70. Oberbayerischer Almbauerntag auf dem Samerberg

Dauerthema Wolf und neuer Geschäftsführer

von Redaktion

Beim 70. Almbauerntag auf dem Samerberg betonte der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) erneut, dass es aus seiner Sicht keinen Platz für den Wolf in den heimischen Bergen gibt.

Samerberg – Die größte Sorge bei der Veranstaltung, die der AVO zusammen mit der Bezirksalmbauernschaft Samerberg-Nußdorf im Berggasthof Duftbräu ausrichtete, war der Schutz der Weiden vor dem Wolf. Zweites beherrschendes Thema war eine Personalie: AVO-Geschäftsführer Michael Hinterstoißer gab sein Amt nach 25 Jahren aus Altersgründen an seinen Nachfolger Hans Stöckl aus Inzell ab.

Gleich zu Beginn wurde die Wolfsproblematik als drängendstes Thema angesprochen. „Wie ein roter Faden hat sich der Wolf heuer durch die almbäuerischen Veranstaltungen gezogen. Immer wieder müssen wir festhalten, dass Alm- und Weidewirtschaft mit der Existenz des Wolfes nicht zusammenpassen“, sagte AVO-Vorsitzender Georg Mair.

„In Europa gibt es rund 20000 Wölfe mit steigender Tendenz“, so Mair weiter, „das bedeutet eine massive Bedrängnis, und das braucht weiter eine klare Haltung von uns“.

Auch im Bericht von Kassier Christian Neuner wurde die Wolfs-Sorge angesprochen. 2017 habe man laut Neuner hochgebildete und hochstudierte Leute, doch der normale Sachverstand zum Thema Wolf sei verloren gegangen: „Mein Opa, der selbst Bauer und Landtagsabgeordneter war, könnte nie verstehen, dass der schadenanrichtende und viehschändende Wolf zugelassen wird.“

Jesús Garzón aus Spanien, international erfahrener Experte für das Wildtiermanagement, eigentlich als Referent vorgesehen, war verhindert. Er musste kurzfristig absagen, weil er mit 1300 Schafen in den Bergen unterwegs war und diese nicht allein lassen konnte.

So berichtete Brigitte Regauer als AVO-Wolfsbeauftragte von jüngsten Entwicklungen, unter anderem von der jüngsten Eusalp-Konferenz für die Alpen-Anrainer-Staaten in München, bei der sich 15 bayerische Dachverbände und Organisationen aus Südtirol, Tirol, Salzburg, Vorarlberg und Kärnten trafen. In Niedersachsen fordere die von der SPD geführte Regierung eine wolfsfreie Zone wegen der Schäden, die Wölfe bei Schafherden an Deichen anrichten.

„Bei uns in Bayern gibt es von der Staatsregierung keine einheitliche Stellungnahme“, so die Wolfsbeauftragte. Während Landwirtschaftsminister Helmut Brunner klar für den Schutz des Weideviehs vor den Beutegreifern eintrete, gebe es von Umweltministerin Ulrike Scharf keine konkrete Zusage zum Wolfsverbot. „Die Zusage von ihr, dass alles für den Schutz gezahlt wird, das reicht nicht, wenn der Wolf zugelassen wird“ – so Regauer, die darauf verwies, dass bei der nächsten Internationalen Grünen Woche in Berlin (19. bis 28. Januar) erstmals ein Informationsstand angeboten wird, der von Personal aus den Reihen der Rinder-, Schaf- und Pferdhalter besetzt sein wird.

Auch in der Diskussion mit Vertretern vieler den Bauern zugewandter Behörden und Verbände sei immer wieder darauf gedrängt worden, dass die Staatsregierung auf eine einheitliche Linie kommt und dass über eine EU-Regelung die zunehmenden Wolfsgefahr eingedämmt werde. Regauer: „Wir sind noch weit weg von der wolfsfreien Zone. Almflächen sind nicht so gut einzuzäunen wie Talbetriebsweiden, deshalb müssen wir weiter überzeugen und kämpfen.“ hö

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