Millioneninvestition kommt auf Gemeinde und Alpenverein zu

Seilbahn in der Klemme

von Redaktion

Der TÜV fordert die Ertüchtigung der Hochriesbahn. Auf die Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins (DAV) und die Gemeinde Samerberg als Eigentümer kommt eine Investition von rund 1,5 Millionen Euro zu. Wenn nichts geschieht, droht der Lizenzentzug für den Weiterbetrieb.

Rosenheim/Samerberg – Die wenig erfreuliche Botschaft kam bei der Jahreshauptversammlung der Sektion auf den Tisch. Auch mit dem DAV-Dachverband legt sich der Verein an. Die Rosenheimer fordern finanzielle Unterstützung für die Sanierung der Hochrieshütte. Auch andere Sektionen würden schließlich Zuschüsse bekommen, wird argumentiert. Bis zu 80 Prozent reicht die Förderung.

Was die beiden Punkte betrifft, redeten Vorsitzender Franz Knarr und Schatzmeister Dieter Vögele bei der Jahreshauptversammlung Klartext. Mit Erfolg. Der Vorstand bekam die volle Rückendeckung der Mitglieder für das weitere Vorgehen.

Weder die DAV-Sektion Rosenheim noch die Gemeinde Samerberg können als Besitzer der Hochries- Bergbahn GmbH die notwendigen Investitionen stemmen. Die Gemeinde hält 65 Prozent der Geschäftsanteile, der Alpenverein 35 Prozent. Beide betonen, dass sie nicht bereit sind, „das Tafelsilber für die Finanzierung zu verscherbeln“. Das sei dann nämlich der Anfang vom Ende, glaubt Andreas Müllinger, Geschäftsführer der Hochries-Bergbahn GmbH. Auch Dieter Vögele vom Alpenverein macht deutlich, dass die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen für die in die Jahre gekommene Bergbahn – sie fährt seit 1973 – nur aus dem Unternehmen selbst zu stemmen ist. Keinesfalls dürften Steuergelder der Gemeinde dazu herangezogen werden. „Wir müssen als Wirtschaftsunternehmen denken und handeln. Die GmbH muss aus eigener Kraft wirtschaften“, bekräftigen Vögele und Müllinger. Beide wollen die Herausforderung meistern.

Man sei mit dem TÜV in intensiven Gesprächen. Sollte nichts getan werden, gibt es keine Lizenz zum Weiterbetrieb. Vor allem die Sanierung der Steuerungstechnik der Seilbahn steht ganz oben auf der Liste der Maßnahmen. „Das hat oberste Priorität. Natürlich müssen wir alles tun, um die Sicherheit nicht zu gefährden. Das ist ja klar“, so Vögele und Müllinger.

Es würden sich kurz- und mittelfristige Lösungen abzeichnen, verlautbaren die beiden vorsichtig optimistisch. Die Prioritätenliste, nach der die anstehenden Maßnahmen abgearbeitet werden, werde mit den Verantwortlichen vom TÜV abgesprochen. Die Erledigung der Auflagen werde zeitlich gestreckt. „Dann könnten wir eins ums andere abarbeiten, und das ist dann auch finanzierbar“, erklären Vögele und Müllinger. Voraussetzung sei allerdings, dass der Samerberger Gemeinderat diesen Weg mitgeht, schränkt Müllinger ein, der auch Geschäftsführer der Gemeinde Samerberg ist. Das Thema soll demnächst auf der Tagesordnung des Gemeinderats landen.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer zeichnet sich durch die mögliche finanzielle Unterstützung der Regierung von Oberbayern ab. „Es gibt ein Förderprogramm für Seil- und Bergbahnen, allerdings muss ein Winterbetrieb nachgewiesen werden“, sagt der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. Problem: Die Hochriesbahn ist eigentlich eine Sommerbahn. „Doch sie fährt doch auch im Winter. Schließlich muss das Hochrieshaus versorgt werden, oder?“, so der Abgeordnete.

Ringen um Zuschüsse

Seit einiger Zeit liegt der Rosenheimer Alpenverein im Clinch mit seinem Dachverband. Die Rosenheimer wollen gleich behandelt werden, sagen sie. Denn andere Sektionen würden bei der Renovierung ihrer Hütten großzügig unterstützt. Nicht aber die Sektion Rosenheim, weil eine Seilbahn zur Hochrieshütte führt. Das sei ein Ko-Kriterium, so der Dachverband. Und somit landet die Hochrieshütte in der Kategorie 2 - wie etwa das Zugspitzhaus. Das könne nicht sein, meinen die Rosenheimer. Denn die Riesenhütte, in Blickweite zum Hochrieshaus, bequem in 20 Minuten mit der Seilbahn oder mit dem Auto auf einer breiten Forststraße erreichbar, soll eine 80-prozentige Förderung erhalten. Sie ist in der förderungswürdigen Kategorie 1. „Beim Dachverband sollte ein Umdenken stattfinden. Auch beim Bergsport hat sich vieles geändert, und auch bei den Hütten. Ich denke, es ist Zeit, frischen Wind zuzulassen“, meint Dieter Vögele. Slack-Linen gehöre zum Bergsport, aber auch Massenlager seien nicht mehr der letzte Schrei, argumentiert er. Warum eine Seilbahn, die ältere, nicht mehr so fitte Bergsenioren auf den Rosenheimer Hausberg bringt, das Aus für die Förderung der Hütte oben am Gipfel bringen soll, kann er nicht verstehen. Deshalb stehe dem Hochrieshaus auch eine finanzielle Unterstützung zu.ske

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