Sozialbestattungen

Die Menschen werden älter – und sterben einsamer

von Redaktion

Der demografische Wandel hinterlässt seine Spuren: Die Leute werden immer älter. Die Kehrseite: auch immer einsamer. So ist nicht überall, aber in vielen Gemeinden, ein Trend spürbar: Die Sozialbestattungen nehmen zu.

Prien/Kiefersfelden/Rosenheim/Bad Aibling – Vor allem eins ist eine Sozialbestattung: schlicht. Kein Blumenschmuck, keine Angehörigen, wenn gewünscht ein Pfarrer, vielleicht noch ein paar übrig gebliebene Freunde als Trauergäste. Das war es. Wenn die Gemeinde keine Angehörigen des Verstorbenen ausfindig machen kann, dann kommt sie für die Bestattung auf. Und die ist nicht pompös, sondern vor allem eins: kostengünstig. Schließlich geht es dabei um Steuergelder.

Die Stadt Rosenheim bearbeitete in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr durchschnittlich 43 Fälle der sogenannten Sozialbestattungen. „Tatsächlich beerdigt wurden davon jedoch nur ein knappes Drittel – um die 15 Personen. Die anderen überführte die Kommune in ihre jeweiligen Heimatgemeinden“, teilt die Stadt auf Anfrage mit.

In Rosenheim ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung erkennbar: Gab es im Jahr 2016 insgesamt 39 Fälle, sind es heuer bisher bereits 49. Auch Prien, Kiefersfelden und Wasserburg berichten von einer Zunahme. Die Zahlen sind unterschiedlich: Prien spricht von sieben bis zehn Sozialbestattungen pro Jahr, Wasserburg von 20 bis 30, Kiefersfelden von zehn bis 20.

In Aibling – und da ist die Kommune eine Ausnahme – ist dieser steigende Trend nicht spürbar, wie Edith Wendlinger, Leiterin der Friedhofsverwaltung, berichtet. Drei Fälle gab es 2016, 2017 ist es bislang die gleiche Anzahl. Hinzu kamen 2016 zwei und 2017 bisher ein Fall, in denen jemand zwar in Aibling verstarb, dann aber an seine Heimatgemeinde überführt wurde.

Sammelgrabstätte

mit Namensnennung

Die Möglichkeit zur Teilnahme an der ökumenischen Trauerfeier in der Aussegnungshalle, ein Trauerzug zum Grab und eine Sammelgrabstätte mit einer Namensnennung auf einer Tafel gehören bei einer Sozialbestattung in Rosenheim dazu. Die individuelle Grabgestaltung dagegen nicht. Welche Leistungen eine Sozialbestattung – in Bad Aibling nennt man sie Sicherheitsbestattung – beinhaltet, ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich. In Wasserburg etwa sind Erdbestattungen üblich. Dazu gehören ein Grabstein mit Namensnennung und Todesanzeige in der Zeitung. In Kiefersfelden dagegen greift man eher auf eine Feuerbestattung zurück. Nach dem Namen des Verstorbenen wird man am Urnengrab vergeblich suchen. Die Kosten einer Sozialbestattung belaufen sich auf bis zu 2200 Euro. Darin sind verschiedene Faktoren enthalten: die Kosten für den Bestatter, für die Arztbescheinigung und die für die Ruhefrist, die je nach Friedhof variiert. „Bei einem Sterbefall stellen wir eine Voranfrage beim Amtsgericht zu der finanziellen Situation des Verstorbenen“, erklärt Edith Wendlinger das Prozedere in Bad Aibling. Manchmal erhalte die Gemeinde dadurch am Ende Geld für die Beerdigung zurück.

Eins ist Wendlinger bei der Organisation einer Sicherheitsbestattung wichtig: „Es geht um den Menschen“ – und nicht um seine finanzielle Situation. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, dem Verstorbenen seinen letzten Wunsch zu erfüllen und ihm eine würdige Beerdigung zu ermöglichen.“

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