Zum Advent

Das Mülleimerrennen

von Redaktion

Weihnachtsstress? Einkaufsstress? Konsumstress? Ich halte es da gern mit Jack Sparrow, dem skurrilen Kapitän aus dem Kino-Klassiker „Fluch der Karibik“. „Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem ist deine Einstellung zum Problem“, hat er gesagt. Zugegeben, die stade Zeit fällt nicht unbedingt in die Kernkompetenz eines Piraten, aber diese zwei schlauen Sätze lassen sich mühelos auf unser Verhalten in der Vorweihnachtszeit übertragen. Den Druck, sofern wir ihn spüren, machen wir uns doch selbst.

Mir ist er fremd, weil ich weiß: Weniger ist oft mehr. Eine Kleinigkeit, ein Lächeln oder ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit bewirken oft mehr als das gekaufte Geschenk. Ich erinnere mich an einen Arbeitstag, kurz vor Weihnachten 2002 war das, und in der OVB-Redaktion war – Verzeihung, lieber Nikolaus – die Hölle los. Da platzten auch noch meine Buben, damals zwei und vier Jahre jung, mit ihrer Mama herein. Kein guter Moment.

Aber das war einem meiner Kollegen egal. Er packte sich die Kleinen, steckte sie in den großen, kniehohen Kübel fürs Altpapier und rief: „So, jetzt machen wir ein Mülleimerrennen!“ Und ab ging die Post. So schnell er nur konnte, wie ein Bobfahrer beim Anschieben, ließ er die kleinen Redaktionsgäste durchs Großraumbüro flitzen. Rechtsschwung vorbei an der Landkreisredaktion, mit Karacho hinter zur Kultur, scharfe Linkskurve, vorbei am Sport, am Sekretariat, und nächste Runde.

Was den Buben Tage später das Christkind gebracht hat? Die Playmobil-Pirateninsel, ein Schweini- oder Poldi-Trikot? Sie wissen es nicht mehr. Aber die Erinnerung ans Mülleimerrennen mit dem „Mülleimerrennen-Christian“ (so heißt der Kollege für die zwei) lässt noch heute ihre Augen strahlen. Wie sagt „Pirat“ Johnny Depp, der Jack-Sparrow-Darsteller: Auszeichnungen sind ihm nicht so wichtig, viel mehr zählt für ihn, wenn ein zehnjähriges Kind sagt, „Ich liebe Captain Jack Sparrow!“

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