Kommentar

Beruhigung, keine Garantie

von Redaktion

Die zum 1. Januar in Kraft tretende neue Gebührenordnung ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht von freiberuflich tätigen Hebammen. Sie stellt im Grundsatz auch einen Frontalangriff auf die Geburtshilfe in all jenen Kliniken dar, die mit Beleghebammen arbeiten. Die Auswirkungen sind nicht nur in unserer Region bereits deutlich spürbar. Weil die Geburtshilfe unter den aktuellen Umständen für freiberufliche Hebammen finanziell nicht mehr attraktiv genug ist, kam der Romed-Klinikverbund kürzlich um deren (vorübergehende!?) Schließung am Krankenhaus Bad Aibling nicht umhin. Jetzt drohen in Wasserburg erhebliche Probleme bei der Weiterführung dieses Bereichs. Auch wenn Romed-Geschäftsführer Peter Lenz erst einmal beruhigt, eine zumindest mittelfristige Fortbestandsgarantie unter unveränderten Vorzeichen hat er für die Geburtshilfe in Wasserburg nicht gegeben.

Es wäre allerdings zu einfach, mit dem Finger auf den Klinikverbund zu zeigen. Gefordert ist zunächst einmal die Politik. Nur sie kann die Rahmenbedingungen schaffen, die erforderlich sind, das Sterben der Geburtshilfe an kleineren Krankenhäusern zu verhindern. Wenn sie jedoch im Verbund mit den Krankenkassen den Rückzug aus der wohnortnahen Versorgung präferiert und dieses medizinische Angebot nur noch in Geburtszentren an großen Kliniken zur Verfügung stellen will, dann muss sie dies zumindest offen kommunizieren.

Wegducken, wie dies gerade Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml im konkreten Fall macht, ist jedenfalls unvereinbar mit einem Politikstil, der die Sorgen der Menschen ernst nimmt. Bereits vor Wochen hat ihr der Bad Aiblinger Stadtrat eine Resolution zukommen lassen, in der er den Fortbestand der Geburtshilfe am dortigen Krankenhaus fordert. Bisher hat die Ministerin dazu kein Wort in der Öffentlichkeit verloren.

Zumindest Landrat Wolfgang Berthaler hat versichert, keine dauerhafte Schließung der Abteilung in Bad Aibling zu wollen. Dieses Wort sollte Bestand haben, auch wenn sich in Wasserburg Problemfall Nummer zwei auftut. Für den Romed-Geschäftsführer ist Berthalers Zusage jedenfalls ein klarer Auftrag, mit gleich großem Engagement für zwei Baustellen Sorge zu tragen. Auch dieser Aspekt steht auf dem Prüfstand, wenn er seine Lösungsvorschläge auf den Tisch legt.

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