Koordinationsstelle Suchtprävention feiert zehnjähriges Bestehen

Auch in Nachtclubs gerne gesehen

von Redaktion

Vor zehn Jahren wurde die Suchtprävention des Diakonischen Werkes in der Kufsteiner Straße in Rosenheim gegründet. Gefeiert wurde mit den zahlreichen Kooperationspartnern aus Stadt und Landkreis Rosenheim. Gemeinsam blickten sie auf die Erfolge des vergangenen Jahrzehnts zurück.

Rosenheim – „Koordinationsstelle Suchtprävention und Gesundheitsförderung in der Fachambulanz für Suchterkrankungen des Diakonischen Werkes“ lautet der vollständige Name der Einrichtung, die nicht erst eingreift, wenn es bereits „brennt“. – „Sie will nicht Feuerwehr sein“, stellte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihrem Grußwort fest. Stattdessen setze die Präventionsstelle auf frühzeitige Aufklärung und Beratung, damit es erst gar nicht zu einer Suchterkrankung kommt.

86 Schulen haben die Mitarbeiter der Koordinationsstelle im Schuljahr 2016/ 2017 besucht und damit rund 2700 Schüler erreicht. Hinzu kommen zahlreiche Workshops und Beratungsangebote für Eltern, Lehrer und Jugendsozialarbeiter. Selbst beim Herbstfest, Christkindlmarkt und seit dem vergangenen Jahr auch im Rosenheimer Fasching kommen ehrenamtliche Helfer der Suchtprävention mit jungen Leuten ins Gespräch. Außerdem sind sie in vielen Nachtclubs und auf Festivals regelmäßig mit Informationsständen vor Ort. „Dort mussten wir am Anfang viel Überzeugungsarbeit leisten. Doch jetzt sind wir auch von diesen Betreibern gerne gesehen“, erzählte Präventionskraft Monika Schindler.

Das Angebot an den Schulen richtet sich derzeit an die 5. bis 11. Klassen. Monika Schindler würde gerne auch die Grundschulen besuchen: „Auch dort ist Sucht schon ein Thema. Da muss man nur an Facebook und Instagram denken.“ Überhaupt haben die Mitarbeiter der Suchtprävention für die Zukunft noch viele neue Ideen. Finanziell sind aber derzeit Grenzen gesetzt. Das stellte auch Geschäftsbereichsleiter Klaus Voss in seiner Rede fest. „Wir bewegen uns an der Grenze unserer Kapazität“, sagte er und wünschte sich für die Zukunft auch eine personelle Aufstockung.

Lob für die Arbeit der Koordinationsstelle gab es bei der Feierstunde von Dr. Georg Walzel, Referatsleiter im Bayerischen Gesundheitsministerium. Das Thema „Sucht“ sei mit immer neuen Herausforderungen verbunden. Die Mitarbeiter der Präventionsstelle müssten im Rahmen ihrer Tätigkeit neue Trends erkennen, im besten Fall schon weit im Vorfeld.

Walzel plädiert für ein gesellschaftliches Umdenken beim Thema „Substitution“ – eine in Deutschland anerkannte Behandlungsmethode von Suchterkrankten, die mittels Ersatzstoffen, beispielsweise Methadon, einen Ausstieg aus ihrer Drogenabhängigkeit finden sollen. Bisher sei es aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen schwierig gewesen, Ärzte dafür zu gewinnen. Die Überarbeitung der Betäubungsmittel-Verschreibungsordnung (BtMVV) habe jetzt aber mehr Rechtssicherheit gebracht. Walzel sieht darin einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. „Substitution ist sehr nützlich“, betonte er. Nachweislich würde sich dadurch auch die Zahl der Straftaten Drogenabhängiger deutlich verringern.

Die Arbeit der Koordinationsstelle baut vor allem auf Kooperation und Vernetzung. Zusammengearbeitet wird mit zahlreichen Ämtern, Behörden, Kliniken und der Polizei. Sie alle sandten Vertreter zu der Feier in ihren Räumen. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem Fachvortrag von Elena Gomes de Matos vom Institut für Therapieforschung in München.

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