Zwei Tiertragödien in heimischen Ställen

Botulismus: Über 50 Kühe tot

von Redaktion

Gleich zwei tragische Fälle von Botulismus bei Kühen sind jetzt in der Region bekannt geworden. Betroffen sind die Viehbestände von zwei Landwirten in den Gemeinden Flintsbach und Bruckmühl. Über 50 Tiere starben an der Krankheit, die durch verunreinigtes Futter hervorgerufen wird.

Flintsbach/Bruckmühl – „Es ist wirklich brutal für die Betriebe“, zeigt sich Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher erschüttert über den Fall in seiner Gemeinde. Er stelle eine schwierige Situation für die geschädigte Landwirtsfamilie dar, nicht nur wegen der finanziellen Einbußen, die mit dem Tod der Tiere einhergehen. Der betroffene Landwirt wollte sich zu dem Geschehen in seinem Stall nicht äußern.

Das Landratsamt befasst sich nicht mit dem Tod der Tiere. Pressesprecher Michael Fischer sagte, bei Botulismus handle es sich nicht um eine Tierseuche oder eine ansteckende Krankheit. Aus diesem Grund sei ein solcher Vorfall auch nicht meldepflichtig. Nach offiziell nicht bestätigten Recherchen unserer Zeitung sind in dem Stall in Flintsbach 42 Kühe der heimtückischen Krankheit zum Opfer gefallen.

Erschüttert zeigt sich auch Bruckmühls Bürgermeister Richard Richter, wo im Ortsteil Götting ebenfalls ein Viehbestand befallen war. Er spricht von einem erheblichen Schaden und hohen Belastungen für die Familie. „Wir haben darüber kürzlich auch in der CSU-Kreistagsfraktion gesprochen und bedauern die Vorkommnisse sehr“, sagt Richter. In dem Göttinger Stall sollen rund ein Dutzend Tiere ums Leben gekommen sein. Der betroffene Landwirt stand nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Als „tragisch“ bezeichnet Josef Steingraber, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Rosenheim, die beiden Fälle. In den vergangenen Jahren habe Botulismus in Stadt und Landkreis glücklicherweise keine Rolle gespielt. Dass in diesem Jahr gleich zwei Infektionen binnen kurzer Zeit zu verzeichnen seien, sei ungewöhnlich. „Wirklich eine blöde Sache“, so Steingraber.

Den betroffenen Bauern treffe in der Regel keine Schuld. Meist werde eine Botulismus-Erkrankung durch einen Fremdkörper ausgelöst, der in die Futterkette gelangt. „Unter Umständen war das in den konkreten Fällen ein totes Tier“, nennt der Geschäftsführer eine mögliche Ursache für den Ausbruch der Krankheit. „Wenn sich dann beim Verwesungsprozess innerhalb des Futters das Bakterium Clostridium botulinum zu einem tödlichen Nervengift entwickelt, ist es meist schon zu spät. Die Kühe nehmen das Gift auf und erkranken.“

Die Infektion verlaufe zwar immer gleich, der Ausbruch im Stall könne aber zeitverzögert erfolgen. „Manche Kühe erkranken, andere bleiben gesund. Die Symptome machten sich mal schneller, mal langsamer bemerkbar. Die Unsicherheit sei eine große Belastung für betroffene Bauern. Viele Krankheitsverläufe seien noch nicht richtig erforscht, da sie erst seit rund zehn Jahren auftreten und sehr selten sind. Oft müsse ein Tierarzt die Kühe von ihrem Leiden erlösen. Wer bei Botulismus gleich an Auswirkungen von Massentierhaltung denkt, irrt nach Angaben des BBV-Kreisgeschäftsführers. Gerade die betroffenen Betriebe im Landkreis Rosenheim seien Familienbetriebe gewesen.

Vorwürfe gegen die Bauern ob des Tiersterbens seien fehl am Platz. „Sie liefern jeden Tag eine gute Qualität und stellen bestes Futter her“, betont Steingraber. Umso bedauerlicher seien die schweren Schicksalsschläge für die beiden Familien in der Region. Die wenigsten Betriebe seien gegen solche Vorkommnisse versichert.

Das sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung

Bei Verzehr von kontaminiertem Futter kann es zu schweren Vergiftungen kommen. Bisher erkrankten ausschließlich Milchkühe, was jedoch an dem sehr langsamen Krankheitsverlauf liegen kann. Klinische Symptome werden erst nach rund drei Jahren ausgebildet. Diese sind laut Bundesinstitut für Risikobewertung anhaltende Verdauungsstörungen mit abwechselnd Verstopfung und Durchfall, häufigen Labmagenverlagerungen, Pansenverfestigungen, fortschreitender Abmagerung und Festliegen bis zum Verenden. Als weitere Symptome werden genannt: Nichtinfektiöse Klauen- und Gelenkerkrankungen, Koordinationsstörungen bis zum Koordinationsverlust, Lähmungen, Bewusstseinstrübungen mit Verhaltensstörungen und Benommenheit. Auffallend sind ferner eine gespannte, hochgezogene Bauchdecke sowie im fortgeschrittenen Stadium Schluckstörungen und erschwerte Wasseraufnahme. Häufig werden fiebrige Euterentzündungen festgestellt

Manchmal tritt bereits vor diesen Erscheinungen plötzlich der Tod durch Atemstillstand, Entwässerung oder Komplikationen durch das Festliegen ein. Eine Impfung der Rinderbestände kann nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung durchgeführt werden.

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