Pharaonen aufgezeigt.

Rosenheim – Der Pharao war der König des Landes und Herrscher „beider Länder“, also von Ober- und Unterägypten. Er stand an der Spitze einer hierarchisch organisierten Gesellschaft. Sein Stellvertreter war der Wesir; später übten zwei Wesire die Funktion aus.

Gleichzeitig wurde der Pharao als oberster Priester verehrt, sein Amt machte ihn den Göttern gleich. Durch seinen Tod stieg er zu den Göttern auf. Schon im Diesseits werden seine Beziehungen zu den Göttern deutlich, denn er gilt als Sohn des Sonnengottes Re und als Sohn des Reichsgottes von Theben, Amun. Er wird als Horus in Falkengestalt oder als falkenköpfiger Gott verehrt.

Seine Macht wird auch an den Regierungsjubiläen deutlich. Das Erreichen einer 30-jährigen Regierungszeit galt als das Ideal. Es wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert und sollte der Erneuerung der Kräfte des Pharao dienen. Auch als oberster Kriegsherr trug er Verantwortung und nahm Einfluss auf die Außenpolitik.

Ethischer Maßstab der Gesellschaft war die „Maat“, die Gerechtigkeit, die von jedem eingefordert wurde. Sie war auch für den Pharao die Richtschnur des Handelns. Durch Rituale vor den Kultbildern in den Tempeln kam er seinen Verpflichtungen gegenüber dem ganzen Land nach. Sichtbare Zeichen seiner Macht waren die Insignien Krummstab und Wedel. Diese trug er gekreuzt vor der Brust. In der Öffentlichkeit wird er stets mit dem Schurz dargestellt. Auch ist er mit dem Königsbart geziert, an der Stirn trägt er die sich aufbäumende Uräusschlange. Zudem ist er mit einem breiten, wertvollen Halskragen geschmückt. Auf dem Kopf trägt er unterschiedliche Formen der Krone: Die weiße Krone als Zeichen für Oberägypten, die rote Krone für Unterägypten oder die Doppelkrone für beide Länder. Weitere Kronen waren die blaue Krone oder verschiedene Formen der Federkronen.

Auf den Tempelreliefs wird der Pharao häufig mit der Keule dargestellt, mit der er die Feinde gleich bündelweise erschlägt. Wir finden ihn auf den Reliefs der großen Pylonwände, die den Zugang zum eigentlichen Tempel bilden und hier, im ersten Hof der Tempelanlagen, noch einem großen Kreis von Besuchern zugänglich waren.

Die Pharaonen entstammten fast immer einer königlichen Dynastie. Das Amt des Herrschers wurde in der Regel vom Vater auf den ältesten Sohn übertragen. In der Zeit von der Staatsentstehung bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. zählen wir 30 Dynastien. Die Geschichte verlief allerdings nicht kontinuierlich. Die drei großen Perioden der ägyptischen Geschichte – das Alte Reich, das Mittlere Reich und das Neue Reich – wurde durch sogenannte Zwischenzeiten unterbrochen, die von Kriegen und Revolutionen gekennzeichnet waren. In der Person des Pharao konzentrierte sich die Macht des Landes, aber auch die der Religion, die für über 3000 Jahre dem Lande Kontinuität gab.

Dr. Christian Tietze ist der Kurator der Pharao-Ausstellung im Lokschuppen.

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