Rosenheim – Peter Aicher aus Halfing ist nicht nur Mitglied der Fraktion der Freien Wähler im Kreistag, er ist zudem Präsident des bayerischen Zimmererhandwerks. Auch in dieser Funktion trat er mit einem Antrag an seine Kollegen heran, künftig solche Pflichtveranstaltungen im Abstand von zwei Jahren durchzuführen. Diese Praxis sollte nach Aichers Vorstellungen zunächst für eine Dauer von zehn Jahren beibehalten werden. Zielgruppen sollten die Schüler und ihre Eltern sein. Auch weitere Details wollte der Frontmann der bayerischen Zimmerer festgeschrieben wissen. Aicher trat für die Einbindung der Handwerkskammer von München und Oberbayern ein und forderte darüber hinaus, dass eine solche Veranstaltung mindestens 75 Minuten dauern soll. 30 Minuten davon sollten für den Vertreter der Handwerkskammer reserviert sein.
Bei der Debatte im Gremium kristallisierte sich schnell eine Meinungsbildung heraus, die sich mit den Ansichten der geladenen Fachleute deckte (siehe Kasten). SPD-Fraktionssprecherin Alexandra Burgmaier brachte es auf einen kurzen Nenner. „Wir sind nicht der richtige Ansprechpartner für diesen Antrag und die Kinder nicht die richtige Adresse für eine solche Veranstaltung.“ Sie konnte sich vorstellen, dass die Schulen auf freiwilliger Basis ein geeignetes Angebot für Schüler und Eltern unterbreiten. Da ging sie mit Matthias Vieweger (CSU), selbst Berufsschullehrer, konform. Für ihn geht Aichers Vorstoß „am Thema vorbei“. Er untermauerte diese These unter anderem mit dem Hinweis, dass laut Aicher bei solchen Veranstaltungen auch über „Nachteile des Berufspendelns“ und „Zeitarbeitsverträge für Akademiker“ gesprochen werden sollte. Solche Themen interessierten Kinder in diesem Alter nicht, ist Vieweger überzeugt. Hans Loy (CSU) formulierte es noch drastischer. „Selbst Zimmerer haben mir gesagt, da ist der Peter Aicher über das Ziel hinausgeschossen.“
Landrat Wolfgang Berthaler (CSU) teilte zwar die ablehnende Haltung, hält Informationen über die Mögichkeiten in Handwerksberufen allerdings für sehr wichtig – auch wegen des sich abzeichnenden Fachkräftemangels. Er schlug einen Runden Tisch vor, an dem Vertreter von Schulamt, Berufsschulen, Kreishandwerkerschaft und Industrie- und Handelskammer sich gemeinsam Gedanken darüber machen, wie man an Schulen noch besser Werbung für das Handwerk machen kann. Eine Anregung, die im Kreisausschuss ebenso einhellige Zustimmung fand wie die Ablehnung des Antrags, den Aicher gestellt hatte.