Rosenheim – Rund 250 Delegierte beraten noch bis zum morgigen Samstag im Kultur- und Kongresszentrum über die weitere Ausrichtung der Arbeit des Verbandes, der rund 90 Prozent der 17400 Realschullehrer im Freistaat vertritt. Als zukunftsorientierte Schulart müssten sich die Realschulen insbesondere den Herausforderungen stellen, die mit dem Digitalisierungsprozess einhergehen und dafür die technischen Rahmenbedingungen schaffen, machte Böhm gestern bei einer Pressekonferenz deutlich. „Digitalisierung ist Realität und muss vermittelt werden.“ Allerdings gebe es in Sachen Infrastruktur teils noch starken Nachholbedarf. Die Finanzierung – ebenso wenig die von Neubauten oder Sanierungen von Schulgebäuden – dürfe aber nicht nur auf die Sachaufwandsträger wie die Kommunen abgewälzt werden. „Bildung wird in den nächsten Jahren viel Geld kosten.“
Das Fach Informationstechnologie stehe zwar bereits ab der fünften Jahrgangsstufe auf dem Stundenplan. Doch müsse Medienkompetenz fächerübergreifend vermittelt werden. „Die Digitalisierung ist kein Allheilmittel“, mahnt Böhm, der zugleich dem Verband deutscher Realschullehrer vorsteht, einen kritischen Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln an. Um aber digitale Strukturen und Medien pädagogisch wertvoll in die Unterrichtskonzepte einbinden zu können, benötige man gut ausgebildete Lehrkräfte mit entsprechenden Freiräumen.
Für die Legislaturperiode 2014 bis 2017 hat Böhm – er kandidiert erneut für den BRLV-Vorsitz – gestern eine richtiggehende Erfolgsbilanz präsentiert. Wichtige Forderungen wie der Ausbau des Einstellungskorridors seien umgesetzt worden. So ist die Zahl der Neueinstellungen von „extrem enttäuschenden“ 76 im Jahr 2015 auf 342 im Jahr 2017 gestiegen. Wobei sich der BRLV fürs Schuljahr 2018/19 eine Zahl über 400 „sehr wünschen“ würde; und auch in den 20er-Jahren würden weitere Lehrer benötigt. Eine weitere Verbesserung, die direkt bei den Schülern ankommt, habe man mit dem pädagogisch sinnvollen Ausbau der integrierten Lehrerreserve vor Ort erreicht.
Für das neue Schuljahr liegt ein Augenmerk des Verbandes auf der weiteren Stärkung des „Qualitätssiegels“ Realschulabschluss, mit dem Absolventen alle Möglichkeiten hätten, alle Ziele zu erreichen. „Es gibt nicht mehr den einen Königsweg zur Bildung“, betont Böhm. Der BRLV werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass die vielfältigen Wege der beruflichen Bildung gestärkt werden. „Wir möchten nicht im Schatten einer anderen Schulart stehen“, unterstrich er leidenschaftlich den Anspruch der breit aufgestellten bayerischen Realschule, die auch mit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium auf stabile Zugangszahlen blicke. Die Verbindung von Theorie und Praxis, klare Konzepte der beruflichen Orientierung sowie die Kooperation mit der Wirtschaft seien dabei nur einige Erfolgsfaktoren. Die durchwegs positive Resonanz der Wirtschaft auf Auszubildende, die von der Realschule kommen, spräche dabei gerade im Hinblick auf das Thema Fachkräftebedarf für sich.
INTERVIEW MIT BÖHM, BAYERN