Rosenheim – Erstes Ziel einer Informationsfahrt zu ausgewählten Biber-Schauplätzen im Landkreis Rosenheim war die Samerberger Filze. Auf Biber-Tour gingen unter anderem Landrat Wolfgang Berthaler und seine Fachleute der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts, Biberbeauftragter Markus Sichler und Georg Vogl, Sachgebietsleiter Naturschutz.
In der Samerberger Filze hat sich ein Biber in der Ache, die in Richtung Nußdorf zum Steinbach führt, den größten Bau in der Region mit weit über zehn Metern eingerichtet. Bürgermeister Georg Huber bestätigte, dass dort mit einer Absenkung des Wasserspiegels bereits Maßnahmen getroffen wurden, um die Schäden in Grenzen zu halten.
Am „Tatort“ erklärten Sichler und Vogl, dass man den Biber dort, wo keine größeren Schäden entstehen, „werkeln“ lassen wolle. In der Samerberger Filze sei dies in Absprache mit dem Waldbesitzer deshalb kein größeres Problem.
Dort sei es nicht sinnvoll, den Bau des Bibers zu entfernen. In diesem Fall suche er sich einen anderen Platz. Es gebe kein Allheilmittel, einerseits dem Artenschutz gerecht zu werden und zugleich die Population gering zu halten.
Der Biber-Nachwuchs muss im zweiten Jahr den Bau verlassen und einen eigenen Bau suchen. Die Hierarchie unter Bibern werde „brutal“ umgesetzt. Sie verteidigen ihren Bau bis zum blutigen Ende, so die Experten. Sichler vermutet, dass die Nager im Laufe der Zeit aus dem Mühltal über den Steinbach zugewandert sind.
Die Fahrt ging weiter zu den Hochstraßer Seen. Neben dem Betonwerk haben sich eine oder zwei Biberfamilien angesiedelt. Nach Angaben des zuständigen Försters Andreas Treidl haben sich die Schäden im Laufe der Jahre auf mehrere Zehntausend Euro summiert. Am See befindet sich wertvoller Baumbestand, ebenso junges Laubholz, das mit Maschendraht eingezäunt ist. Mächtige Bäume, darunter Eichen, sind angesichts bereits bestehender erheblicher Schäden auf Veranlassung des Landratsamtes die Bäume mit Metallgittern versehen worden.
Als kritisch bewertete in Raubling Bürgermeister Olaf Kalsperger eine Stelle an einem Bach in Reischenhart. Dort droht durch den Einfluss des Bibers ein Damm unterspült zu werden.
Wenn es nicht anders geht müsse man an die Tötung des Tieres denken. 2016 wurden 31 Tiere getötet und im laufenden Jahr sieben. Bayernweit werden laut Sichler derzeit legal rund 1500 Biber gefangen und getötet. Im Landkreis Rosenheim sind 2016 zudem 25 Biber auf den Straßen überfahren worden.
Sichler und Vogl betonten dabei übereinstimmend, dass man das Ziel verfolge, die Artenvielfalt, Lebensraumvielfalt und Erholungsqualität in der heimischen Landschaft zu erhalten, weiterzuentwickeln oder wiederherzustellen. Teil davon sei auch der Biber. jre/ls