800 Männer sollen am Wochenende Speichelprobe abgeben

Massen-Gentest nach Vergewaltigung

von Redaktion

Massen-Gentest nach Vergewaltigung am Mangfalldamm: Rund 800 Männer wurden von der Polizei zur freiwilligen Abgabe einer Speichelprobe aufgefordert. Die DNA-Reihenuntersuchung wird an diesem Wochenende im Bildungszentrum Rosenheim der Handwerkskammer durchgeführt.

Rosenheim – Seit 2005 sind Massen-Gentests im Paragraph 81h der Strafprozessordnung geregelt. Im Bereich Oberbayern Süd fand aber bisher noch keiner statt. Der Grund: Die rechtlichen Hürden sind hoch und Erfolgsaussichten nur gegeben, wenn der Täter seine DNA zweifelsfrei am Tatort oder dem Opfer hinterlassen hat.

Beim Verbrechen, das sich am Sonntag, 23. Juli, zwischen 3 und 4 Uhr morgens in einem Waldstück an der Kunstmühlstraße ereignete, ist das der Fall: Eine 21-Jährige wurde auf dem Heimweg aus der Innenstadt überfallen und brutal vergewaltigt (wir berichteten). Die Rechtsmediziner stellten die DNA des Mannes sicher, ein Abgleich mit der Datenbank brachte keinen Treffer. Darum setzt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd jetzt auf die DNA-Reihenuntersuchung.

„Es ist schon etwas unheimlich. Ich fühle mich jetzt plötzlich mittendrin im Kreis der Verdächtigen“, erzählt ein Rosenheimer (50), der zu den 800 Männern gehört, die sich freiwillig dem Test unterziehen sollen. An die Nacht vom 22. auf 23. Juli kann sich der 50-Jährige noch bestens erinnern: „Ich war zusammen mit meiner Frau und einigen befreundeten Paaren beim ZZ-Top-Konzert im Mangfallpark.“ Zur genannten Tatzeit sei er aber schon längst wieder mit seiner Frau daheim gewesen. „Ich habe also ein wasserdichtes Alibi. Außerdem passe ich überhaupt nicht ins Täterprofil“, meint der Rosenheimer.

Er kann deshalb nicht verstehen, warum die „Wahl“ auf ihn fiel. Trotzdem will er seine Speichelprobe abgeben: „Wenn ich damit helfen kann, dieses schlimme Verbrechen aufzuklären, mache ich natürlich mit.“ Angst habe er nur davor, dass nun seine DNA für alle Zeit bei der Polizei gespeichert bleibt.

Dieses Bedenken zerstreute Polizeisprecher Jürgen Thalmeier gestern bei einer Pressekonferenz schnell. Alle negativen Proben und die daraus gewonnenen Daten würden nach dem Abgleich mit der Tatortspur unverzüglich vernichtet werden. „Auch ein Vergleich mit bereits vorhandenen Mustern in der DNA-Datenbank ist rechtlich nicht zulässig“, sagte er. Außerdem erklärte Thalmeier, warum viele der geladenen Personen, die man mittels Handy-Ortung ermittelt habe, auf den ersten Blick nicht ins Täterprofil passen: „Es war Nacht. Es regnete. Die Frau wurde ins Gebüsch gezerrt. Da kann die Beschreibung nur oberflächlich sein.“

Das Prozedere einer Speichelprobe ist einfach: Mund auf, zwei Stäbchen rein, eines links eines rechts, damit man ähnlich wie bei einer Dopingkontrolle eine A- und B-Probe bekommt, um jegliche Fehlerquelle auszuschließen. Der Speichel wird in einem Ethanolbad haltbar gemacht. Das kleine Fläschchen wird in einen Plastikbeutel gepackt und wandert mit einer Kenn-Nummer versehen in ein Briefkuvert. Der Vorgang dauert nur zwei bis drei Minuten. Wer den Test verweigert, wird von der Polizei genauer unter die Lupe genommen. „Natürlich macht sich dadurch nicht jeder gleich verdächtig. Es gibt ja auch viele banale Gründe, die eine Teilnahme verhindern“, weiß Diana Utsch, Leiterin der Ermittlungsgruppe „Mangfalldamm“.

Bis zu 100 Euro kostet eine DNA-Probe. Rund 60 Polizeimitarbeiter werden für den Massen-Gentest eingesetzt. Es ist ein hoher finanzieller und personeller Aufwand, der sich nach Meinung von Thalmeier aber lohnt: „Es handelt sich um ein Kapitalverbrechen.“

Diana Utsch ist zuversichtlich, dem Täter tatsächlich mittels Massen-Gentest auf die Spur zu kommen „Wir sehen einen klaren Vorteil für unsere Ermittlungsarbeit, ansonsten würden wir ihn nicht machen“, erklärte sie.

Eines habe man mit der Reihenuntersuchung sowieso schon erreicht, meint Thalmeier: „Wir bringen diesen Fall wieder ins Gespräch. Vielleicht finden sich jetzt Zeugen, die sich bisher noch nicht angesprochen fühlten.“

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