Mühldorf/Rosenheim – Im Landkreis Mühldorf betreuen die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen des Anna Hospizvereins Schwerkranke, Schmerzpatienten und Sterbende – egal ob im Krankenhaus, Altenheim oder zu Hause. Was nach umfassender Hilfe aussieht, weist eine Lücke auf: Eine stationäre Einrichtung, in die sich Menschen zurückziehen können, gibt es nicht.
Wer nicht zu Hause sterben kann oder nicht in ein Pflegeheim gehen möchte, muss den Landkreis Mühldorf verlassen, nach München gehen, Vilsbiburg oder Niederalteich. Vor allem für Angehörige und Freunde sind damit weite Wege verbunden.
Deshalb soll auch der Landkreis Mühldorf endlich ein stationäres Hospiz bekommen. Einmal mehr hat sich der Anna Hospizverein der Einrichtung angenommen und treibt sie mit großem Engagement voran.
Geschäftsführer Josef Hell sagt: „Es besteht eine Versorgungslücke, die durch Pflegeheime nicht gedeckt werden kann. Dies zeigt sich vor allem bei jüngeren Patienten, die nicht mehr in ihrem häuslichen Umfeld versorgt werden können und sich in einem Pflegeheim nicht am richtigen Platz fühlen.“
Mit der „Hospizinsel“ will der Anna Hospizverein genau diese Lücke schließen. Sie soll – angegliedert ans Adalbert-Stifter-Heim – in Waldkraiburg entstehen; allerdings nicht in dem Pflegeheim selbst, sondern im betreuten Wohnen. Vier Hospizbetten sollen dort künftig zur Verfügung stehen, in denen Schwerkranke von Pflegerinnen und Hospizmitarbeiterinnen betreut werden.
Der Anna Hospizverein hat auch in diesem Bereich bereits Erfahrung gesammelt. Beim Vorhaben „Zib“ (die Abkürzung steht für zeitintensive Betreuung), das 2015 und 2016 lief, hatte der Hospizverein Palliativfachfrauen eingestellt, die bereits in einem Heim oder eine Pflegeeinrichtung arbeiteten. Durch die zusätzlichen Stunden konnten sie sich intensiv um Sterbende und ihre Angehörigen kümmern.
Im vergangenen Jahr erhielt der Anna Hospizverein dafür den Anerkennungs- und Förderpreis für ambulante Palliativversorgung der deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.
Die Hospizinsel soll diese Arbeit institutionalisiert fortsetzen. Hell und Erika Koch, die das Hospizteam leitet, gehen von Kosten von 200000 Euro aus, um die „Hospizinsel“ drei Jahre lang betreiben zu können. „Je mehr Geld die Spendenaktion einbringt, desto länger können wir die Einrichtung erhalten“, sagt Koch.
Koch und Hell ist um die Zukunft der „Hospizinsel“ nicht bange, wenn sie ihre Arbeit mithilfe der Leserinnen und Leser der OVB-Heimatzeitungen erst einmal aufgenommen hat. Zum einen kann der Verein Geld zur Verfügung stellen, zum anderen geht Hell davon aus, dass Palliativbetreuung in den nächsten fünf Jahren in den Katalog der Pflegekassen aufgenommen wird: „Die Politik muss nachziehen und palliative Betreuung in die Pflegesätze einrechnen.“
Hell hofft auf eine eigene Pflegestufe für schwerstkranke und sterbende Menschen, die Hospiz-Leistungen über die reine Pflege hinaus finanziert.
Ein ausführlicher Bericht über das Chiemsee-Hospiz in Bernau – neben der Hospizinsel in Waldkraiburg das zweite Projekt, das heuer von der OVB-Weihnachtsaktion unterstützt wird – folgt in der Samstagsausgabe.
Wie immer bei der OVB-Weihnachtsaktion fließt bei „OVB-Leser zeigen Herz für Hospizbewegung“ jeder Spenden-Cent direkt und ohne Abzug von Kosten in die Hospizarbeit in der Region. Spenden können ab sofort auf die zwei Sonderkonten bei der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling und der Volksbank Raiffeisenbank Rosenheim-Chiemsee überwiesen werden (siehe Kontonummern in der eingeblockten Grafik).