Bruckmühl – Praktisch finden viele Gartenbesitzer die leisen Mähroboter, die ungeachtet ihre Bahnen über das Grün ziehen und dabei den Rasen zurechttrimmen. Für Tiere sind sie jedoch oftmals ein Todesurteil – vor allem für Igel. Aber auch Bienen sind betroffen – der kurze Rasenschnitt nimmt ihnen den Raum zum Leben.
Michael Zapf ist zusammen mit seiner Frau Sabine verantwortlich für die Bruckmühler Igelstation: 20 Ehrenamtliche des Bruckmühler Tierschutzvereins kümmern sich hier um die stacheligen Gartenbewohner, die aus ganz unterschiedlichen Gründen den Weg nach Bruckmühl gefunden haben.
„Im Winter verpflegen wir 100 bis 150 Tiere, die einfach zu klein sind, um den Winter in der freien Natur zu überleben“, so Zapf. Im Sommer – und das ist die traurige Bilanz – „bringen Leute rund fünf bis zehn Tiere vorbei, die teils schwere Schnittverletzungen haben“. Schuld daran: Mähroboter und Rasentrimmer. „Das ist kein schöner Anblick“, wird der Igelstations-Verantwortliche nur ungern daran erinnert. Er empfiehlt: „Lieber herkömmliche Rasenmäher verwenden und die Wiese vorher abtreten. Das ist besser, als wenn der Roboter 24 Stunden unbeobachtet über die Wiese fährt.“
Veronika Selig-Hohler unterhält in Schliersee eine privatfinanzierte Igelstation. In einem Brief wendet sie sich an die OVB-Heimatzeitungen. Auch ihr Appell: „Lieber sollten Gartenbesitzer auf Artenreichtum setzen und auf die elektrischen Helfer verzichten.“ Sie schildert ebenfalls unschöne Szenen: „Leider laufen die Igel oft nicht davon, wenn ein Mähroboter auf sie zukommt, sondern gemäß ihrer Natur rollen sie sich ein. Das wird ihnen dann erst recht zum Verhängnis. Der Kopf ist geschützt, aber gerade der Rücken ist den Messern des Mähers schutzlos ausgesetzt.“ Gerade vor zusammengerollten Baby-Igeln mache der Roboter keinen Halt – da helfe auch der Sensor im Gerät nichts, der eigentlich bei einem Hindernis stoppen und umdrehen solle.
Auf Nachfrage beim Obi-Markt im Aicherpark heißt es, dass die Mähroboter seit zwei Jahren immer wieder gefragt seien. Viele Kunden würden es schätzen, ihre Zeit nicht mehr für das Rasenmähen opfern zu müssen. Zum Thema Tierschutz habe sich bisher noch niemand beim Kauf erkundigt.
Irene Stäbler ist Tierärztin. Sie kritisiert die Mähroboter vor allem, weil sie alles abmähen, was auf der Wiese blüht. „Das ist schlecht für alle blütensuchenden Insekten.“ Ihre Empfehlung: nur alle sechs Wochen Rasen zu mähen und den Insekten nicht alle Blüten zu nehmen. „Auch ist es gut, abends oder morgens zu mähen, wenn noch nicht so viele Insekten unterwegs sind.“