BEG-Qualitätsdokumentation

Regionalzüge fahren nach oben

von Redaktion

Die Nahverkehrszüge in der Region folgen dem landesweiten Trend. Meridian, Südostbayernbahn und Co. waren im vergangenen Jahr pünktlicher unterwegs als zuvor. Doch es gibt auch noch Luft nach oben. Das geht aus der neuen Qualitätsdokumentation der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) hervor.

Rosenheim – Landesweit hat die Qualität im bayerischen Schienenverkehr nach Angaben der BEG im Jahr 2016 insgesamt eine erfreuliche Entwicklung genommen. Die Züge waren nicht nur pünktlicher unterwegs, sondern auch sauberer und funktionierten einwandfreier. „Die Ergebnisse des Qualitätsrankings haben ihren höchsten Stand seit der Inbetriebnahme des Messsystems im Jahr 2008 erreicht“, so die beiden BEG-Geschäftsführer Dr. Johann Niggl und Thomas Prechtl.

So verbesserte sich der Meridian der Bayerischen Oberlandbahn GmbH (BOB), der auf den Achsen München-Salzburg, München-Kufstein und Holzkirchen-Rosenheim fährt, um zwei Plätze. Er landete beim Jahres-Qualitätsranking mit 18,9 Bonuspunkten auf Rang zwölf. Das Stammnetz der BOB zwischen der Landeshauptstadt und dem Miesbacher Oberland musste dagegen einen Platz abgeben (von 17 auf 18), verzeichnete aber immer noch 9,8 Pluspunkte. Die Südostbayernbahn (SOB), welche unter anderem die Strecken Rosenheim-Mühldorf, Wasserburg-München, Prien-Aschau und einige Verbindungen rund um Traunstein bedient, machte ebenfalls zwei Positionen gut: Von Platz zwölf ging es mit 29,2 Bonuspunkten – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr – rauf auf Platz zehn.

Trotz der positiven Entwicklung gibt es nach Auskunft der Aufsichtsbehörde aber weiteren Verbesserungsbedarf. Ein besonderer Fokus der BEG liegt deshalb auf der Optimierung der Anschlusssicherung sowie auf einer verbesserten Planung und Durchführung von Baustellen. Erste Schritte dazu wurden bereits umgesetzt, wie die Abwicklung der Maßnahme der Deutschen Bahn (DB) zwischen Rosenheim und Übersee gegen Ende zeigte (wir berichteten).

Die Ergebnisse im Detail zeigen, dass die bayernweite Jahrespünktlichkeit etwas über 93 Prozent erreichte. Der Meridian lag mit 90 Prozent ebenso leicht unter diesem landesweiten Durchschnitt wie das Stammnetz der BOB zwischen München, Bayrischzell, Tegernsee und Lenggries (rund 92 Prozent). Nur die Südostbayernbahn (SOB) erreichte mit etwas mehr als 96 Prozent einen überdurchschnittlichen Wert.

Hinzugefügt werden muss aber, dass der Betrieb des Meridian zu Jahresbeginn durch das tragische Zugunglück bei Bad Aibling überschattet wurde. Nach dem Zusammenstoß war die Strecke tagelang gesperrt. Im Frühjahr und Sommer war der Verkehr erneut durch massive Auswirkungen von Bauarbeiten zwischen München und Rosenheim betroffen. Daneben hatten laut BEG auch Störungen der Leit- und Sicherungstechnik sowie Defekte an Bahnübergängen negative Folgen. Nur die Anzahl der fahrzeugbedingten Verspätungsminuten hat sich deutlich reduziert.

„Die Jahrespünktlichkeit beim Meridian mit 90 Prozent war auch für uns unbefriedigend“, macht BOB-Sprecher Christopher Raabe keinen Hehl aus dem Wert. Gründe seien zu einem großen Teil die Verspätungen während der langen Bauphasen gewesen. „Im September dieses Jahres liegen wir mit einer Pünktlichkeit von 93,5 Prozent sehr gut und möchten den durchschnittlichen Pünktlichkeitswert gegenüber dem Vorjahr steigern“, macht er Hoffnungen, dass sich die Zahlen weiter verbessern. Positive Nachrichten gibt es beim Meridian immerhin, was die Quote der ausgefallenen Züge betrifft. Mit rund 1,5 Prozent war sie nur halb so hoch wie der Landesdurchschnitt.

Die BOB, deren Wert mit rund 92 Prozent auch unterhalb des Durchschnitts lag, wurde von einer Langsamfahrstelle im Herbst ausgebremst.

Besonders groß ist die Freude bei der SOB mit Sitz in Mühldorf. „Im letzten Jahr konnten wir unsere Pünktlichkeit auf über 96 Prozent steigern“, freut sich Geschäftsführer Christoph Kraller. Schon in den Vorjahren habe sich die Betriebsqualität auf einem sehr guten Niveau bewegt. „Dennoch analysieren wir aufkommende Probleme kontinuierlich und drehen auch an kleinen Stellschrauben, die zu spürbaren Verbesserungen führen“, ergänzt er.

SOB mit den

meisten Ausfällen

Beim Thema Pünktlichkeit spiele auch der Umbau des Ost- und Westkopfes vom Bahnhof Mühldorf eine Rolle. Dadurch können die Züge künftig mit höherer Geschwindigkeit ein- und ausfahren. „Zudem begünstigt unsere neue Lok der Baureihe 245 durch die schnelle Beschleunigung die Einhaltung des Fahrplans, und die Zusammenarbeit mit unseren Fahrdienstleitern ist ebenfalls vorbildlich“, so Kraller. Die Quote der ausgefallenen Züge war bei der SOB zwar mit 2,5 Prozent am höchsten in der Region, lag aber immer noch unter dem bayernweiten Mittelmaß. „Wie man erkennen kann, arbeiten wir beständig an der Verbesserung unserer Betriebsqualität und freuen uns deshalb sehr, dass die Maßnahmen zu dem gewünschten Erfolg führen“, so der SOB-Chef. Ein genauer Blick auf die Ergebnisse der Sollzeit-Messungen zeigt zudem, dass es große regionale Unterschiede gibt. Während die Pünktlichkeit an den Messstellen in Rosenheim, dem zentralen Eisenbahnknoten, und in Bayrischzell im benachbarten Landkreis Miesbach mehr als ein Prozent unter dem Durchschnitt lag, gehören Zorneding (Kreis Ebersberg) an der Hauptstrecke nach München, der Bahnhof Wasserburg und der Berchtesgadener Hauptbahnhof zu den Spitzenreitern. Hier waren die Züge größtenteils wie im Fahrplan vorgesehen unterwegs. Die Werte in Prien, Traunstein, Freilassing und Schliersee lagen etwa im bayerischen Mittelmaß.

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