Rosenheim – Unabhängig vom Scheitern der Sondierung in Berlin geht der Machtkampf in der CSU um die Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2018 und den Parteivorsitz weiter. Die oberbayerische Bezirksvorsitzende Ilse Aigner hatte eine Urwahl für die Kür des Spitzenkandidaten ins Gespräch gebracht und war auf heftige Kritik gestoßen (wir berichteten).
Gabriele Bauer zeigt sich darüber „entsetzt“ und weist Aigners Kritiker in die Schranken. „So düpiert man die Vorsitzende des größten CSU-Bezirksverbandes nicht“, so die Rosenheimer Oberbürgermeisterin, eine von Aigners Stellvertretern auf Bezirksebene. Es sei legitim, eine Urwahl anzudenken. Ob sie zeitlich machbar sei, wisse sie nicht. Die aktuelle Diskussion um Führungsfragen entspreche nicht dem CSU-Niveau. Bauer setzt auf die Sitzung des Parteivorstandes am Donnerstag. „Ich bin sicher, dass wir dann mit einer gemeinsamen Strategie nach außen gehen.“
Das hofft auch die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. Sie sieht den Parteivorsitzenden Horst Seehofer am Zug, einen Vorschlag zur Lösung des Konflikts zu unterbreiten. Erst dann könne eine interne Debatte beginnen. Gleichzeitig lässt sie eher wenig Sympathie für eine Urwahl erkennen. „Mir fehlt die Vorstellungskraft für einen Binnenwahlkampf in der CSU, wenn man nicht weiß, wie es in Deutschland weitergeht.“ Mit der „Nabelschau“ müsse jetzt Schluss sein, fordert Ludwig. Man könne nicht ausblenden, was in Berlin passiert ist.
Auch Daniel Artmann, Kreisgeschäftsführer der CSU und zugleich Bezirksvorsitzender der Jungen Union in Oberbayern, warnt vor einer Fortsetzung des Streits. „Der ist komplett ungünstig.“ Im Moment sei es jedoch schwierig, sich auf eine Personalie für die Spitzenkandidatur festzulegen. Es sei allerdings nötig, schnell über Lösungen zu reden.
CSU-Kreisvorsitzender Klaus Stöttner, der kürzlich in einem Interview den „Ichlingen“ in der Partei die Leviten gelesen hatte, ist nun schmallippiger. Er nehme Aigner in Schutz, „ohne ihre Meinung sofort zu teilen“, sagt er. Eine Urwahl sei eine Überlegung wert. Ob er in diesem Fall Aigner oder Söder unterstützt, ließ er offen. Bedeckt hält sich auch Landrat Wolfgang Berthaler. „Kein Kommentar“, ließ er auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen ausrichten.