Betreiber kündigt Öffnung an

Sudelfeld-Start mit Rankenlift

von Redaktion

Kurz vor dem Start in den Skiwinter bahnt sich im zähen Streit am Sudelfeld eine Einigung an – oder doch nicht? In jedem Fall gibt es eine gute Nachricht für die Skifahrer: Sobald genügend Schnee auf den Pisten liegt, wird auch der Rankenlift den Betrieb wieder aufnehmen.

Oberaudorf/Bayrischzell – „Lift-Krieg am Sudelfeld mitten im Hochsommer“ hatte unsere Zeitung im August getitelt, weil ein Liftbetreiber angekündigt hatte, aus dem seit mehreren Jahrzehnten bestehenden Liftverbund auszutreten. Zwei Möglichkeiten standen im Raum: Dass sich die Skifahrer am Ranken-Schlepplift ein Extra-Ticket kaufen müssen – oder dass die Liftanlage, die von Grafenherberg zum Waldkopf führt, ganz geschlossen bleibt.

Aber das ist nun Schnee von gestern. Am Mittwoch versicherte Josef Berger aus Seebach (Gemeinde Oberaudorf), der den Ranken-Schlepplift seit 25 Jahren betreibt, im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen: „Der Rankenlift wird laufen – und niemand muss dafür extra bezahlen.“

Am Dienstag hatte Berger bereits eine E-Mail an Bürgermeister, Politiker und Touristiker verschickt und darin angekündigt, dass er – „im gleichen Umfang wie bisher auch“ – mit dem Rankenlift am Skibetrieb Sudelfeld teilnimmt. Die Maßnahme sei für das Skigebiet sinnvoll.

Das klingt nach Versöhnungskurs. Doch ob nach der Schussfahrt in ein modernes Skizeitalter nun auch Harmonie einkehrt am Sudelfeld, bleibt ungewiss.

Denn Berger betont in dem Schreiben, dass die Maßnahme ausschließlich auf der Rechtsgrundlage der „Vergleichsweisen Vereinbarung“ vom 15. Oktober 2001 basiere: „Aufgrund dieser Vereinbarung erhält der Rankenlift aus den Gesamteinnahmen aller verkauften und im Wirtschaftsraum Sudelfeld geltenden Liftkarten den Anteil, der sich für ihn aus den durchschnittlich prozentualen Erlösen der letzten fünf Jahre errechnet.“ An einer juristischen Ausfertigung werde derzeit gearbeitet.

Egid Stadler, Sprecher der Vereinigten Liftbetriebe Sudelfeld GbR, sieht das jedenfalls anders und verweist auf ein neuerliches Angebot, das dem Rankenliftbetreiber erst vor 14 Tagen unterbreitet worden sei – und das Berger abgelehnt habe. „Josef Berger hat letztes Jahr gekündigt, hat gegen uns geklagt. Dass er jetzt doch wieder mitmachen will, ist erfreulich“, so der Bayrischzeller.

Im Gespräch mit unserer Zeitung betont der Chef des Liftverbundes, dass er öffentlich keine Verhandlungen führt, lässt aber durchblicken, dass die „Vergleichsweise Vereinbarung“ von 2001 für die Vereinigten Liftbetriebe Sudelfeld keine Diskussionsgrundlage mehr ist.

Der Streit um die Gestaltung der Modernisierung, die Trassenführungen für Liftanlagen und die Verteilung der Einnahmen zieht sich seit Jahren hin. Nun hat das Landgericht München Vorschläge für eine Mediation gemacht. Ein Richter soll deshalb extra aufs Sudelfeld kommen. Ob der Termin zu Stande kommt, schon vorher eine Lösung gefunden wird oder sich die Fronten wieder verhärten – das blieb gestern offen.

„Wir wären froh, wenn Herr Berger doch dabei wäre. Aber die Regeln kann nicht der aufstellen, der gekündigt hat“, sagt Stadler. Berger gilt als Schneekanonen-Pionier am Sudelfeld. Sein Fachwissen ist gefragt, seine Söhne kümmern sich mit Können und Hingabe um die Pflege der Pisten. So ist der Rankenlift zu Beginn der Saison oft früher und im Frühjahr länger in Betrieb als andere Anlagen.

Im Zuge der Modernisierung des Skigebiets sieht sich der Bergbauer aus Oberaudorf zu Unrecht in der Rolle des Quertreibers, der stets aus der Reihe tanzt: „Ich wollte nie etwas blockieren. Es geht ganz einfach um die Wirtschaftlichkeit.“ Seinen Angaben zufolge würde das aktuelle Verteilerschlüssel-Angebot der Vereinigten Liftbetriebe nicht einmal annähernd die Betriebskosten für seinen 740 Meter langen Rankenlift decken.

Trotzdem wird die Anlage in wenigen Wochen wieder Skifahrer und Snowboarder befördern. Oben angekommen, können Skifahrer auch in diesem Winter auf zwei verschiedenen Pisten, einer blauen (leicht) und einer roten (mittelschwer), wieder nach unten fahren und sich am Kiosk an der Talstation stärken, den der Landwirt zusammen mit seiner Familie betreibt.

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